Das Alien hatte seinen Schrecken verloren. Den einst unerbittlichen und überlegenen Jäger transformierten Videospiele zu einem kreischenden Biest, das in Games wie Alien Trilogy oder zuletzt Aliens: Colonial Marines nur noch scharenweise über den Haufen geschossen wurde. Der ursprüngliche Horror, den Ellen Ripley im Film Alien durchleben musste, ging gänzlich verloren. Doch damit ist nun Schluss!
Ihr übernehmt die Rolle von Amanda Ripley, der Tochter von Ellen. 15 Jahre nach dem Verschwinden ihrer Mutter samt Raumfrachter Nostromo wird der Flugschreiber des Schiffs gefunden. Zusammen mit einem Aufklärungsteam begibt sich die junge Frau daraufhin zur Raumstation Sevastopol, wo das Gerät zur Untersuchung liegt. Doch bereits bei der Ankunft geht einiges schief, und Amanda ist plötzlich auf sich allein gestellt.
Die atmosphärische Dichte und inszenatorische Glaubwürdigkeit von Alien: Isolation ist herausragend. Die Sevastopol begeistert mit ihren düsteren Korridoren, engen Luftschächten und großen, verlassenen Hallen. Die Design-Einflüsse des Films sind unverkennbar: Statt einer sterilen modernen Zukunft erwartet Amanda eine Raumstation mit grobschlächtigen Computer-Terminals, endlosen Kabelkanälen, Kassettenrekordern und Speicherkarten im Buchformat. Das Sounddesign ist ebenfalls eine tolle Hommage an den Filmklassiker: Auf der maroden Station klappert, poltert und zischt es ständig mit Surround-Anlage entfaltet sich eine beängstigende Klangkulisse. Gerade Alien-Fans bemerken hier ebenso wie bei den mal ruhigen, mal treibenden Themen die große stilistische Nähe zur Vorlage.
In dieser unwirtlichen Umgebung trifft die junge Ripley bereits kurz nach ihrer Ankunft auf das Alien, dessen Anwesenheit fortan den Spielverlauf diktiert: Ruhiges und bedachtes Vorgehen haben bei Alien: Isolation oberste Priorität, denn das Biest ist unbesiegbar und bei Kontakt sofort tödlich. Glücklicherweise findet Amanda den aus den Filmen bekannten Motion Tracker. Das piepende Gerät macht Bewegungen als grüne Punkte sichtbar, außerdem zeigt es das nächste Missionsziel leider lockt das Geräusch mitunter das Alien an. Weitere Hilfe versprechen überall verstreute Materialien: Habt Ihr den entsprechenden Bauplan aufgenommen, schraubt Amanda mittels simplem Crafting-System Geräuschmacher, Medipacks oder Rauchgranaten zusammen. Viele dieser Gegenstände könnt Ihr aber nicht tragen, daher ist ein überlegter Einsatz Pflicht. Um auf der Station voranzukommen, aktiviert Ihr Generatoren, öffnet Türen mit dem Plasmaschneider und hackt Computer.
Ist der Xenomorph in der Nähe, stellt Verstecken die erste Option dar: Amanda kauert unter Tischen, duckt sich hinter Kisten oder steigt in Kleiderspinde. Wirklich sicher seid Ihr aber nirgendwo, denn das Alien spürt Euch auch anhand des Atems auf haltet die Luft an, wenn die Bestie vorbeiläuft. Kinect oder PlayStation Kamera reagieren optional auf Eure Kopfbewegungen beim Lehnen aus der Deckung, Geräusche im Zimmer wiederum machen Feinde aufmerksam beides funktioniert gut.
Amanda drohen aber noch weitere Gefahren. Die Menschen auf der Sevastopol sind ihr feindlich gesonnen und eröffnen bei Sichtkontakt das Feuer. Aggressive Androiden wollen ebenfalls umgangen werden. Wer hier aufs Schleichen verzichtet und etwa den gefundenen Revolver auspackt oder gar mit selbst gebauten Bomben attackiert, lockt mit dem Krach das Alien an. Ganz mutige Naturen scheuchen das Monster auf, um sich störender Personen zu entledigen. Einschätzen lässt sich das Verhalten des Aliens jedoch nie. Und damit einher geht das größte Problem des Spiels: Das Überleben wird häufig zur Glückssache.
Trotz ständigen Gebrauchs von Motion Tracker, Schleichen und der Vermeidung von lärmendem Item- oder Waffeneinsatz kann es Euch in Alien: Isolation erwischen. Denn das Wesen folgt keinem Bewegungsmuster, sucht manchmal minutenlang einen Korridor ab und lässt Euch so keine Möglichkeit zur Flucht an anderer Stelle verschwindet das Biest so schnell, wie es gekommen ist und tötet Euch, als Ihr gerade aus der Ecke gekrochen kommt. Auch während kurzer Zwischensequenzen, etwa beim Hacken eines Computers, schlägt das Alien zu. Das führt zu Frustmomenten, die von den häufigen manuellen Speicherstationen zumindest entschärft werden. Am Alien selbst fallen die steifen Animationen der ansonsten fein modellierten Figur auf. Gleiches gilt für menschliche Freunde wie Feinde: In der Bewegung wirken die Charaktere hölzern und künstlich. Auch der Gegner-KI fehlt es an Glaubwürdigkeit: Sie sehen Euch zwar problemlos am anderen Ende eines fast dunklen Raums, bemerken aber Amandas Vorbeischleichen unmittelbar hinter ihrem Rücken nicht.
Erst nach dem Durchspielen der Story empfiehlt sich ein Abstecher zum Überlebens-Modus, ansonsten nehmt Ihr Euch Ereignisse vorweg. Ihr spielt den Keller unter Zeitdruck und versucht, drei Missionsziele zu erfüllen. Je mehr Zeit Ihr braucht, desto weniger Punkte erhaltet Ihr für das Erfüllen der Aufgaben. Weitere Karten für den Modus bringt nur der Season Pass.
Sascha Göddenhoff meint: Es gibt wenige Spiele, die mich optisch und akustisch derart packen wie Alien: Isolation: Die Liebe zum Film steckt in jedem rauchigen Korridor und dunklen Luftschacht hier hat The Creative Assembly großartige Arbeit abgeliefert! Doch einige spielerische Ungereimtheiten vertreiben meine Gänsehaut: Unfaire Alien-Angriffe, hakelige Animationen von Menschen und Monster sowie eine schlichte Story untergraben immer wieder die krasse Atmosphäre. Ich kritisiere nicht den Ansatz, mich einem übermächtigen Gegner stellen zu müssen, sondern die Tatsache, dass oft nicht mein Können über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. 20 Stunden lang habe ich das Gefühl, dem Spiel ausgeliefert zu sein dieses Konzept strengt mehr an, als dass es begeistert.
- ständige Gefahr durch unbesiegbares und unberechenbares Alien
- bastelt Items aus gefundenem Material
- gute deutsche und sehr gute englische Sprecher
Visuell wie klanglich herausragender Überlebenskampf, bei dem ein unkalkulierbares Alien leider häufig für Frust- statt Horrorstimmung sorgt.
| Singleplayer |  | 74 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |