Sierra, eines der absoluten Urgesteine der Videospielindustrie, hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Sierra wurde schon 1979, noch unter anderem Namen, von Roberta Williams (hier rechts im Bild) und ihrem Mann Ken Williams gegründet, welche zusammen das allererste Grafikadventure Mystery House entwickelten. 1984 gelang ihnen mit dem ersten King`s Quest-Teil der Durchbruch, welcher Sierra die nötigen finanziellen Mittel gab zu expandieren und zusammen mit Lucas Arts den Adventure-Markt der späten 80er und 90er Jahre zu dominieren. Aus dieser goldenen Zeit stammen unter anderem Klassiker, wie die ohne Komplettlösung so gut wie unspielbare Policequest-Reihe und die schlüpfrige, für damalige Verhältnisse sehr gewagte Larry-Serie. Dass sie keine Angst vor Kontroverse hatten, zeigte auch Roberta Williams’ kongeniales Phantasmagoria, welches sich als erstes Full-Motion-Video-Spiel der Firma direkt mal vor allem um Sex und Gewalt drehte.
1996 wurde Sierra jedoch erstmalig verkauft und nur ein Jahr später verließ Ken Williams das Unternehmen. Nach weiteren Verkäufen und groß angelegten Umstrukturierungen landete Sierra schließlich in den Händen von Vivendi. 1999 wurde intern ein weiteres Umstrukturierungspaket beschlossen, welches den mittlerweile unprofitablen Entwickler wieder auf die Erfolgsspur zurückbringen sollte. Der Tag dieser Ankündigung wird bis heute von Sierra-Fans als schwarzer Montag bezeichnet, welcher zu weitreichenden Entlassungen und vollständigen Schließungen von Sierra-Studios führte. Auch Roberta Williams verließ nun, 3 Jahre nach ihrem Mann, endgültig das Unternehmen. Von diesem Zeitpunkt an war Sierra nicht viel mehr als eine tote Hülle und operierte als Tochterunternehmen von Vivendi, welche nun Spiele von fremden Herstellern unter dem Sierra-Logo herausbrachten. Im Jahre 2008 gingen alle Internetseiten mit Sierra-Beteiligung offline oder leiteten auf die offizielle Seite von Activision um, welche als Activision-Blizzard seit der Übernahme von Vivendi im Besitz der Markenrechte sind.
Und nach dieser kleinen Geschichtsstunde jetzt die freudige Nachricht: Activision-Blizzard belebt die Marke Sierra wieder und zwar mit einem exklusiven Fokus auf Indie-Entwicklung. Dabei soll Sierra als Publisher und Anlaufstelle für viele kleine aufstrebende Studios dienen, welche sich entweder an den alten Marken Sierras bedienen, oder neue Projekte verwirklichen können. Tatsächlich könnte so der Charme des alten Sierra bewahrt werden, wenn man auf kleine, innovative Spiele mit Humor sowie Ecken und Kanten setzt. Als erste Projekte wurden eine Neuinterpretation der King`s Quest-Reihe und ein neues Geometry Wars angekündigt. Ken und Roberta Williams freuen sich übrigens, dass die Geschichte namens “Sierra” ein neues Kapitel erhält.