Man sieht sich im Leben immer zweimal. Und so muss die junge Lara Croft noch einmal das Trauma ihrer ersten Forschungsexpedition erleben und strandet nun auch auf PlayStation 4 und Xbox One auf einer unheimlichen Insel, in der reale und übernatürliche böse Mächte am Werk sind. Das ballerlastige Abenteuer brachte die Videospielikone im letzten Jahr nach langer Durststrecke zurück in die Herzen der Spieler. Kann die Definitive Edition noch eins draufpacken?
Wer die Versionen für PS3 und Xbox 360 schon gespielt hat, staunt nicht schlecht, als ihm Lara das erste Mal in die Augen blickt. Crystal Dynamics hat die Dame zur Schönheits-OP geschickt und alles entfernt, was das vormals eher kindliche Gesicht von ihren früheren Reinkarnationen unterschied. Das neue Antlitz wirkt erwachsener und passt besser zur starken Heldin, zu der das Mädchen im Laufe des Spiels wird. Ob es schöner ist als das alte Gesicht, bleibt Geschmackssache. Die neuen Haare dürften dagegen jedem Spieler mehr gefallen als die im Original. Zwar sind auch sie noch weit entfernt von der filigranen Beschaffenheit einer echten Mähne und glänzen zu stark besseres Haupthaar hat man im Videospiele-Sektor aber noch nicht gesehen. Einzelne Strähnen bewegen sich unabhängig voneinander, Clipping-Fehler treten nicht mehr so häufig auf wie üblich. Nur wenn Lara in eine Falle tappt und kopfüber hängt, versagt die neue Matte den Dienst und strebt lieber weiter nach oben, statt physikalisch korrekt Richtung Erde.
Ansonsten hat Crystal Dynamics an den Lichteffekten und Texturen geschraubt und bringt die ohnehin tolle Optik auf Next-Gen-würdiges Niveau. Von der technischen Qualität eines Ryse ist man aber meilenweit entfernt, die PS3/360-Herkunft lässt sich nicht verleugnen und verhindert, dass die Kinnlade auf den Boden fällt. Als nett, aber nicht weltbewegend entpuppen sich die weiteren Änderungen der definitiven Edition: Ein leicht unscharfer In-Game-Comic erzählt die Vorgeschichte des Spiels, eine digitale Artwork-Sammlung gibt es dazu. Außerdem wechselt Ihr an den Lagerfeuern in andere Outfits, alle DLCs für den Mehrspieler-Modus und das zusätzliche Grab der Einzelspieler-Kampagne sind ebenfalls dabei.
PS4 vs. Xbox One
Warum wir so viel über die technischen Veränderungen schreiben? Weil sich inhaltlich nichts geändert hat. Genau wie in der Ursprungsversion versucht Ihr in Gestalt von Lara Croft, zusammen mit Euren Freunden von der mysteriösen Insel zu entkommen. Eine Gruppierung brutaler Wilder, die scheinbar vor langer Zeit ebenfalls an der Küste Schiffbruch erlitt, stellt sich Eurem Vorhaben in den Weg. Ihr erledigt Feinde mit Pfeil und Bogen, Pistole, Sturmgewehr, Schrotflinte und teils deftigen Nahkampfkills. Lara bewegt sich automatisch geduckt vorwärts, sobald Gefahr droht. Steht sie aufrecht, könnt Ihr Euch entspannen.
Die Gefechte (der Hauptteil des Spiels) sind gut inszeniert und machen Spaß, wirken aber anspruchsloser als beim Genre-Kollegen Uncharted. Gekraxelt wird mittels Seilpfeilen und Kletteraxt, kleine Rätsel löst Ihr unter Zuhilfenahme von Laras Überlebensinstinkt. Durch diesen heben sich relevante Objekte leuchtend von der Umgebung ab. So findet Ihr auch die zahlreichen auf dem Eiland verstreuten Geocaches, Truhen und Aufzeichnungen anderer Gestrandeter. Zwischen den Lagerfeuern der verschiedenen Inselbereiche, an denen Ihr Laras Fähigkeitenrepertoire erweitert und Waffen aufrüstet, springt Ihr per Schnellreisefunktion hin und her, um mit neu gefundenem Equipment in vorher verschlossene Bereiche vorzudringen. Für die Kampagne sind diese Ausflüge irrelevant, die Story folgt einem roten Faden, der Lara immer tiefer ins Herz der Insel führt und Euch mal schockiert, mal triumphierend zurücklässt.
Für schwache Mägen ist Tomb Raider nicht geeignet. Zwar bleiben Körperteile immer da, wo sie hingehören, doch bei Nahkampfkills drückt Lara ihrem Gegner z.B. ihre Flinte unters Kinn. Wen das nicht angesichts des zuerst eher weinerlichen und unerfahrenen Mädchens schockt, der bekommt spätestens bei ihren Todesszenen einen Kloß im Hals. Wer bei den selten vorkommenden Quick-Time-Events versagt oder bei den zahlreichen Rutschpartien in die falsche Richtung drückt, wird an Baumstämmen aufgespießt, auf Metallstangen gepfählt und von Gesteinsbrocken zerquetscht in Großaufnahme und verstörend detailreich. Kennt Ihr all das schon, solltet Ihr Euch den Kauf aufgrund der mangelnden Extras gut überlegen. Wer Tomb Raider bisher nicht gespielt hat, darf zugreifen!
PS4 vs. Xbox One
Technik-Vergleich: PS4 vs. Xbox One
Wie im Text vorhin geschrieben, sieht Tomb Raider: Definitive Edition auf beiden neuen Konsolen natürlich ein ganzes Stück schicker aus als auf der alten Hardware, als Grafikreferenz gegenüber Ryse & Co. aber nicht der beste Kandidat ein tolles Bild gibt das Abenteuer dank aufgemotzter Texturen und Effekte dennoch ab.
Square Enix hatte zwei unterschiedliche Teams mit den Portierungen beauftragt, was die Ursache dafür sein dürfte, dass sich beide Versionen im Direktvergleich doch in einem Kernaspekt so überraschend deutlich unterscheiden wie bisher kein anderer Multiformat-Titel: Im Standbild gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen, dafür fällen die Bildraten höchst unterschiedlich aus. Auf der Xbox One turnt Lara Croft mit nahezu stabilen 30 Bildern pro Sekunde durchs Gelände, die PS4 dagegen läuft meistens in 60 Bildern pro Sekunde, die aber dafür häufiger schwanken.
Unterm Strich wirkt die Sony-Variante damit unübersehbar geschmeidiger, auf den Spielspaß hat das aber trotzdem keinen entscheidenden Einfluss hier geben sich PS4 und Xbox One nichts.
Ansonsten wartet die Microsoft-Fassung mit Kinect-Unterstützung in Sprachkommandos und ein paar Gesten auf, die ihr aber getrost ignorieren könnt. Wer die PS4-Kamera besitzt, kann auch der Befehle erteilen, was ähnlich überflüssig ist.
PS4 vs. Xbox One
Tobias Kujawa meint: Macht Tomb Raider auch als Next-Gen-Fassung Spaß? Na klar! Laras Reise über die sturmumtoste Insel kann man auch ein Jahr nach der Erstfassung problemlos genießen. Obwohl mir das Spiel insgesamt zu simpel ist und ich den Bruch zwischen dem weinenden Mädchen in den Zwischensequenzen und der toughen Serienkillerin in den Spielszenen immer noch nicht mag. Überzogen finde ich den Vollpreis, vor allem weil sich am Spiel bis auf das optische Feintuning nichts getan hat und die Technik war schon auf PS3 und Xbox 360 sehr gut. Die paar DLC-Brocken und den unscharfen In-Game-Comic, der die Vorgeschichte erzählt, hätte man sich sparen können, um das Ganze dann zum Budget-Preis zu bringen! Für Besitzer der alten Versionen finde ich deshalb keinen nennenswerten Grund für einen Neukauf.
PS4 vs. Xbox One
- auch ein Jahr später macht Laras Abenteuer noch Spaß
- enthält alle DLCs, einen unscharfen In-Game-Comic und ein Ingame-Artbook
- Lara mit neuem Haupt
PS4 vs. Xbox One Meinung
Wer noch nicht mit Frau Croft kletterte und kämpfte, sollte das jetzt nachholen. Für Besitzer der Ursprungsversion lohnt sich der Kauf nicht.
| Singleplayer |  | 85 |
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| Grafik |  |
| Sound |  |