Lange zwölf Jahre hat der schlaksige Luigi auf seinen zweiten Einsatz als Geisterjäger warten müssen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte das ruhig länger dauern können: Denn noch immer schlottern Marios Bruder (rührend animiert und herzzerreißend vertont) alle Glieder, wenn er an Spukhäuser nur denkt. Doch der schon aus dem GameCube-Erstling bekannte Professor I. Gidd kennt keine Gnade und schickt Luigi ins Nachtschattental, um den dort residierenden Geistern die Bruchstücke des Finstermonds zu entreißen.
Entreißen ist dabei wörtlich gemeint, denn das vielgestaltige und bunte Gespensterpack verschwindet am Ende in bester Samstagsputzmanier ruckartig und mit einem satten Plopp in Luigis Rückensauger Schreckweg 09/15 (kann per L1-Taste auch als Gebläse eingesetzt werden). Das klappt allerdings nur, wenn Ihr die feinstofflichen Wesen mit einem Blitz aus Eurer Taschenlampe sichtbar macht und kurzzeitig in Schockstarre versetzt dann den Sauger anwerfen und der Tanz beginnt. Die Geister zerren je nach Größe und Stärke wild am Luftwirbel und schleifen Luigi quer durch die Gegend. Lenkt Ihr geschickt entgegen der Ziehrichtung, sinkt die Kraft der Unholde (die Zahlenwerte über ihren Köpfen fallen) und die A-Ruck-Leiste des Schreckweg füllt sich ist sie voll, reißt Ihr per A-Taste kräftig an den fliegenden Bettlaken und befördert sie im Idealfall sogleich in den Saugertank. Nach kurzer Spielzeit findet Ihr zudem einen Taschenlampen-Aufsatz, der für ein Regenbogenlicht sorgt, das unsichtbare Gegenstände (von Mobiliar über Türen bis hin zu Brückenteilen) wieder in die reale Welt beamt.
Mit diesen (überschaubaren) Zutaten kredenzen die kanadischen Entwickler ein kurzweiliges Old-School-Abenteuer: In den mehrstöckigen Spukhäusern gibt es unzählige versteckte Schätze, Geheimräume und teils fiese Kopfnüsse wer dann am Ende einer (ca. 20- bis 30-minütigen) Mission den sprichwörtlichen Geist aufgibt, muss von vorn beginnen. Das mag heutzutage absurd klingen und auch mal nerven, aber es erhöht den Schweißnasse-Hände-Faktor enorm zumal die Schwierigkeit zum Ende hin ordentlich anzieht.
Wer sich allein vor Comic-Geistern fürchtet, holt bis zu drei weitere Spieler ins Boot und meistert den vielstöckigen Wirrwarrturm das normale Abenteuer bleibt Solisten vorbehalten.
Oliver Schultes meint: Fluchen, zetern, mit dem Schicksal hadern. Grinsen, brüllen, freuen. Luigis Mansion 2 weckt starke Emotionen und zwar auf althergebrachte Art, indem es dem Spieler gegenüber keine Gnade kennt. Checkpoints fehlen, Speichern ist ebenfalls nicht möglich. Wer am Ende am (Zwischen-)Boss scheitert, spielt das Level (mitunter frustriert) noch einmal von vorn in Zeiten von Autosave und Hilfefunktionen für mich aber eine erfrischende, anregende und belohnende Erfahrung! Das Abenteuer ist liebevoll modelliert und animiert, es protzt mit Details und einem Ohrwurm-Soundtrack, die Soundeffekte sind erstklassig. Die Mixtur aus Laufen, Rätseln und Saugaction motiviert dank zahlloser Sammel-Items und spannender Locations unterm Strich wiederholt sich der Spielablauf aber zu schnell.
Pierre Liedloff meint: Angsthase Luigi überzeugt in Mimik und Gestik, gelegentlich singt er gar die Titelmelodie. Das sind die Momente, in denen ich mich beim Schmunzeln erwische. Ein fairer Anstieg des Schwierigkeitsgrades hält die Motivation aufrecht, auch wenn die Missionen mit ihren durchschnittlich 20 Minuten ohne Speichermöglichkeit unpraktisch für ein Handheld-Spiel sind. Aber gerade das erhöht die Konzentration und das Spielerlebnis ungemein, da maximal ein Continue in Form eines goldenen Hundeknochens gefunden werden kann. Schauplätze und Bossgegner sind abwechslungsreich und skurril zugleich Geister können nun mal in alles einfahren! Mein Fazit: vorbildlicher Auftritt des vernachlässigten Bruders, wer Action-Adventures mag, greift zu.
- 5 Geisterhäuser, 1 Mehrspieler-Turm
- Voraussetzung für Multiplayer-Einsätze: lokal benötigt jeder Mitspieler ein Modul für volle Funktionsvielfalt Download-Partien von einem Modul mit Einschränkungen, online mit allen Optionen
Rätseln, blitzen, saugen: liebevoll präsentiertes Action-Adventure, dem es auf Dauer an Abwechslung fehlt.
| Singleplayer |  | 78 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |