Viele Videospiele haben sich ihre guten Verkaufszahlen redlich verdient sei es, weil sie einem Genre neue Impulse verleihen, den Zeitgeist treffen, technisch bzw. spielerisch herausragen, vor Ideenreichtum und Witz sprühen oder einfach den Geschmack des Publikums perfekt bedienen. DmC: Devil May Cry ist in visueller Hinsicht ein Kracher geworden, zudem ist sein Kampfsystem dafür verantwortlich, dass Ihr von der ersten bis zur letzten Minute großartig unterhalten werdet und natürlich dafür, dass am Ende unseres Tests eine so hohe Wertung steht.
Dass solche Qualitäten nicht zwingend hohe Umsätze garantieren, mussten zahllose geniale Games am eigenen Leib erfahren z.B. der ähnlich hochwertige Slasher Bayonetta. Dem DmC-Entwickler Ninja Theory ist ein echter Verkaufsknaller besonders zu wünschen: Zum einen hätte schon sein letztes Spiel Enslaved den Durchbruch verdient gehabt, zum anderen wäre eine solche Quittung der Spielergemeinde Balsam für die zugefügten Wunden. Hatte doch Dantes neuer Look einen im Spielebereich fast beispiellosen Shitstorm aufgebrachter Devil May Cry-Nerds heraufbeschworen. Wer mehr zu diesem unschönen Thema lesen mag, dem sei an dieser Stelle Brenna Hilliers ausführlicher Kommentar empfohlen. Dessen Aussagen schließt sich der Autor dieses Tests weitgehend an…
Die hohe Qualität von DmC fußt auf vier Säulen: Kampfsystem, Art- bzw. Leveldesign, Sound und Story. Nur Letztere ist ein bisschen wackelig: Denn obgleich die Verquickung von Dämonen-Fantasy mit aktueller Gesellschaftskritik gut ist für einige Schmunzler und satirische Untertöne, war es nicht die Geschichte, die uns zum Weiterspielen motivierte. In puncto Charakterzeichnung und Dramatik gefielen uns die Ninja-Theorien Heavenly Sword und Enslaved besser. Ein Pluspunkt hingegen ist die höllische Soundkulisse: Selbst wer das Industrial-Electro-Projekt Combichrist nicht kennt oder kein Freund dieser musikalischen Spielart ist, frohlockt beim Beginn jedes Kampfes: Schneidende Gitarren, druckvolle Beats und verzerrte Shouts bringen Euer Blut zum Kochen der perfekte Badass-Soundtrack, um Dämonen abzuschlachten.
Während die (auf der Disc enthaltenen) englischen Sprecher kaum Anlass zur Kritik geben und den Sequenzen so etwas mehr Ausdruck verleihen, ist die Auswahl der deutschen Stimmen weniger gelungen. Zwar handelt es sich durchweg um professionell klingende Akteure, gerade die zu bubenhafte Stimme Dantes dürfte aber etlichen Zockern missfallen auf Deutsch wirken rotzfreche oder vulgäre Dialoge nicht sonderlich glaubwürdig stark hingegen ist die oftmals vernachlässigte Lippensynchronität. Stark ist ein gutes Stichwort für den Kern des Spiels: das Kampfsystem. Dante weicht per Schultertaste aus, blockt nicht und beherrscht Doppelsprünge. Er zieht sich zu Feinden hin oder reißt diese zu sich heran beides sind formidable Möglichkeiten, die Action flüssig zu gestalten, viele Stilpunkte einzusacken (für die Abschlussbewertung eines Levels) und noch viel wichtiger: um massig Spaß zu haben. Die elegante Verkettung von Angriffen, die Feinde hochschleudern, Luftattacken, Schüssen sowie aufgeladenen Schlägen geht einfacher von der Hand als in allen bisherigen Serienteilen und das ist auch gut so! Dank insgesamt acht verschiedener Todbringer (siehe Bildcollage oben), könnt Ihr jede Auseinandersetzung auf ganz unterschiedliche Weise lösen. Selbstverständlich dürft Ihr alle Waffen mit erspielten Punkten aufmotzen: Die Vielfalt der zu erstehenden Combos wirkt groß, aber überschaubar. Ebenfalls praktisch ist die Tatsache, dass allen Metzelwerkzeugen ein ähnliches Kontrollschema zugrunde liegt Ihr müsst nicht jedes Mal umdenken. Die (farbliche) Aufteilung in Engels- und Dämonenwaffen hilft nicht nur in der Hitze der Fights, sie wurde zudem sinnvoll mit den Schwachstellen Eurer Antagonisten verquickt.
Selbstredend gibt es auch den beliebten Supermodus Devil Trigger (heißt jetzt Dämonentrieb) der sieht cool aus, die Energie dafür ist aber (zu) schnell aufgebraucht. Magie-Packs oder Lebensenergie-Ampullen kauft Ihr vor dem Levelstart (dort darf auch stets die Schwierigkeit gewählt werden) oder an etlichen Stellen in den Welten erhältlich ist da auch eine goldene Kugel, die als Extraleben fungiert. Fair verteilte Speicherpunkte und eine auf mittel wirklich gemäßigte Schwierigkeit machen Frust zum Fremdwort wer es schwerer mag, freut sich über vier toughe Stufen, wo Dante mitunter schon beim ersten Treffer ins Gras beißt. Auch die Platzierung und Zusammensetzung der Feindhorden ist vorbildlich: Habt Ihr eine neue Waffe erhalten, taucht sofort eine Schar Kleinvieh auf, die Ihr fein säuberlich zerpflücken dürft. An anderer Stelle werden Standardfeinde von einem dick gepanzerten Brocken oder fliegenden Wesen flankiert, die entweder sich oder aber ihre Lakaien durch einen Energieschild schützen auch hier kommt Dantes duales Wesen zum Tragen derlei Barrieren knackt Ihr nur mit Engelswaffen.
Das außergewöhnliche Design der Spielwelt haben wir bereits im Preview über den grünen Klee gelobt: Herausragend sind ein Disko-Abschnitt, die Kopfüber-Stadt und das TV-Studio. Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Spiel nur eine lineare Verquickung vieler Kämpfe und einiger Hüpfpassagen ist, mehr muss es aber nicht sein ein solch famos inszenierter und superb spielbarer Actioner ist ein Glücksfall für unser liebstes Hobby.
Matthias Schmid meint: Zwei bis drei Stunden mehr und ein oder zwei zusätzliche Szenarien hätten DmC gut zu Gesicht gestanden. Das sage ich vor allem, weil ich nicht genug bekommen kann ich habe mich über jedes Level gefreut, jeden Fight genossen. Auch die Geschicklichkeitspassagen zwischendurch fügen sich gut ein trotz hier teils hektischer Kamera und suboptimaler Hüpfsteuerung. Denn die Kontrollen punkten da, wo es wichtig ist: in den packenden, wuchtigen, immer wieder anders ablaufenden Kämpfen. Noch nie hatte ich bei einem HacknSlay so viel Spaß, zu trainieren und komplexe Combos zu erlernen! Nur in puncto Angriffsvielfalt und Over-the-Top-Riesenboss-Action kann DmC nicht mit Bayonetta mithalten. Dafür stimmen Komfort (Upgrades neu verteilbar, Training stets verfügbar) und Boni: Sucht und meistert Geheimräume und schaltet massig Artworks frei.
+ teils famoses Art-Design
+ das Kampfsystem ist durchdacht, bietet zig Optionen, steuert sich großartig und macht Spaß, Spaß, Spaß
+ wahnsinnig treibender Soundtrack
+ 20 geheime Prüfungen, für die Ihr Schlüssel & Zugangstüren finden müsst
+ sehr sinnvolle Gegnerplatzierung
läuft flüssig, aber nur mit 30 Bildern
– letztes Spieldrittel und Endkampf schwächeln leicht
– mit 8 bis 11 Stunden Spielzeit kürzer als der Devil May Cry 4 oder Bayonetta
Dante so gut wie nie zuvor: DmC punktet mit starker Optik und überragendem Kampfsystem und teilt sich den Genrethron mit Kratos & Bayonetta.
| Singleplayer |  | 88 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |