In der pixeligen Welt von Minecraft gibt es Tiere und Monster, Waffen und Rüstungen, Lebensenergie und Atemluft, Tag-Nacht-Rhythmus und Physikmodell, Rohstoffe und unzählige selbst hergestellte Items. Minecraft hat so viel, was RPGs, Simulationen und Action-Adventures ausmacht, aber es ist nichts von alledem: Denn Minecraft hat keine Story, kein Ziel, kein Ende, keine Levels. Es entlässt den Spieler in eine clever konstruierte, aber zufällig generierte virtuelle Welt und macht ihm dabei keine einzige Vorgabe, was er mit dieser anzufangen hat. Der (abgesehen von einem schmalen Tutorial) vollständige Mangel an Führung und der Verzicht auf eine Definition von Sinn und Zweck ist es, was viele Spieler den Kopf schütteln lässt ob des Hypes um Minecraft und des unglaublichen Erfolgs dieses Titels, der in seiner PC-Variante schon über 5 Millionen Mal verkauft wurde und seinen Erfinder, den Schweden Markus Notch Persson, reich gemacht hat.
Minecraft hat aber und das wird der skeptischste Xbox-360-Nutzer nach kurzem Spiel dieser perfekt an Controller und Konsole angepassten Umsetzung zugeben einen ganz besonderen Reiz, dem man nur schwer widerstehen kann. Das Erkunden der lauschigen Wäldchen, sandigen Strände, monumentalen Gesteinsformationen und unterirdischen Höhlen ist hoch motivierend es gibt einfach so viel zu entdecken in dieser blockigen Welt mit ihrer sympathischen Retro-Optik. Gleich danach kommt das Ausbeuten, die Gier nach Rohstoffen und nach all den praktischen, rätselhaften oder raren Besitztümern, die sich aus diesen fertigen lassen. Gebäude wachsen in den Fels oder aus der Erde erst schäbige Hütten, dann immer atemberaubendere Konstrukte aus Stein, Glas und Ziegel. Erze werden geschmolzen, Werkzeuge gefertigt, Kuchen gebacken und Schweine gesattelt oder Waffen geschmiedet, um Skelette und Zombies zu bekämpfen, die nachts aus ihren Verstecken kommen. Das drohende gewaltsame Ableben, der damit einhergehende Verlust des Inventars am Ort des Todes und der nach dem Respawn mitunter weite Marsch dorthin bringt Spannung in die Beschaulichkeit des Ab- und Aufbauens, lässt sich durch Wahl der niedrigsten Schwierigkeitsstufe aber vermeiden.
Minecraft lebt auch auf der Xbox 360 von der Kreativität des Spielers und seiner Lust am Herumprobieren, entfaltet seine ganze Suchtwirkung aber erst im Multiplayer-Modus zu viert im technisch akzeptablen Splitscreen oder besser mit bis zu acht Leuten via Xbox Live. Im Team ist das Leben in der Klötzchenwelt leichter, man kann sich die Arbeit teilen, gemeinsam Großes schaffen oder einfach nur den staunenden Freunden zeigen, welchen Palast man sich in den letzten 48 Stunden hingestellt oder welche abgefahrenen Geheimnisse man entschlüsselt hat. Schade: Ein Spieler besitzt die Welt, ohne den Host bleibt sie geschlossen. Aber ob nun solo oder in der Gruppe: Minecraft ist dank einer vorzüglichen Umsetzung auch auf Xbox 360 eine Erfahrung, die jeder Spieler einmal machen sollte und die für die meisten packender ausfällt als im Vorfeld gedacht.
Vorbildlich an die Konsolen-Eigenheiten angepasster, faszinierender Welt-Baukasten.
| Singleplayer |  | 9 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |