In einem Interview mit Industry Gamers hat sich Carmack zur Zukunft des mobilen Spielens geäußert. id Softwares Interesse an Entwicklungen für Mobilgeräte hat in den letzten Jahren sehr stark zugenommen und steht in engem Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt auf diesem Sektor. “Es ist unglaublich wenn man darüber nachdenkt, dass es, als wir mit Rage anfingen, noch gar kein iOS gab. Das iPhone existierte nicht. All das kam innerhalb des Entwicklungszeitraumes nur eines Projektes.” “Es ist ein wenig erschreckend”, so Carmack weiter, “wenn man darüber nachdenkt. Gravierende Veränderungen der Landschaft können unter unseren Füßen stattfinden, während wir an diesen Großprojekten arbeiten. Aber wir tun wirklich alles, um die Entwicklungs-Zeiträume immer kleiner werden zu lassen.”
Carmacks Äußerungen werden von der US-Website Nielsen anhand aktueller Statistiken untermauert. Demnach waren Spiele in den letzten 30 Tagen die am häufigsten geladenen Apps. Darüber hinaus sind 93 Prozent der Spieler bereit, für Games zu zahlen. iOS-Nutzer verbringen gar doppelt soviel Zeit mit Spielen wie der gewöhnliche Nutzer eines Mobilgerätes. Auch decken sich die Ergebnisse von Nielsen mit Carmacks eigenen Erfahrungen: So greifen seine älteren Entwickler-Kollegen kaum noch zu PS3 und Xbox 360, sondern geben das iPad als Ihre Lieblingsplattform an. “Es ist trotz allem eine andere Erfahrung”, meint Carmack. “Es ist eher ein Zeitvertreib als eine Bestimmung. Sicher sind die Geräte leistungsfähig genug für richtungsweisende Spiele, doch es ist nicht das, was dort wirklich gut läuft. Das ist schon etwas schade.” In Carmacks Augen zeigen die Verkaufszahlen erfolgreicher Mobile Games wie Angry Birds jedoch nicht, dass diese den Erfolg großer Konsolen-Titel untergraben. Er glaubt vielmehr, dass beide Sparten nebeneinander weiter wachsen werden. Trotz allem kann sich Carmack eine Zukunft vorstellen, in welcher Mobiltelefone und Tablets mit dem TV verbunden werden und so die Funktion einer Konsole einnehmen können. Seiner Meinung nach wird die Mobiltechnologie “innerhalb kurzer Zeit” dazu in der Lage sein. “Die Leute übertreiben es mit den Kräfteverhältnissen – das iPad 2 ist nicht leistungsfähiger als die Xbox 360. Es ist immer noch um einiges schwächer. Aber die Tatsache, dass diese Geräte innerhalb kurzer Zeit so nah heran kommen konnten, bedeutet, dass in zwei Jahren mobile Geräte wesentlich leistungsfähiger sein werden als die Konsolen, für welche wir derzeit all diese fantastischen Spiele machen.”
Ein Schlüsselelement bei der Verdrängung der Konsole durch Smartphones und Tablets könnte die Annehmlichkeit dieser Geräte sein, so Carmack weiter. Das Gleiche trifft seiner Meinung nach auf Cloud-Gaming-Services wie OnLive zu, auch wenn etwa OnLive in der angesprochenen Zukunft gar nicht erhältlich sein wird. “Es ist nicht gesagt, dass die existierenden Plattformen lange genug überleben, bis diese Zukunft wirklich eintrifft. Aber ich glaube, in fünf bis zehn Jahren gibt es diese Art von Software-Anbindung. Selbst wenn die mobile grafische Qualität dann nicht die der heutigen Konsolen übertrifft, wird einfach die große Annehmlichkeit den Ausschlag geben. Darum frage ich mich, ob die mobilen Plattformen diesen Faktor so für sich beanspruchen können, dass es den meisten Menschen eine ausreichend gute Erfahrung bereitet. Es gibt ein so breites Spektrum von Menschen und ein so breites Spektrum von Spielkonzepten und Richtungen. Man hat die Casual-Leute, die keine PS3 kaufen wollen. Und dann gibt es die Hardcore-Gamer, welche sich das ganze Wochenende hinsetzen und 20 Stunden Gameplay und mehr haben wollen.”
John Carmack äußerte sich bereits Anfang des Jahres zur Zukunft der mobilen Spiele. Hier lest Ihr unsere Meldung dazu.