Im Rahmen der E3 ließ Nintendo seine neue Konsole aus dem Sack: Wii U (wir berichteten). Die ersten Details, die Nintendo in Los Angeles preisgab, beschränkten sich auf die Maße von Konsole und Controller sowie die Hersteller der verbauten Einzelteile.

Die Konsole
Richard Leadbetter, Tech-Experte und Direktor von Digital Foundry, hat Wii U nun einer genaueren Betrachtung unterzogen. Ihm zufolge lässt sich Nintendos neuester Hardware-Streich in Sachen Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit mit Microsofts und Sonys Zugpferden vergleichen.
Nintendo hatte bereits auf der E3 verkündet, Wii U stünde Xbox 360 und PS3 in nichts nach und schreckte deshalb auch nicht davor zurück, Videos von Xbox-360- und PS3-Games zu zeigen, um einen Ausblick auf Wii-U-Titel zu geben.
Dass sich Nintendo damit zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, steht nicht zu befürchten: IBM zeichnet für den Hauptprozessor, AMD für den Grafikchip verantwortlich.
Angesichts des aktuellen Stands, auf dem sich beide Hersteller befinden, dürfte es sich laut Leadbetter um eine CPU mit eingebettetem DRAM und einem 45nm-Prozessor handeln – basierend auf den neuen Power7-Chips von IBM.
Da viele Videos, die Nintendo im Rahmen der E3 vorführte, auf 720p aufgepeppte Wii-Grafik ohne Anti-Aliasing zeigten, seien Rückschlüsse auf den Grafik-Chipsatz schwierig. Zumal Anti-Aliasing – ebenso wie anisotropisches Filtering und Multi-Sampling – eigentlich zu den Features des neuen AMD-Chips zählen würden.
Der Radeon HD 4650 bzw. HD 4670 sei naheliegend und eine “gute Partie für die aktuelle Konsolengeneration”. Da der Chipsatz über den Avivo-Video-Prozessor von AMD verfüge, dürfte seine Grafikqualität die des Xenon-Chips der ersten Generation der Xbox 360 deutlich übertreffen.
In jedem Fall lege eine 45nm-CPU die Verwendung eines 40nm-Grafikchips nahe, zumal das kompakte Design von Wii U für größere Chipsätze keinen Spielraum lasse. Nintendo halte außerdem am internen Netzteil fest, was eine weitere Hitzequelle darstelle.
John Carmack von id Software jedenfalls ist von den Technologie der Wii U überzeugt. Der Mitbegründer von id Software sagte gegenüber Gamespot, Wii U sei auf Augenhöhe mit den anderen Konsolen, was “für uns sehr schön ist”.

Der Controller
Richard Leadbetter warf außerdem einen genaueren Blick auf den Controller von Wii U und dämpfte die Euphorie, die das Vorstellungs-Video auslöste.
Der Bildschirm sei zwar größer als der der PS Vita, seine Auflösung allerdings geringer. Zudem hätte der Touchscreen keine Multi-Touch-Funktionen, was die Nutzungsmöglichkeiten schon mal einschränke.
Eine Auflösung von 800 x 480 Pixel bei einer Diagonalen von 6,2 Zoll legten zudem nahe, dass es sich um einen Bildschirm handle, wie ihn auch Navigationssysteme verwenden würden. Die sei allerdings nicht weiter schlimm, da Nintendo schon immer wusste, wie man aus bestehenden Komponenten das Beste mache.
Es gibt mehrere Arten von Touchscreens, unter anderem den kapazitiven und den resistiven. Nintendo setze auf letztere Art. Zum Vergleich: Fast alles Smartphones verwenden einen kapazitiven Touchscreen, da er eine viel genauere Steuerung mit dem Finger ermöglicht, als ein resistiver.
Um mit dem Wii-U-Controller diffizile Anwendungen zu steuern, brauche es also in jedem Fall den Stylus. Auch für das Surfen im Internet oder das Schreiben mit virtueller Tastatur würde sich ein kapazitiver Screen besser eignen.
Ein weiterer Nachteil sei, dass pro Wii U bislang nur ein Touchscreen-Controller benutzt werden kann. Daddeln mehrere Spieler an einem Bildschirm, so kann nur einer das innovative Gerät bedienen. Viele der potenziell genialen Funktionen des Controllers – wie das geheime Erstellen einer Taktik in einem Football-Game – könnten also bestenfalls nur von einem Spieler genutzt werden.
Über allen Zweifeln stünde jedoch, dass es Nintendo schon immer verstanden hätte, exzellente Controller herzustellen, mit toller Ergonomie und innovativer Steuerung. Dies würde sich wohl auch bei Wii U nicht ändern.
Auch der neue Touchscreen-Controller liege gut in der Hand und sei überraschend leicht. Die Bildqualität – so niedrig die Auflösung im Vergleich zu PS Vita oder dem neuesten iPhone auch sei – sei sehr gut, hell und scharf.
Und auch John Carmack sieht großes Potenzial im Controller und verlautbarte, sich sehr auf den Bildschirm zu freuen. Der DS hätte bereits gezeigt, was mit einem extra Touchscreen alles möglich sei und dass jedes Spiel eine nützliche Verwendung dafür finden würde.