Der Wettstreit um die möglichst naturalistische Darstellung und Animation von Gesichtern nimmt langsam an Fahrt auf. Einen guten Monat vor der Veröffentlichung von Rockstars L.A. Noire, das mit der eigens entwickelten Motionscan-Technologie die Messlatte für die realistische Wiedergabe von Mimik und menschlichen Emotionen höher setzen soll, meldet sich auch der Entwickler Remedy (Max Payne, Alan Wake) zu Wort. Einem Bericht von Edge zu Folge, arbeitet auch das finnische Studio an einer eigenen Technologie, die laut Geschäftsführer Matthias Myllyrinne, der von Rockstar noch einmal weit überlegen sein soll.
Im Gegensatz zu der Motionscan-Methode, bei welcher die Darbietungen von den Schauspielern direkt in einem speziellen Aufnahmeraum von 32 verschiedenen Kameras aufgezeichnet werden, wird bei dem von Remedy entwickelten Verfahren zunächst ein, auf einen halben Millimeter genaues, Abbild eines Schauspielers angefertigt. Dabei werden 64 verschiedene Gesichtsausdrücke aufgenommen, aus denen sich angeblich jede menschliche Mimik ableiten lassen soll.
Vorteil dieser Herangehensweise soll sein, dass die Animatoren nicht komplett auf die aufgezeichneten Performances der Schauspieler angewiesen sind, aber auch nicht alle Animationen von Hand erstellen müssen, da sich in der Software mit Hilfe von Schiebereglern rasch die benötigten Gesichtsausdrücke aus dem vorher aufgenommenen Material herleiten ließen. Es ist zudem noch die Implementierung des sog. color mapping geplant, wodurch die Darstellung der Gesichtsdurchblutung ermöglich werden soll. Davon erhofft man sich, subtile Veränderungen der Gesichtsfarbe, die beispielsweise beim Stirnrunzeln oder Schürzen der Lippen auftreten, abbilden zu können. Leider ist derzeit noch kein Bild- oder Videomaterial veröffentlicht worden, jedoch kann sich die Technik laut Edge bereits im gegenwärtigen Entwicklungsstadium sehen lassen.
Neben Remedy äußerte sich kürzlich auch David Cage, der leitende Entwickler von Heavy Rain, zu dem Thema der Gesichtsanimation. Er spielte ebenfalls auf die Probleme an, dass die Motionscan Methode einerseits für den Schauspieler ungewohnt sei, da Gesicht und Körper separat aufgenommen werden müssten, und andererseits wenig Raum für Nachbesserungen ließe. Daher bezeichnete der Quantic Dream-Gründer Rockstars Technologie lediglich als Zwischenlösung, die sich letztendlich als Sackgasse erweisen würde. Ferner ließ Cage verlauten, dass die hauseigene Lösung ausbaufähiger und somit zukunftsorientierter sei und verwies auf große Fortschritte, die man seit Heavy Rain gemacht habe. Aber auch von Quantic Dream ist bisher kein konkretes Anschauungsmaterial veröffentlicht worden.