Am Montag hat THQ den Ego-Shooter Homefront veröffentlicht. Es werden große Hoffnungen in das von Kaos Studios (Frontlines: Fuel of War) entwickelte Spiel gelegt, da man mit diesem einen Teil des Marktes für Militär-Actionspiele für sich gewinnen will. Mit einem – für einen Shooter – ungewöhnlich großen Fokus auf Story, welche in einer alternativen Zukunft angesiedelt ist, in der Nordkorea eine erfolgreiche Invasion in die USA gelingt, will man sich dabei von Konkurrenten wie Call of Duty oder Medal of Honor absetzen. Meldungen von den größten US-Vorverkaufszahlen der Firmengeschichte und ein großer Marketingpush seitens des Publishers haben ihr übriges getan, um auch die Erwartungen der Aktionäre in die Höhe zu schrauben.
Die pünktlich zum Verkaufsstart veröffentlichten Kritiken wurden diesen Erwartungen offenbar nicht gerecht: Mit einem derzeitigen Metascore, der sich derzeit zwischen 75 (PS3) und 71 (360) befindet, wird das Spiel durchschnittlich im oberen Mittelfeld gesehen. Das hat das Vertrauen der Anleger anscheinend erschüttert, denn die THQ-Aktien fielen am Dienstag um 21% von 6,01 auf 4,73 Dollar.
Ein herber Schlag ist dies auch in dem Kontext, dass Kaos-Mitarbeiter im Januar Besorgnis darüber geäußert haben sollen, dass ihnen im Falle des Misserfolgs von Homefront Stellenkürzungen bevorstehen könnten und es wurde Unmut über den Plan ausgedrückt, das Studio von New York nach Montreal umzusiedeln. Ein derartiger Kursverlust wird diese Sorgen sicherlich alles andere als besänftigen.
Es ist manchmal schon verwunderlich, wie sehr sich Kritiken in der Spiele-Industrie auf die wirtschaftliche Komponente des Geschäfts auswirken können. Nimmt man Filme als Vergleich, schadet beispielsweise ein Metascore von 35 Sommer-Blockbustern wie Transformers 2 wenig – an den Kinokassen wurden immer noch gute 830 Millionen Dollar eingespielt. In der Videospielbranche sieht das anders aus, da sich Studien zufolge schlechte Kritiken stärker negativ auf die Verkaufszahlen niederschlagen.
Die schnelle und äußerst signifikante Reaktion der Aktionäre verwundert in diesem Fall jedoch trotzdem etwas. Letztes Jahr fiel beispielsweise nach der Bekanntgabe der Wertungen von Medal of Honor (Metascore 75) auch der Kurs bei EA. Jedoch nur um 6% und laut VGChartz.com konnten trotzdem mehr als 4 Millionen Einheiten des Spiels verkauft werden. Auch eine Fortsetzung ist sehr wahrscheinlich. Zudem scheint Homefront durchaus Potenzial zu haben. Wenn man sich die einzelnen Pressemeinungen anschaut, dann werden Länge der Kampagne und eine etwas altbackenes Spielmechanik als die größten Negativpunkte herausgepickt, während viele Kritiker Story, Atmosphäre und den Multiplayer-Modus, welchem in diesem Genre bekanntlich großer Stellenwert eingeräumt wird, loben. Wie die Meinung der der M! Games-Redaktion zu Homefront ausgefallen ist, lest Ihr übrigens im nächsten Heft (06/11)!
Bei allen Aktionärssorgen scheint das zahlende Publikum bislang kein allzu großes Problem mit dem Spiel zu haben: Jüngsten Meldungen zufolge gingen von Homefront in den USA am ersten Tag etwa 375.000 Exemplare über die Ladentheken – das ist schon eine ganze Menge.