DiRT 3 – im Test (PS3/360)

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Mit DiRT 3 endet eine Ära im Videospiel-Rennsport: In der achten Epsiode geht Codemasters’ Offroad-Raserei erstmals ohne ”Colin McRae“ im Titel an den Start. Der 2007 bei einem Helikopterabsturz ums Leben gekommene Schotte wurde im Vorgänger stilvoll verabschiedet, nun gehen die Blicke nach vorn. Dabei wurden Gimmicks in der Präsentation überraschend stark zurückgefahren, das soll aber nicht weiter stören: Wichtig ist schließlich, was rüberkommt, sobald man im virtuellen Cockpit sitzt – und da fährt das Spiel ganz vorne mit.

Wie gehabt, erwartet Euch ein bunter Mix aus mehreren Offroad-Disziplinen, der für alle Geschmäcker etwas zu bieten hat. Dabei wurden die Traditionalisten ebenso bedacht wie Anhänger spektakulärer PS-Fahrten. Der Anteil klassischer Rallye-Etappen, bei denen der Kampf gegen die Uhr im Mittelpunkt steht, fällt in DiRT 3 wieder höher aus und bringt weitere Neuerungen mit sich. So braust Ihr diesmal nach den Anweisungen Eures Co-Piloten nicht nur bei Idealbedingungen über Steppen und durch Wälder: Nachtfahrten gehören jetzt ebenso zum Programm wie verregnete Kurse und Winter-Touren. Altgediente Rallye-Fans erfreuen sich zudem an einem Fahrzeugspektrum, das mehrere Jahrzehnte umfasst: Von den aktuellen Pro-Boliden, mit denen Sebastien Loeb um den Titel ringt, über die legendären Gruppe-B-Flitzer bis hin zu Vertretern aus den 1960ern ist ein ansehnliches Sortiment vertreten. Audi Quattro, Opel Manta oder alter Mini? Gibt es alles.

Noch eine Spur actionreicher geht es bei den Trailblazer-Läufen zu, in denen Ihr mit mehr Tempo unterwegs seid und auf einen Beifahrer verzichten müsst. Im ’Head 2 Head’ duelliert Ihr Euch auf Rundkursen mit einem Rivalen, der versetzt startet außerdem warten mit Rallycross und Landrush rabiate Wettrennen, bei denen sich bis zu acht Standard-Rallyewagen bzw. Trucks oder Buggys um den Sieg streiten. All diese Spielmodi haben sich im Vergleich zum Vorgänger nicht großartig verändert, was auch nicht nötig ist: Dank eines Fahrverhaltens, das geschickt eine Prise Arcade-Einschlag mit fahrerischem Anspruch vereint, machen die Rennen jede Menge Laune. Fahrfehler lassen sich dabei verschmerzen: Auch diesmal dürft Ihr das Geschehen jederzeit anhalten und ein Stück zurückspulen, um vor dem Malheur wieder einzusteigen – allerdings nur begrenzt oft, was unkonzentriertem Rowdy-Rasen einen Riegel vorschiebt.

Ganz anders gibt sich die einzige neue Disziplin im Bunde: Beim Gymkhana dreht sich alles darum, Euer Fahrzeug möglichst stilvoll und spektakulär in dafür angelegten Arealen zu bewegen. Dazu zählen flotte Drifts, Sprünge über Rampen und das hemmungslose Zerbröseln von Styropor-Aufstellern ebenso wie möglichst flüssige Spins an eng abgegrenzten Stellen und klassische Donuts, mit denen Ihr um allerlei Objekte herumwirbelt. Dank einer kurzen Schulung mit Ken Block habt Ihr die Feinheiten schnell intus, doch um richtig hohe Punktzahlen einzufahren, ist ordentlich Übung und eine gute Kenntnis der Hindernisanordnung nötig: Nur wer sein Vehikel im Griff hat und einen Trick an den anderen reiht, hält den Multiplikator am Laufen. Besonders fantasievoll haben sich die Kursdesigner im britischen Battersea-Park ausgetobt, wo Ihr neben dem normalen Wettbewerb auch auf Erkundungstour gehen könnt: Rund 80 Miniaufgaben warten auf ihre Erfüllung und reichen vom Absolvieren besonders gewagter Sprünge über Spins an versteckten Stellen oder Donuts durch enge Röhren und um Baumaschinen herum bis zum Aufspüren von Symbolen – als Beigabe durchaus unterhaltsam und selbst für Rennsport-Puristen interessant.

Grafisch ist DiRT 3 gegenüber dem Vorgänger kein großer Sprung, doch angesichts dessen Qualitäten ist das keine Schande: Die sauber modellierten Fahrzeuge nehmen bei Unfällen und Remplern Schaden, von abgefallenen Karosserieteilen bis zu kaputten Scheiben reicht das Programm. Lackspiegelungen wirken nur ganz selten pixelig, dafür gibt es abwechslungsreiche Umgebungen zu sehen: Monaco verströmt einen Hauch Küstenluxus, in Norwegen und Aspen ergänzen Winterlandschaften die Auswahl. Unterschiedliche Tageszeiten überzeugen mit schicken Beleuchtungseffekten, Schneefall und Regenschauer gab es noch in keinem anderen Rennspiel so schön zu sehen. Selbst im Splitscreen für zwei Spieler – eine weitere DiRT-Premiere – müsst Ihr nur geringe grafische Einbußen in Kauf nehmen.

In der schlicht präsentierten Karriere hangelt Ihr Euch durch klar gestaltete Menüs statt wie beim Vorgänger im virtuellen Wohnwagen herumzulümmeln. Zudem begleiten Euch die Off-Stimmen eines Betreuertrios, das aber überwiegend Belanglosigkeiten von sich gibt. Dafür passt die Wettbewerbsstruktur: Vier Saisons mit jeweils vier Veranstaltungen werden nach und nach angeboten, sofern Ihr durch gute Platzierungen die nötigen Punkte einfahrt. Vor jedem Lauf lassen sich Schwierigkeit und Fahrhilfen wie eine optionale Ideallinie beliebig konfigurieren zudem müsst Ihr nicht alle Wettbewerbe fahren, die Euch DiRT 3 vorsetzt. Wer keine Lust darauf hat, kann z.B. die meisten Gymkhana-Einsätze ignorieren. Für Farbtupfer sorgen spezielle Herausforderungen, bei denen Ihr z.B. parallel zu einem Bob einen Berg hinabrast, Schaumstoffaliens unter Zeitdruck überfahrt oder auf einem Teilstück einer Rallye-Etappe Drifts zeigt. Stets sammelt Ihr nebenbei Erfahrungspunkte, die Euren Level erhöhen und neue Sponsoren aufmerksam machen sowie weitere Fahrzeuge für Eure Garage freischalten. Um online zu spielen oder Eure Fahrkünste per YouTube-Upload zu verewigen, müsst Ihr einen ’VIP-Pass’ einlösen, der dem Spiel beiliegt. Dann steht Rennen mit bis zu acht Teilnehmern nichts im Wege – auch einige exotischere Varianten wie ’Katz und Maus’ stehen fortan auf dem Programm.

DiRT 3 verteidigt souverän und routiniert seine Pole Position im Offroad-Sektor: Wer sich bahnbrechende Rallye-Neuerungen erwartet hat, wird sie hier nicht finden, dafür aber ebenso schicke wie motivierende Querfeldein-Rasereien von hoher Qualität – und darauf kommt es schließlich an.

+ sehr schicke Optik, vor allem dank der neuen Wettereffekte
+ tolles Fahrgefühl mit dem richtigen Mix aus Anspruch und Zugänglichkeit
+ gelungene Disziplinenauswahl
+ feines Streckensortiment
+ viele Autoklassen
+ Gymkhana ist eine gelungene Trendsport-Erweiterung

– Präsentation spezielle der Karriere eine Spur zu nüchtern

Ulrich Steppberger meint: Von DiRT 3 habe ich sehr viel erwartet – und Codemasters hat fast alles davon erfüllt. Die Grafik sieht noch einen Tick hübscher aus als beim Vorgänger: Gerade Regen- und Schneefall wirken sehr überzeugend und die größere Umgebungsvielfalt sorgt für weitere Pluspunkte. Anfangs fühlen sich die Vehikel etwas sensibel an, doch mit der Zeit habt Ihr sie im Griff und genießt das schwungvolle Driften. Dass normale Rallye-Abschnitte wieder mehr Raum einnehmen, finde ich prima, noch überraschter bin ich aber vom Gymkhana: Normal mag ich solche Stunt-Driftereien nicht, doch dank der griffigen Kontrolle und der coolen Inszenierung wuchte ich mein Vehikel gerne durch die Arenen. Große Kritikpunkte kann ich bei DiRT 3 also nicht finden, lediglich die Gestaltung der Karriere geriet mir einen Hauch zu nüchtern – das stört das Offroad-Vergnügen aber kaum.

Matthias Schmid meint: Glückwunsch! DiRT 3 löst seinen Vorgänger als ”Dem Schmid sein liebstes Rennspiel dieser Generation” ab. Obwohl pseudocoole Sprüche wie ”Du hast es drauf – lad’ das Video bei YouTube hoch und zeig’ es der Welt” (nachdem ich Ping-Pong zwischen den Banden gespielt habe) immer noch aufgesetzt wirken, finde ich DiRT 3 noch ein Stück runder. Die Grafik ist stimmig, bisweilen sogar bildgewaltig und leistet sich, im Gegensatz zu einem GT 5, weniger Aussetzer – über die verschneite Staumauer eines norwegischen Sees zu driften, fühlt sich toll an. Auch ich finde die Anfangsflitzer etwas zu feinfühlig, mit ein wenig Übung feiern aber auch Simulationsmuffel Erfolge. Das Paket aus Offroad-Schmutz, Rad-an-Rad-Duellen auf Asphalt, schick beklebten Karossen, durchgehend stilvoller Präsentation sowie der Rückspulfunktion ist eine Wucht!

Schicke Offroad-Raserei, die sich prima steuert und spielend den Spagat zwischen Rallye-Anspruch und Drift-Spektakel schafft.

Singleplayer89
Multiplayer
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6. Juli 2011 12:49

Ich hole zur Zeit den zweiten Teil nach, und zocke diesen ziemlich Exzessiv! Dirt 2 ist einfach nur Geil – und wenn der dritte Teil da tatsächlich noch mal einen drauf legen kann – Halleluja! 🙂

GaiusZero
30. Juni 2011 9:23

Geiles Spiel. Leider mit hohem Nervfaktor, dank beschissener Synchronsprecher. Die die Länge der Strecken angeht, so sind die okay. Nicht wirklich lang aber auch nicht zu kurz. Ich glaube so im Schnitt 3-4 Minuten (je nach Fahrzeug und Geschwindigkeit) und wenn man in der Nacht mit dem Trailblazer bei über 300 Sachen durch die Dunkelheit rast, kann die Strecke eigentlich nicht kurz genug sein^^.

sscore_riot
29. Juni 2011 19:30

teilweise total genial ..sogar und auch online!!!

KnightWolf
29. Juni 2011 19:13

Sollen die Strecken nicht recht kurz sein?

Bastian_RS6
29. Juni 2011 18:35

Ich habs mir für schlappe 28€ aus UK bestellt, bin gespannt ob es meinen hohen Ansprüchen gerecht wird. Bei GT5 fand ich die Rallye nicht so prall.