Chinesen kaufen Grasshopper Manufacture

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Dieser Artikel stammt aus der M! 339 (Dezember 2021).

GUANGZHOU / TOKIO • Vor 10, 15 Jahren noch belächelt, wenn nicht gar verspottet, mausert sich die chinesische Games-Industrie dank gewaltigem Binnenmarkt und prall gefüllten Kriegskassen zur Weltmacht. Gerät der einstige Asien-Marktführer Japan in die Rolle des Juniorpartners und Zulieferers, der erfindet und kreativ produziert, während China zahlt, anschafft und kassiert? Nachdem Tencent etwa bei Marvelous und bei Platinum Games (Bayonetta, Nier: ­Automata) einsteigt, schnappt sich NetEase – mit fast 20.000 Beschäftigten und rund 60 Milliarden Yuan (ca. 9 Milliarden Euro) Jahresumsatz der zweite chinesische Internet- und Game-Gigant – jetzt einen anderen, kleinen, aber feinen japanischen Entwickler. Für einen ungenannten Betrag übernimmt der börsennotierte Konzern die Tokioter Firma Grasshopper Manufacture, Ende der 1990er gegründet und bis heute eines der heißesten Game-Studios Japans.

Gut 20 Personen werden dadurch NetEase-Angestellte und Produzenten in chinesischem Auftrag, angeführt von einem international gefeierten Promi der Gamedesign-Szene: Goichi Suda alias Suda51 beginnt Anfang der 1990er bei der Nintendo-Third-Party Human, arbeitet dort an der Fire Pro Wrestling-Serie und wird im 21. Jahrhundert als Schöpfer von ungewöhnlichen Action-Knallern wie No More Heroes, Killer7 und Lollipop Chainsaw berühmt. ”Im Bezug auf die Entwicklung besonderer und einzigartiger Konsolenspiele sind wir auf einer Wellenlänge”, erklärt Suda51 den Verkauf. ”NetEase versteht, wo Grasshoppers Stärken liegen, wird uns beim Ausbau unseres Geschäfts beraten und stellt die Finanzierung unserer Spielentwicklung sicher. Grasshopper wird neu geboren und weiterhin Geschichte schreiben – bleibt dran!” Ob der Japaner die zuvor genannten Marken und Serien fortsetzt, gaben er und die neue Mutter noch nicht bekannt. NetEase übernimmt das Studio aus dem Besitz der vormaligen Softbank-Tochter GungHo und hält bereits Beteiligungen am US-Entwickler Bungie, an den französischen Adventure-Experten Quantic Dream und an der Studio-Gruppe Kepler Interactive, über die M! Games in der letzten Ausgabe berichtete.

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