Embracer-Sommer: Komplettkäufe statt Beteiligungen

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Dieser Artikel stammt aus der M! 337 (Oktober 2021).

KARLSTAD • Der Übernahmehunger des schwedisches Konzerns beziehungsweise seiner Töchter THQ Nordic (Wien), Saber Interactive (USA) und Coffee Stain (Schweden) scheint unersättlich: Nachdem Embracer im 2. Quartal 2021 auf rund 60 Studios und über 6.000 Spieleprofis anwächst (M! 334), schlucken Lars Wingefors & Co. im August weitere acht Game-Firmen für umgerechnet gut eine Viertelmilliarde Euro; zusätzliche 200 Millionen Euro fließen, wenn die Neuzugänge ihre 2-Jahres-”Milestones” erreichen. Wenige Tage später legt das Unternehmen nach und schnappt sich Anfang September noch einmal drei Firmen.

Selbst in übernahmefreudigen Zeiten wie diesen bedeuten die gut 700 Techniker und Kreativen, die nun zu Embracer kommen, einen gewaltigen Zuwachs an Entwicklungs-Power. Dabei ist zu unterscheiden zwischen etablierten Studios einerseits und relativ unerfahrenen Neugründungen auf der anderen Seite. Bei den August-Zukäufen handelt es sich vor allem um Letztere: So entwickelte das 2016 von zwei ”leidenschaftlichen Geeks” im westschwedischen Trollhättan formierte Team Easy Trigger bislang nur ein Konsolenspiel (den 2D-Scroller Huntdown, den 2020 ­Embracers Tochter Coffee Stain vermarktet), ebenso die Dänen Ghost Ship Games, die im letzten Jahr mit dem Koop-Shooter Deep Rock ­Galactic für Xbox One und PC debütierten. Forcefield (Amsterdam) ist auf VR-Spiele spezialisiert (Landfall, Star Trek: Bridge Crew), während wir die Belgier DigixArt durch ihre Erste-Weltkrieg-Visual-Novel 11-11: Memories Retold kennen. Für M!-Games-Leser von geringem Interesse ist die israelische App-Fabrik Crazy Labs, die mit Niederlassungen rund um den Globus ”Hyper-Casual”-Zeitvertreib wie ”Hair Dye” (Haarefärben) und ”Soap Cutting” (Seifenschnitzen) liefert, sowie die schwedische e-Commerce-Agentur Grimfrost. Die einzige prominente Übernahme ist 3D Realms: Die Reste der texanischen Firma, die Mitte der 1990er mit Duke Nukem berühmt wird, wandern 2014 in dänischen Besitz und werden nun Saber untergeordnet. Nachrichtenmedien wie MCV schreiben im August von ”acht” Embracer-Studios, doch wenn wir das richtig durchblicken, ist das achte, Slipgate Ironworks, ebenfalls im dänischen Aalborg ansässig, schon seit Jahren mit 3D Realms quasi-identisch. Wie auch immer: Mit Slipgate/3D Realms komplettiert Embracer die Übernahme der Marke Duke Nukem, die Anfang dieses Jahres durch den Kauf von Gearbox eingeleitet wurde (M! 330).

Relativ unbekannt sind die drei Studios, die Embracer Anfang September eingliedert: Die 100-köpfigen Smartphone Labs, die in Russland zuletzt World War Z auf Switch konvertieren, die 50 Könner von Fractured Byte (HQ in Estland, Entwicklung in der Ukraine), die Borderlands und Tony Hawk’s Pro Skater für Switch umsetzen, sowie die Demiurge Studios in Cambridge, Massachusetts, die 2002 gegründet wurden und zum Beispiel Sega-Marken wie Crazy Taxi auf Smartphones portieren sowie zuletzt bei der Legendary Edition von Mass Effect halfen. Deren 68-köpfige Belegschaft soll mit Embracer-Geld binnen fünf Jahren auf stattliche 350 Personen anwachsen.

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Schon sehr krass.