US-Medienriesen rüsten auf und um!

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Dieser Artikel stammt aus der M! 334 (Juli 2021).

NEW YORK • Um gegen die IT-Macht von Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft zu bestehen, rücken Amerikas traditionelle Medienkonzerne zusammen: Im Mai kündigt die TV-Kette Discovery ihre Fusion mit WarnerMedia an und erwirbt ein konkurrenzloses Paket populärer Marken. 43 Milliarden US-Dollar in Cash und Schuldübernahmen kassiert Warner-Inhaber AT&T, der weltgrößte Telekomkonzern, durch die Fusion. Die Elefantenhochzeit bringt massig Inhalte in die Discovery-Kanäle und schafft einen Giganten, der es im Kampf um die Streaming-Gemeinde mit den Genannten sowie Disney und Netflix aufnimmt. Über 200.000 Stunden Film in 50 Sprachen, darunter ”Der Herr der Ringe”, ”Harry Potter”, ”Looney Toons”-Zeichentrick und ”Game of Thrones” hortet die fusionierte Firma – die größte Videothek der Welt, so sagt man.

Discovery startet 1985 als früher Pay-TV-Sender, ist auf Dokus, Sport und Lifestyle spezialisiert und schluckt zig Mitbewerber; 2014 wird etwa Eurosport eine Discovery-Marke. Der Fusionspartner wiederum entsteht aus dem einst größten Medienkonzern der Welt und besitzt neben den WB-Filmstudios zwar nicht mehr seine Musiklabels (2005 abgestoßen), aber Nachrichten- und Kabel-TV-Unternehmen (CNN, HBO/Cinemax) sowie den Verlag DC, bekannt für Superman und Batman. 2018 wird Time Warner für gut 85 Milliarden US-Dollar von AT&T geschluckt und nach Abspaltung des Zeitschriftengeschäfts in WarnerMedia umbenannt. Während sich Discovery bislang wenig um Interaktives kümmert, ist WBIE ein Games-Major mit knapp einem Dutzend Studios, darunter die englische Entwicklungszentrale Traveller’s Tales (TT Games), die Lego-Action am Fließband produziert. Für die Reste und Rechte von Midway inklusive US-Studios Monolith, Surreal und Snowblind zahlt WBIE 2009 49 Millionen US-Dollar, macht das Mortal Kombat-Team zu NetherRealm, kauft die englischen Batman: Arkham-Entwickler Rocksteady, eine Free-to-Play-Abteilung unter Ex-Capcom-Manager Greg Ballard und 2016 die Online-Plattform Machinima. Letztere wird schnell dichtgemacht, dafür öffnet WBIE 2019 ein Mobilspielstudio in San Diego unter Leitung des Ex-Zynga-Manns Tom Casey.

Film und Games sind der heißeste ”Content” der Medienbranche, die sich in der Endphase der Digitalisierung und im Umbruch befindet – zwischen den Konzernen toben die ”Streaming-Kriege”! Wenige Tage nach der Warner-Bekanntgabe erschüttert der nächste Schlag die Entertainment-Szene: Nicht Apple oder Netflix (wie gemunkelt), sondern Amazon übernimmt für knapp 8,5 Milliarden US-Dollar das traditionsreiche Filmstudio Metro Goldwyn Mayer. Wie WB einer der Hollywood-”Big Five”, besitzt MGM 5.000 Filme und 17.000 TV-Folgen, ”Rocky”, ”Poltergeist” und als Kronjuwelen die britischen ”James Bond”- sowie die ”Hobbit”-Kinofilme. Netflix investiert dagegen nicht in Hollywood, sondern baut seinen Games-Bereich aus: Nach TV-Serien zu The Witcher, Ni no Kuni und DOTA 2 sowie ”Stranger Things”-Mobilspielen möchte der Streaming-Marktführer einen Game-Dienst im Stil der Apple Arcade starten. Eine offizielle Ankündigung, Daten oder Titel gibt es noch nicht. Auch ist nicht bekannt, ob Netflix-Spiele als TV-­Streaming-Zugabe oder mit eigenem kostenpflich­tigem Abo laufen werden.

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