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Doch bitte nicht zu aufdringlich werden, denn jeder Kampf ist eine Herausforderung und könnte der letzte sein! Zwar besteht das Kampfsystem nur aus simplen Angriffen und Tritten, die, sobald man das richtige Timing gefunden hat, sehr hilfreich sind. Jedoch sind Auseinandersetzungen mit mehr als einem Gegner durchaus mit Vorsicht zu genießen. Schusswaffen finden wir in verschiedenen Ausführungen früh im Spiel, allerdings ist Munition rar und der Platz im Inventar so eng bemessen, dass selbst die Herstellung von Sprengstoff, Gegengift oder Bandagen immer wohlüberlegt sein will. Nicht selten wägen wir also ab, ob wir die blutende Wunde versorgen oder lieber die Pistole des kürzlich verblichenen Soldaten einkassieren wollen. Diese lässt sich bei Händlern lediglich gegen andere Waren und wichtige Gegenstände eintauschen oder im Zweifelsfall in einem als Rohrpost getarnten Lager verwahren. Ob wir dieses später allerdings wiederfinden, ist eine offene Frage – sofern wir keine eigenen Marker setzen, fehlen nämlich auch hier jegliche Kartenhinweise, sodass ein gutes Gedächtnis gefragt ist.
Während wir in der Postapokalypse ums Überleben kämpfen, stoßen wir immer wieder auf die britisch-markanten roten Telefonzellen. Der unbekannte Anrufer spricht wirres Zeug, lediglich die Message, dass Oberon sterben muss, lässt sich schnell wahrnehmen. Wer oder was Oberon ist, finden wir erst später heraus und so konzentrieren wir uns lieber auf das Auffinden von Handbüchern, um die wenig einflussreichen Fertigkeiten etwas aufzumotzen. Zwar lernen wir, wie man Stolperfallen entschärft oder Sporen erntet, wirklich essenziell fühlt sich das krude, kaum erklärte System allerdings nicht an. Die Hoffnung, uns so besser in den gefährlichen und gruseligen Bunkern gegen Mutanten und verrückte Wissenschaftler behaupten zu können, schwindet jedoch schnell, sobald wir unvorsichtig werden. Denn mit Wummen kommt man hier nicht weit, obwohl man beim Thema Waffengefühl die ”Sniper Elite”-Wurzeln deutlich spürt. Hat man einen der vielen Untergrundausflüge überlebt und ordentlich Beute ins viel zu kleine Inventar gepackt, breitet sich ein gewisses Gefühl des Triumphes aus – das leider nur kurz anhält, denn Charakterfortschritt oder Levelsystem fehlen komplett.
Wenn wir nicht gestorben sind, durchstreifen wir also noch heute Atomfall auf der Suche nach neuen Hinweisen statt Quests, vermöbeln Gesetzlose und freuen uns an der Freiheit dieses Survival-Spiels.









Für mich ein viel zu hoch bewertetes Spiel. Verstehe nicht, wie man es auch nur ansatzweise mit Fallout oder Stalker vergleichen kann. Das Setting ist ganz gefällig, doch dann hört es schon auf. Der Umfang ist mehr als überschaubar, die Schwierigkeit selbst auf normal viel zu schwer, das Inventar ist winzig und ein Witz und es gibt nur sehr wenig zu entdecken. Ich kann dieses Spiel beim besten Fall nicht empfehlen, da gerade so eben noch durchschnittlich.
@joia
Finde klasse, dass Du so ausfuehrlich und gut begruendet Deine Eindruecke schilderst. Das macht das Spiel direkt interessanter.
Ich habe es ein paar Stunden gespielt und werde nicht warm damit.
Vielleicht mache ich es irgendwann noch mal rein.
Erst fand ich das Spiel relativ langweilig und habe es nach wenigen Stunden zur Seite.
Dann wollte ich es löschen und dachte: ok, eine Chance noch.
Und dann habe ich es durchgespielt und bin jetzt sogar sehr positiv überrascht aus der Sache raus. Dann kam der Test und den finde ich zwar in vielerlei Hinsicht stimmig – aber bei einigen Sachen fehlt mir der andere Blick.
Das Inventar beispielsweise ist klein – ja. Aber es gibt diese Lagersäulen, die an den wichtigen Stellen zu finden sind und wo man alles, aber auch wirklich alles einlagern kann, was man nicht wieder loswerden möchte. Außerdem bleibt man sehr wohl organisiert – vielleicht eine Erziehungsmaßnahme? Funktioniert.
Die Fertigkeiten finde ich ebenfalls nicht unnütz – im Gegenteil, gerade die Sparte Survival und die Waffenperks sind Gold wert. Ich bin nämlich ein relativ ungeduldiger Spieler und die Perks haben mir dann doch in vielfacher Hinsicht echt richtig weiter geholfen.
Und dann ist da etwa noch die Story – und die ist einfach großartig. Ich habe das Spiel abgebrochen, weil ich erst dachte – ok, ein Schleichspiel. Und da war ich nicht offen für.
Aber beim zweiten Hinschauen, da kam auch diese skurile Story, die Charaktere und die Menge an Entscheidungsmöglichkeiten – die wirklich Spass machen und mich teilweise vor überraschende moralische Herausforderungen gestellt haben.
Und das finde ich das Beste am Spiel und das macht soooooo viel aus: die Entscheidungen die ich treffe wirken sich tatsächlich auf den Spielverlauf und das Ende aus. Ich war so zufrieden nach dem ersten Ende, weil es wirklich “meins” war! Das war mein Weg, das war wie ich es wollte, das Ergebnis stand. Klasse! Sowas schaffen nicht viele Spiele (Expedition 33 war auch so eines, wo das eine Wahlende so herrlich gut gemacht worden ist wie das ganze Spiel).
Und das wäre im Test noch ein schöner Hinweis gewesen – die Story ist gut und entwickelt sich fantastisch nah an den Entscheidungen des Spielers. Bis zum Ende.
Das ist eine besondere Qualität, die mir auch in der Wertung fehlt.