Figment – im Test (Switch)

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Seite 1

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Vermutlich habt Ihr noch nie vom ”Codex Seraphinianus” gehört: Das ist ein Buch des italienischen Künstlers Luigi Serafini, das er zwischen 1976 und 1978 erstellte und illustrierte. Es umfasst knapp 400 Seiten, kostet in der aktuellsten Auflage 80 Euro und wirkt wie die Enzyklopädie einer anderen Welt – mit komplett erfundener Schrift, irgendwelchen Gleichungen, verrückten Wesen, scheinbar sinnlosen Apparaturen und rätselhaften Landschaften. Schaut auf Amazon per ”Blick ins Buch” ruhig mal ein paar Seiten davon an, wenn Euch so etwas interessiert – denn Figment wirkt wie das Spiel zu diesem durch und durch seltsamen Buch…

Eure Spielfigur Dusty ist ein, unleidiger Knilch – vielleicht ein komisches Tierwesen, vielleicht aber auch nur ein fauler Zyniker, der beim Trinken eines Cocktails vor seiner Hütte gestört wurde. In jedem Fall hat ein Albtraum­wesen sein Sammelalbum gestohlen – und das gefällt ihm gar nicht. Also macht er sich, begleitet von einem redseligen Vogelfreund, auf, dem Fiesling den Schatz zu entreißen. Immer wieder sprechen die beiden über vergangene Abenteuer (die wir freilich nicht kennen), außerdem wird schnell klar: Wir befinden uns im Verstand eines Menschen. Sämtliche Orte, Plattformen, Dinge, Monster sind ­Visualisierungen von Erinnerungen, Ängsten, Zwängen & Co. In spielerischer Hinsicht kümmert uns das aber nicht: Wir lenken Dusty über niedliche Brücken und schräge Treppen von Insel zu Insel, die in der Luft schweben. Fehlt einer ausfahrbaren Brücke die Energie, müssen wir Batterien von anderswo holen; klaut uns ein garstiger Flattermann ein zum Weiterkommen nötiges Item, ­pusten wir den Dieb per Wind­kanone aus seinem Nest, um an den Gegenstand zu kommen.

Zwischendurch stellen sich uns kleine und große Monster in den Weg: Hopsenden Spinnen oder einem Kotgestank-Wolken verteilenden Ungeheuer namens Pest hauen wir so lange mit Dustys Stöckchen auf den Kopf, bis ihnen die Lebensenergie ausgeht. Das ist banal und wertet das Spielgeschehen nicht auf – immerhin sind die Keilereien meist rasch vorbei. Bei den Bossfights haben sich die Entwickler aber neckische Mechaniken und Angriffsmuster einfallen lassen – außerdem geben die Oberschergen ein paar famose Gesänge von sich.

Der Star von Figment ist das Design der Spielwelt: Einfache, aber gelungene Rätsel und triviale Geschicklichkeitseinlagen werden so hinreißend charmant illustriert, dass Euch die Freude am Entdecken und Zusehen über die komplette Spielzeit begleitet. So niedlich und kurios sind die aus Äpfeln und Schnecken gezimmerten Häuser, so geistreich die aus Bleistiften oder Radiergummis gebauten Pfade, so verspielt und verschnörkselt die Apparaturen in der Uhrmacherwelt.

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