Lunar Remastered Collection – im Test (Switch)

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Rollenspiel-Kenner merken schnell: Die Prämissen beider Lunar-Episoden lesen sich wie die erste Seite aus dem großen Buch der Rollenspiel-Klischees. Aber zum einen haben wir es hier eben mit Spielen aus der späten 16-Bit-Ära zu tun und zum anderen muss eine Geschichte ja nicht immer originell sein – viel wichtiger ist, wie sie erzählt wird. Und da punkten beide ”Lunar”-Spiele selbst heute: Die Welt, aber vor allem die Figuren sind auch nach gut 30 Jahren immer noch extrem charmant und sympathisch. Mit diesen Helden will man mehr Zeit verbringen und über diese Bösewichter einfach mehr wissen.

Da hilft es natürlich, dass beide Spiele nicht nur inhaltlich, sondern auch spielerisch immer noch überzeugen. Der Stadt-Story-Dungeon-Rhythmus funktioniert prima, der Verzicht auf Zufallskämpfe minimiert den Nervfaktor und die Gefechte gefallen mit einer stimmigen Mischung aus taktischer Positionierung und einfacher, schneller Bedienbarkeit. Die Spielbalance orientiert sich bei beiden Episoden an den japanischen Originalen und nicht an Working Designs’ US-Überarbeitung – das hält dann auch den Grinding-Aspekt in angenehmen Grenzen.

Das Remaster hat Publisher GungHo eher moderat modernisiert. Die Anime-Sequenzen behalten ihr 4:3-Format bei und wurden mal mehr, mal weniger stimmig hochskaliert. Die Grafik selbst wird jetzt im modernen 16:9-Format präsentiert. Leider ist die Pixel-Skalierung nicht wirklich sauber, was insbesondere bei horizontalem Scrolling zu einem Schimmer-Effekt führt – schade, das hätte man besser lösen müssen. Auch so mancher Kampf­hintergrund sorgt für Irri­tationen und wirkt eher wie ein unscharf vergrößertes JPG-Bild mit deutlicher Artefaktbildung. Dafür überzeugt die neue englische Synchro mit motivierten Sprechern und die Texte wurden weitgehend von der klassischen Working-Designs-Lokalisation übernommen. Auch die deutsche Übersetzung geht überwiegend in Ordnung: Die Dialoge sind sauber geschrieben und angenehm lesbar, doch leider gibt es ein paar Unstimmigkeiten bei Orts- und Itembezeichnungen – nichts, was Euren Fortschritt verhindert, aber gelegentlich irritierend.

­Puristen kommen ebenso auf ihre Kosten. Zum einen ist auch der japanische Originalton verfügbar, zum anderen dürft Ihr auf Wunsch die PSone-Fassungen beider Abenteuer im 4:3-Format spielen. Dynamisch zwischen beiden Versionen wechseln könnt Ihr zwar nicht, aber dafür sind Spielstände zwischen Original und Remaster kompatibel. In Sachen Komfortfunktionen gibt es wahlweise optimierte Menüführung, einen ebenfalls optionalen Effekt für unscharfe Bildränder und drei Kampfgeschwindigkeiten. Extras wie Galerien, Hintergrundinformationen oder ein Musikplayer sind dagegen Fehlanzeige, auch die beiden Mega-CD-Originale ­suchen wir hier vergebens.

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