Outlast II – im Test (PS4)

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“Tue ich dem Spiel Unrecht? Ist es vielleicht doch nicht so schlecht?”, frage ich mich, als ich mich langsam durch das stimmungsvoll beleuchtete Schulgebäude schleiche, durch lange Flure voller Spinde haste und vorsichtig in ein Klassenzimmer spähe. Ein Projektor wirft ein Wort an die Wand: ”Unverzeihlich” – was hat es damit auf sich? Noch bevor ich darüber nachdenken kann, bin ich zurück im ländlichen Supai, Arizona. Die kurze Traumsequenz ist vorbei. Wenige Momente später steckt ein Pfahl in meinem regungslosen Körper. Als ich, wie schon so oft in diesem Abenteuer, den Ladebildschirm sehe, sind meine Zweifel zerstreut.

Outlast II ist ein frustrierender, repetitiver, etwa acht ­Stunden dauernder Ausflug in die Spiel­design-Hölle. Ein Höllentrip mit Lichtblicken, wohlgemerkt. Die nahezu flimmerfreie Optik mit butterweicher Bildrate und scharfen Texturen stünde selbst Big-Budget-Produktionen gut zu Gesicht. Gleiches gilt für das gute Sounddesign samt jederzeit passendem Soundtrack. Zudem erinnert hin und wieder eine gelungene Passage an den bei vielen Survival-Horror-Fans beliebten Vorgänger: Wenn ich im Inneren eines Fasses hocke und vorsichtig den Deckel anhebe, um zu schauen, ob die beinahe allgegenwärtigen Irren gerade in der Nähe sind oder doch woanders nach mir suchen, geht mir die Pumpe. Ich bin mir zwar nie sicher, ob ich dabei wirklich die Feinde oder nur die schlecht gesetzten Checkpoints fürchte – aber immerhin fürchte ich mich überhaupt. Die meiste Zeit ärgere ich mich aber. Etwa über die zu weitläufig oder zu eng geschnittenen Areale: Entweder weiß ich nicht, wohin ich gehen muss, oder ich bleibe an Baumwurzeln, Steinen und Ästen hängen – oder gleich beides.

Das ist besonders an den vielen Stellen im Spiel ärgerlich, an denen ich vorgeskriptet entdeckt werde und mir, aufgrund der pazifistischen Natur des Protagonisten, nur die Flucht bleibt. Da die Verfolger stets nah sind und oft nicht klar ist, wohin ich fliehen soll, und eine Konfrontation mit Feinden meist im sofortigen Tod endet, wird das Ganze schnell zu einem Spiel von Versuch und Irrtum. Das ist weder gruselig noch spaßig. Genauso wenig wie die überzogene, selbstzweckhafte Gewaltdarstellung: Statt wie in den wenigen gelungenen Schulabschnitten auf Atmosphäre zu setzen, versucht Outlast II meist, mich mit Gewalt und Unmenschlichkeit zu schocken oder anzuwidern. Und so hoffe ich in der Regel darauf, dass bald die nächste Sequenz in der Schule folgt. Wäre doch das ganze Abenteuer so – Outlast II wäre so viel besser.

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