
Meinung
Lennard Willms meint: Eigentlich ist House of Ashes mein bisher liebster Dark Pictures-Teil. Das liegt zum einen am Setting, das ich so noch in keinem anderen Horrorspiel gesehen habe, und zum anderen an den Figuren, die bei mir weit mehr Sympathien auslösen als etwa der Yuppie-Trupp aus Man of Medan. Wer also einfach nur einen weiteren netten Gruselabend verbringen will, der macht hier nichts falsch. Mich fangen die offensichtlichen Schwächen der Reihe jedoch langsam zu stören an. Hier wäre Potenzial für ein so viel besseres Spiel, wenn man die Interaktion mit der Erzählung erhöhen würde, wenn man sich mechanisch mehr trauen würde als nur Stick links oder Stick rechts, und vor allem, wenn man aus der coolen Idee eines Kurators, der im Hintergrund die Fäden zieht, mehr herausholen würde.









@ghostdog83 , das Problem bei dieser Art von Spiel ist es aber, dass man bei einem verkackten Quicktime Event jemanden verlieren kann, so dass eben diese Charaktertiefe nie zum Vorschein kommen konnte.
Wie gesagt, bei meinen Durchgang, denn mehr als einen brauch ich ehrlichgesagt nicht, weil dann die Storywendung weg ist, waren die Figuren bis zu ihrem Ableben – und überlebt hat nur die Tusse vom Anfang und irgendeiner der Typen – ziemliche Abziehbilder. Kann natürlich sein, wenn man das Ding zwanzig Mal durchspielt und dabei ALLE Versionen probiert, dass da was kommt, aber dazu fehlt mir echt der Elan.
Little Hope fand ich vom Setting her sogar noch am interessantesten der Reihe. History-Horror geht für mich immer und grundsätzlich ist man bei einem Konzept geblieben, was schon mal ein Pluspunkt war. Die Charaktere waren auch nicht zu nervig, was aber auch an zwei Erwachsenen im Fünferpack lag – und wie man sie in den Zwischensequenzen hat entscheiden lassen.
Man of Medan hatte ein paar Längen und die Brut war durch die Bank unsympathisch, fast wie bei Until Dawn, bei dem ich eine tatsächlich hab selbst absichtlich gekillt habe (das Spiel hat es angeboten).
Grundsätzlich nerven mich aber die QTE und auch irgendwelches Controllergewackel am meisten in den Spielen. Zum Glück kann man das in den späteren Teilen dann auch abstellen – trotzdem war ich in Little Hope doof genug trotzdem zwei Figuren dadurch zu verlieren, weil der Film – trotz ausgeschaltetem Timer -, von mir erwartet hat, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt was machen muss. Und eine ist angekratzt ohne dass ich wusste wieso …
@Steffen_Heller , kann es sein, dass Dir die oft eingestreuten “free roaming” Momente einfach auf den Nerv gehen. Zumindest Telltale Games sind ja eigentlich immer recht straff erzählt worden, im Vergleich dazu.
Und es gab weniger Jumpscares, was immerhin die schlechteste Art ist “Grusel” oder “Horror” zu schaffen, weil irgendwann wird es halt vorhersehbar.
Davon ab, kein Spiel der Reihe hatte bisher den Mut mal wirklich in die psychologische Trickkiste zu greifen und wirklich alles auf den Kopf zu stellen, was die Figuren und damit der Spieler glaubt.
Ich habe mir jetzt mal noch eine andere Besprechung (Gamerant*) zu House of Ashes durchgelesen, wo als Kritikpunkt genannt wird, dass die wenigen Gameplay Elemente nicht mit der Geschichte und den Horrorelementen harmonieren, wodurch sich das Spiel so anfühlt, als würde es zwei Dinge gleichzeitig versuchen, abwechselnd (Sammelobjekte im Pausenmenü untersuchen, was den Erzählfluss unterbricht, statt sie auf natürliche Weise einzubinden), während hier auch der Vergleich zu Until Dawn gezogen wird, wo die Einbindung der Funktionen des DualShock 4 auf spielerischer Ebene mit der Erzählung weitaus besser funktioniert, wenn man beispielsweise den Controller stillhalten muss, weil gerade eine Gefahr in der Nähe ist, welche den Fortgang der Handlung bestimmt, je nachdem, ob es dem Spieler gelingt, den Controller ruhig zu halten oder nicht. Auch beim Vergleich der QTEs sieht der Autor den Vorteil bei Until Dawn, wo sie als fesselnder beschrieben werden.
Mich hat die The Dark Pictures Anthology bislang eher abgeschreckt, da diese doch zu häufig als schwächere Form von UD beschrieben wird.
* Im Review wird der Twist von Until Dawn genannt
@Steffen_Heller
Ich bin etwas irritiert – hast du Until Dawn bereits gespielt? Ansonsten wäre das doch der naheliegendste Titel aus folgenden Gründen:
Supermassive Games hat hier die meiste Entwicklungszeit investiert (ca. 3 Jahre) konnte dank Sony auf ein höheres Budget zurückgreifen sowie die von Guerrilla Games entwickelte Decima Engine nutzen, wodurch das Spiel auch heute noch mehr als ansehnlich ist: Hier wirst du die bislang ausgereifteste Form dessen erleben dürfen, was sie mit dem interaktiven Geschichtenerzählen erreichen wollen. Das Skript von Larry Fessenden, der im Spiel selbst als digitales Ebenbild eine Rolle übernimmt und auch spricht, ist hier* solide geschrieben, was auf seine Erfahrung in der Filmbranche (speziell dem Horrorfilm) zurückzuführen ist, wo er bereits einen thematischen ähnlichen Film gedreht hat (Autor, Regisseur und Produzent, für den er ausgezeichnet wurde.
Das Spiel läuft auf der PS5 mit 60fps.
*Er ist auch an der TDPA als Autor involviert.
@Nightrain Ich widerspreche nicht und sage nur, dass ich Dark Pictures im Vergleich zu vielen FMVs-, Telltale-, DontNod-Titeln und sonstigen ähnlichen Spielen (z.B. Death Come True) einfach tatsächlich mies finde. 😀
Muss hier aber auch sagen, dass ich mich nur zweimal durch Man of Medan durchgequält habe und bisher House of Ashes nur in Auszügen angespielt habe, weswegen ich mir da eh kein Gesamturteil erlauben will. Für Little Hope war mir meine Zeit bisher zu kostbar, aber trotzdem habe ich auf den nächsten Ableger sogar ein wenig Lust, weil ein simpler Slasher-Horror mit ein paar Saw-Anleihen mich schon kurzweilig unterhalten könnte.
@Nightrain
Die Meinungen gehen da auseinander mit überwiegender Tendenz in die Richtung, dass die zunächst bewusst an die Stereotypie des Teenie-Slasher angelegte negative Figurenzeichnung im Verlauf zunehmend aufgebrochen wird, wenn beispielsweise ein bestimmter Charakter sich zum großen Teil als Retter der Gruppe herausstellt, sich am Ende gar dazu bereit erklärt, sich zum Wohle aller zu opfern, was zu Beginn aufgrund seiner eher selbstbezogenen Art, sich in den Vordergrund zu rücken, gar nicht abzuschätzen war.
Man könnte wirklich über jede der Figuren einen Abriss darüber schreiben, wie sie sich im Verlauf des Geschehens gewandelt haben, neue Züge zum Vorschein kommen, die für mich dafür gesorgt haben, meine Meinung zu überdenken.
Selbst Emily mit ihrer manipulativen und herablassenden Art anderen gegenüber konnte ich gegen Ende etwas abgewinnen, wenn sie sich als echte Überlebenskämpferin entpuppt, die zu mehr imstande ist, als nur die nervige Zicke der Gruppe zu sein.
Im Netz gibt es auf den entsprechenden Seiten, die sich mit dem Spiel befassen, Diskussionen, die sich um die Charakterisierung drehen, wo man noch Sachen erfährt, die einem selbst im Spielverlauf gar nicht aufgefallen sind.
Es wird auch hervorgehoben, dass durch den deutlich höheren Umfang (doppelt so lang) Until Dawn mehr Raum dafür bietet, die Charaktere sich entfalten zu lassen, um die Möglichkeit zu schaffen, eine besser nachvollziehbare Entwicklung herauszuarbeiten.
edit:
Ich muss dazu sagen, dass die deutsche Synchro dem Spiel viele Feinheiten nimmt, die im O-Ton die Charaktere für mich lebendiger gestalten lassen. Aus meiner Sicht hätte Sony sich das Geld besser sparen können.
@Steffen_Heller und hier sehe ich das Problem: eine Wertung im 60er Bereich ist nichts für ein “mieses” Spiel. 65 Punkte wären immer noch ein gutes Spiel, dass allerdings einige Macken hat und eher in Richtung “Lieberhaberstück” tendiert. D.h. ja nicht, dass es keinen Spaß macht, nur eben unübersehbare Fehler bzw. Mängel hat. Das sehe ich bei den Spielen dieser Reihe.
Until Dawn war nett, hat mich aber mit seinem zweiten Spielteil dann aber verloren. Murder Mystery gibt mir was, das Abkippen ins “real” mystische war nicht meins und hat irgendwie draufgepappt gewirkt, als wenn sich der Entwickler zwischen zwei Settings nicht entscheiden konnte, dann das eine gewählt und gemerkt hat, dass es für das Budget zu wenig Spielzeit liefert.
@ghostdog83 , die Charakterzeichnung war in keinem der Spiele wirklich gut. In Until Dawn waren es alles Arschlöcher, auf die keine der Beschreibungen aus dem Intro gepasst hat … in Men of Medan auch … in Little Hope ging es noch halbwegs, auch wenn hier wieder die “Charakterisierung” am Anfang auch ziemlich Banane war. Irgendwie hab ich bei den Beschreibungen fast den Eindruck, dass ist eine Art Regieanweisung, mit dem die Entwickler uns sagen, wie sie sich die Figuren vorstellen und wie man sie zu spielen hat?
Until Dawn hat mir auch sehr gut gefallen.
TDPA habe ich bislang ausgelassen. Was ich dazu von Fans von UD lese, ist, dass es insgesamt nicht an dessen Klasse heranreicht. Das geringere Budget soll sich doch bemerkbar machen, die kürzere Spielzeit negativen Einfluss auf die Charakterzeichnung haben.
@ghostdog83
Until Dawn war sehr gelungen. Perfekt für einen schönen Abend im Winter.
Ich hatte mir von dem Studio eine Steigerung gewünscht.
@Max Snake Ist zumindest nicht die schlechteste Referenz – müsste ich auch mal wieder gucken…
Halte es ansonsten mit der Reihe wie Nightrain. Der Vorgänger liegt eh noch ungespielt im Schrank, da kann das Teil hier noch warten.
Von Setting her muss ich an den Film The Descent denken, nur diesmal in Irak.
Ihr am besten bewertest Spiel im Durchschnitt ist nach wie vor Until Dawn, was bei Erscheinen zum überraschenden Hit wurde, selbst für Sony, wo nachträglich für das Spiel erneut an Halloween mit TV-Spots geworben wurde. Vielleicht haben sie damals ihren Zenit schon erreicht. ?
Also nach dem überflüssig und langweiligen Vorgänger, werd ich das nicht mal gratis spielen.
Wie kann ein talentiertes Studio so etwas ödes produzieren?!
@nightrain Das hat nix mit Mut zu tun. Lennard findet die Reihe bloß tatsächlich nicht so mies wie so manch anderer in der Redaktion (rede natürlich von mir! :D).
Ich werde auf einen Sale warten, wie schon bei den Vorgängern. Für 10 oder 15 Euro ist das eine nette Abendunterhaltung und es dauert meist knapp ein Jahr bis die Preise dort angekommen sind, so dass sich bei mir die Ermüdung nicht so sehr einstellt. Wobei ich nach dem Lesen schon eher mit einer Wertung in den Swinging Sixties gerechnet hätte … Jungs habt doch mal wieder mehr Mut dazu! 😉