Turok – im Klassik-Test (360)

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Turok ist einer der wenigen ­Pioniere des Ego-Shooter-Genres, der nicht schnurstracks auf dem deutschen Index landete. Zu verdanken hat die Serie dies nicht nur der Tatsache, dass Euch im Erstling hierzulande Roboter statt Menschen vor die Flinte sprangen. Schließlich war die Jagd auf angriffslustige ­Dinosaurier seit Anbeginn wesentliches Spiel­element. Die sind bekanntermaßen nicht besonders menschenähnlich, alle bissig und ­zudem sogar schon ausgestorben. Weil das die Nazis leider immer noch nicht ganz sind, hatte id Softwares ­legendärer Ich-Schießer ­einen deutlich schwereren Stand. Auch russischen Agenten – und seien sie noch so erzschurkisch veranlagt – in ihre Weichteile oder zwischen die goldenen Augen zu ballern, ist schlecht, schlimm und gehört gefälligst verboten. Schließlich macht ein solches Killerspiel die Jugend auto­matisch zum Straftäter.

Zum Glück sind die Zeiten der ­Radikal-Indizierung von Ego-Shootern vorbei – wer nicht gleich menschliche Körperteile vom Himmel regnen lässt oder Leichen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, darf auf das USK-Prüfsiegel ’Keine Jugendfreigabe’ hoffen. Nun regnen aber beim neuen Turok ­regelmäßig Fleischbrocken herab, winden sich zuckende Leichen im Todeskampf oder fließt das hochaufgelöste Blut in Strömen.

Ach ja, richtig – es sind ja nur Dino-Blut, Dino-Fleisch und Dino-­Leichen. Klar, dass eine ­Gesellschaft, die das Abschlachten unzähliger ­Lebewesen für die tägliche Leberkäs-Semmel oder das abendliche Wurstbrot ohne Murren in Kauf nimmt, in dieser Beziehung abgestumpft ist. Die Regel ist: Dinos bluten, platzen, zucken – Menschen nicht. Versteht uns an dieser Stelle nicht falsch, wir wollen nicht den Moralapostel spielen, ­sondern wundern uns einfach, dass die Kämpfe mit den Echsen derart brutal ausfallen müssen. Sicher trägt dies zur Intensität der Kämpfe bei, legt aber auch die Frage nahe: ­Würde das nicht gleichermaßen für die Schusswechsel mit den menschlichen Feinden gelten? ”Man wolle die Grenzen des ­guten Geschmacks nicht überschreiten”, erklärte uns Josh Holmes, ­Vizepräsident des Turok-Entwicklerstudios. Vielleicht wollte man aber auch einfach die Probleme vermeiden, die Rockstar mit Manhunt 2 bekam. Was sich der Entwickler des Kassenschlagers GTA erlauben kann, hätte für die kanadischen Frischlinge sicher das frühe Ende ihrer Karriere bedeutet.

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