Retro-Moment der Woche (Numero 10): Teh Adwentuhre of Link

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Meine Gedankenreisen in die graue Vorzeit der Videospiele bringen meist eine sehr wichtige Erinnerung mit sich: Ich konnte kein Englisch. Eventuell einige Brocken. Das mit “I” meine Wenigkeit gemeint war und ein “you” für “du” stand, ja, dass konnte sogar ich herunterbeten, ohne ein Vokabelheft aufzuschlagen. Immerhin gab es damals noch keine Möglichkeit zur Internetrecherche und Portale wie LEO waren schlicht Wunschdenken.

Was mich unmittelbar zu dem Retro-Moment dieser Woche führt: Zelda 2 – The Adventure of Link. Oder, wie ich es als kleiner Hosenscheißer ausgesprochen habe: Teh Adwentuhre of Link. Tii-Ätsch war damals genauso unbekannt für mich wie die Vorstellung von später folgenden Abenteuern in dreidimensionalen Welten. Zelda 2 war nämlich in 2D. Und was nach dem Vorgänger aus der Vogelperspektive viel überraschender kam – es war ein Side-Scroller mit Jump’n’Run Anleihen.

Erschienen ist der zweite Teil der damals noch jungen Zelda-Saga am 14. Januar 1987, zu einer Zeit, in der Michael Jackson seinen Zombie-Hit “Thriller” in die Händlerregale stellte, das ARD versehentlich die Neujahrsansprache von Helmut Kohl aus dem Vorjahr abspielte, Rudi Carrell Morddrohungen wegen einer erotischen Persiflage des iranischen Staatsoberhauptes Ajatollah Ruhollah Chomeini erhielt und ich gerade den Windeln entwachsen war.

Zelda-Fans waren mit dem zweiten Ausflug von Link erstmal vor den Kopf gestoßen: Das Spiel begann in einem Tempel, Zelda war aufgebahrt und schien zu schlafen. Das Problem: Zelda wachte nicht auf… und Eure Aufgabe war es, den Fluch zu brechen. Serienfiesling Ganon dagegen glänzte während des gesamten Abenteuers (bzw. Adwentuhres) mit Abstinenz – finstere Mächte versuchten den bösen Bub nach seinem Ableben in Teil 1 wiederzuerwecken, deswegen strahlte Euch sein düsteres Ebenbild einzig und allein im Game Over Bildschirm entgegen.

Das viel größere Problem: Link startete in der Seiten-Perspektive – die Vogelperspektive kam nur noch in den Streifzügen über die Oberweltkarte zum Nutzen. Diese jedoch diente nur dazu, um von einem Dungeon zum nächsten zu reisen – und um in zahlreichen Zufallskämpfen seine Fertigkeiten zu steigern. “Zufallskämpfe? Aber man konnte die Monster doch sehen!” werden jetzt einige von Euch herumposaunen. Und es stimmt: Im Gegensatz zu den frühen Final Fantasy und Dragon Quest Rollenspielen, erschienen die Feinde als schwarze Schatten auf der Karte – meistens nur wenige Zentimeter vor der Nase des glücklich durch Wiesen und Wälder sprintenden Typen mit grünem Tarnanzug.

Zelda 2 NES

Ausweichen war dementsprechend (beinahe!) unmöglich – und die Level, in welche Link daraufhin “gebeamt” wurde, waren vollkommen dem Zufall untergeordnet. So kam es vor, dass Ihr locker flockig (ohne auch nur einen Gegner anzukratzen) aus einem Level herauspringen konntet, während andere Level Euch vor Feindesaufkommen und fiesen Sprüngen gerne mal in den Wahnsinn trieben.

Neben der ungewöhnlichen (und bis heute für die Serie einzigartigen) Perspektive, kommen wir hiermit gleich zum nächsten Problem: dem Schwierigkeitsgrad! Super Mario Bros. ohne Speicherpunkte bis ins letzte Level zu geleiten war selbst für mich kein Problem, aber Link quer durch Hyrule zu begleiten – DAS war eine ganz andere Geschichte. Endlich in einem der Paläste angekommen, musste man sich nämlich gehörig zusammenreißen – beim Ableben von Link startete der leidgeplagte Spieler im Tempel von Zelda, weitab vom just betretenen Dungeon.

Sterben gehörte jedoch zum neuen Hobby von Link: Fiese Gegner mit Wurfwaffen ließen Euch verzweifeln, einen Endboss konntet Ihr gar nur dann besiegen, wenn Ihr das entsprechende Item bei Euch hattet – Pech für diejenigen, welche nicht auf diese glorreiche Idee kamen,… für alle anderen “Piece of Cake”, immerhin konntet Ihr den fiesen Zauberer Carock auf Knien besiegen.

Dazu kommt die bis heute unverständliche Entscheidung, Euch bereits im frühen Spielverlauf durch Death Mountain zu führen, um an den Hammer zu kommen – einer der schwierigsten Teile meiner bisheringen Videospielkarriere.

Bei Treffern wurde Link darüberhinaus gerne nach hinten geworfen… und landete mit seinem knackigen Arsch in brodelnd heißer Lava. Game Over. Continue?

Neben den üblichen “Finde den Hammer” – “Schlage mit dem Hammer Felsbrocken vom Weg” Quests, gab es in den Abenteuern von Link ein weiteres Novum: Sex. Ja, richtig gelesen. Link wurde schmutzig – zumindest in der Fantasie von einem ganzen Haufen an pubertierenden Videospiele-Fans.

“Please let me help you. Come inside.” Die Dame mit dem wallenden, schwarzen Haar und mit dem roten Kleid bittet uns in ihr Haus? Na, wer kann da schon Nein sagen? Ja, während Link in dem Haus verschwand, entfleuchten meine Gedanken in wilde und schmutzige Fantasien… in denen auch der Bumerang eine Rolle spielte.

Ein weiterer NPC begrüßte Euch mit dem heutzutage als “Videogame Legend” bekannten Phrase: “I am Error.” Ja richtig. Du bist ein Fehler! Ein großer Fehler! Wenn doch nur die restlichen Personen in den Städten hilfreich wären. “Welcome.” sagt mir eine Braut mit violettem Kleid. Und ich denke mir: “Ja, “Welcome” dich selbst!”

Oder diese tollen Lebensweisheiten, welche ich bis heute in mein Stammtisch-Totschlag-Platitüden-Konzept aufgenommen habe: “If all else fails, use fire!”. Als kleiner Daddler habe ich mich nur immer wieder gefragt: Wer ist eigentlich diese Else?

The Adventure of Link lesen und Teh Adwentuhre of Link aussprechen? Mein Retro-Moment der Woche!

Noch ein kurzer, musikalischer Ausflug zurück nach Hyrule: Die Musik wurde diesmal von Akito Nakatsuka (u.a. auch für Ice Climber verantwortlich!) komponiert und unterschied sich sehr von den Melodien aus dem ersten Zelda.

Das gilt bis heute, denn während die bekannten Songs immer noch durch unsere Ohrmuscheln huschen, finden sich kaum mehr Anleihen am Soundtrack des zweiten Teils. Einzige Ausnahme: die ersten Noten der Oberwelt-Musik gelten als Grundstein für die Melodie, welche alle braven Abenteurer noch heute auf ihren Konsolen dudeln hören.

Das Palast Theme gibt auch heute noch einen tollen Handy-Klingelton ab, bei dem sich die Kollegen gerne mal (von plötzlicher Retro-Erkenntnis gepackt) laut kreischend vom Dach des obersten Stockwerkes schmeißen.

Die gute Nachricht: Nachdem beinahe der komplette Soundtrack von Zelda 2 im Noten-Nirvana versank, konnte sich wenigstens das Palast-Theme durch Super Smash Bros. Melee (alias die Gamecube Version von 2002) in die Neuzeit retten.

Noch ein Wort zum Schluss: Eventuell offenbart dieser Blog ein wenig zu sehr, dass ich Zelda 2 gehasst habe. Es war einfach zu gott-verdammt schwer, als dass ich als kleiner Daddel-Pimp auch nur den Hauch einer Chance gehabt hätte. Ganz im Gegensatz zu meinem Kumpel Igor – der aß das goldene Modul zum Frühstück. Zusammen mit seinem Müsli. Diese Zocker-Rivalität besteht übrigens bis heute. Und ich bin noch immer nicht besser. Werde es nie sein. Selbsterkenntnis: “If all else fails, use fire!”

Alles Gute und das Triforce zum Himmel!
Euer Daddler

 

Einen Retro-Moment verpasst? Dann könnt Ihr hier im Archiv stöbern:

Retro-Moment Numero 1: Conker’s Bad Fur Day (…und ein großer Haufen Kacke!)
Retro-Moment Numero 2: Duck Tales und der “Moon”-Song
Retro-Moment Numero 3: Mashed (…und der gefürchtete Raketenhagel)
Retro-Moment Numero 4: Kistenschmeißen mit Chip’n Dale
Retro-Moment Numero 5: Secret of Mana und die Canoni Brüder
Retro-Moment Numero 6: Amplitude (…und ein Restart nach dem nächsten!)
Retro-Moment Numero 7: Snake, Rattle’n Roll (…und an großen Füßen lecken)
Retro-Moment Numero 8: Skies of Arcadia (…und die Gedanken über Wolken schweben lassen)
Retro-Moment Numero 9: Dem Lynx sein Slime World

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Morolas
17. März 2011 13:11

@xisusxHast du das Spiel beendet?

Morolas
17. März 2011 13:10

hmmm… wie schön…Zelda 2 ist einer meiner Lieblinge.Mal was anderes aufleveln etc.Der Sound finde ich QL, ich höre den manchmal beim Autofahren… habe mir extra ein Zelda CD importieren lassen Zelda 1 bis Windwaker (leider fehlt das schöne Stück von Zelda III vom Dorf :o( ).Vier Mal bis zum Endschloss gekommen und in den 15 Jahre nie Geschafft. Diese fiesen unsichtbaren Gegner…Am Schluss ist das Game fast zu schwer, wegem schon erwähnten Problem “”Unsichtbarer Gegner trifft dich, spicke nach hinten, lande in der Lava””Ich wäre froh wenn wieder mal ein solches Zelda kommt.Diesen Teil sollte mal für eine Weile gespielt haben…auch Heute noch!Um Welten besser als der Erstling.

xisusx
10. Dezember 2010 0:02

@ninboxstationBin ganz deiner Meinung, die Fights waren bombastisch!!! ?Wahrscheinlich war es den meisten einfach zu schwer und machten deswegen das Spiel zu Unrecht nieder. Für mich war Zelda 2 damals das Adventure das ich suchte und so auch absolu

6. Dezember 2010 11:08

fand Zelda II ebenfalls super, hätte weitere Zeldas mit einer Seitenansicht gerne gezockt…, war sogar wie ein Vorreiter für Street fighter II, da konnte man “”tief”” und “”hoch”” schlagen und decken (und sogar Sprüngschläge erteilen, zwar von Senktrecht oben), das Actionprizip war so was von Genial,die Dörfer, Items, RPG Elementen ect. ware u geil für damals..nur der letzte Dungeon war recht happig, mit dem “”versteckten”” Loch im Boden, denn man finden musste, um weiter zu kommen.. Zelda II war zu unrecht kritisiert worden als das schlechtes Zelda (wird so zt. so in den Medien dargestellt)

xisusx
26. November 2010 23:25

Ne, eher an den Kameraden hier:[img=150×150comment image[/img] der hat nämlich auch zwei xD

Pariah
26. November 2010 19:57

: an Vincent Price, vielleicht. Oder Egghead?

xisusx
26. November 2010 19:23

Also ich habe Zelda 2 bis zu bitteren Ende durchgezockt und würd dieses unglaublich geniale und tiefgehende Spiel NIE an die Wand klatschen, dann schon lieber all die anderen Zelda Teile!P.S: : geilen Avatar hast du da, erinnert mich an …………………………………….. xDPP.S: und das mit den Frühstücksflocken stimmt auch ?

Pariah
26. November 2010 12:04

The adventure of link, jaja. Offen gestanden mein erstes Zelda. Hab`s monatelang gespielt, kurz vor dem letzten Palast ist das Goldmodul dann auf wundersame Weise an der Wand zerschellt, kismet…Trotzdem für mich ein wichtiges Spiel, das mich nachhaltig geprägt und zum Adventure/Rollenspielfreund hat werden lassen. Auch so ein diskutables ( und teils sehr angefeindetes ) Spiel ist imo “”Simon`s Quest””. Fand ich damals ebenfalls hart, unfair, seltsam aber irgendwie großartig…

Dr. Mario
25. November 2010 14:22

Ja, in Anbetracht des Nachfolgers nächstes Jahr wäre ein Retro-Bericht zu Kid Icarus schön! Aber auch Fantasy Zone, Quackshot, Demons Crest oder Super Metroid wären doch auch für den Retro-Moment geeignet.

25. November 2010 14:10

ja dad war für mich auch schwer früher , muss ich mir mal auf die wii laden.mal sehn ob ichs heut zu was bring 😀 zur gleichen zeit hab ich kid icarus gezockt, das wär auch mal was fürn retro bericht. ebenfalls kein zuckerschlecken das teil , selbst heute^^

Dr. Mario
25. November 2010 13:31

Da hast Du sicher recht, Seppatoni, dass die meisten der Zelda 2-Kritiker das Spiel bloß vom Ansehen her kennen: allerdings war das Magie- und Erfahrungspunktesystem und die steuerung schon ziemlich gewöhnungsbedürftig. Insofern war die Rückbesinnung bei “”A Link to the Past”” auf den Serien-Erstling dann die richtige Entscheidung.

Seppatoni
25. November 2010 13:27

In dem Fall zähle ich mich auch zu den Zelda II-Frühstückern. Unzählige male hab’ ich mich bereits durch das Spiel gekämpft, und jedes mal meinen Spass gehabt. Vor allem den Hammer in den toten Bergen zu holen war früher ein Husarenstück. Aber mit fast leerer Energie- und Magie-Leiste und der Erinnerung an an die zahllosen überstandenen Kämpfe gegen die axtschwingenden Reptile schlussendlich den Hammer emporstemmen zu können, DAS wäre imo ein würdiger Retro-Moment im Bezug auf Zelda II gewesen. Für mich ist der Titel bis heute einer der besten Teile der Zelda-Serie, gerade weil er anders ist. Und auch die Musik (vor allem das Theme im grossen Palast) hat es mir angetan. Leider haftet (zu unrecht) der Ruf eines schlechten Spiels an Link’s Abenteuer, was mittlerweile auch Leute dazu bringt das Spiel zu verurteilen, ohne es überhaupt gespielt zu haben.