
Während man heutzutage beinahe selbstverständlich zu Plastikgitarre und DJ-Controller greift, war das Genre noch vor erstaunlich kurzer Zeit ein Buch mit sieben Siegeln – zumindest für den Großteil der westlichen Spielerzunft.
Während eines gemütlichen Spiele-Abends (Brettspiele wohlgemerkt!) schallte mir nun Blink-182 mit ihrer “Rock Show” aus dem Radio entgegen (nicht dass ich großer Fan von Bubblegum-Punk wäre). Meine Gedanken wehten daraufhin zurück zu meiner persönlichen, ersten Berührung mit Rhythmus-Spielen: dem Playstation 2 Titel Amplitude, anno 2003!
Japaner zockten schon über einen gigantischen Zeitraum diverse Musikspiele – allen voran natürlich die unter Nippon-Verrückten auch hierzulande bekannten Bemani-Games wie Beatmania, GuitarFreaks und DrumMania – während Europäer lieber zu Tomb Raider und Resident Evil griffen. Dance Dance Revolution und Pop’n Music dürfen hier natürlich nicht unerwähnt bleiben, immerhin ist ersteres der Godfather aller Tanzspiele und zu Pop’n Music habe ich dank einiger Tokyo-Besuche ein ganz spezielles Verhältnis entwickelt – ja, die verrückten Hasen verfolgen mich in meinen Träumen!
Der Anfang des heute exorbitant-dauerdurchgenudelten Musik-Spiels kam im Westen durch das damals winzige, amerikanische Entwickler-Studio Harmonix zustande: Mit FreQuency und dem Nachfolger Amplitude zeigten die Jungs aus Cambridge bereits ihre Liebe zu Rhythmen, verschiedenen Tonspuren und gerade dieser Verbindung mit dem Medium Videospiel. Leider war das Spielsystem und die gewählte Musik zu speziell und ausgeflippt, um am Massenmarkt bestehen zu können – dieser überrasschende Erfolg gelang erst später mit Guitar Hero.
Amplitude hingegen war (und ist!) für mich wie ein Drogenrausch: “He DJ, sit tight… buckle up, we are going for a ride!”

Auf insgesamt fünf Bahnen fliegt man mit seinem “Beat Blaster” über auf- und absteigende Spuren, vollgepropft mit den (auch aus den heutigen Musikspielen bekannten) Notenkapseln. Jede Bahn repräsentiert dabei eine andere Spur des gewählten Songs: Neben Bass und Gesang schaltet Ihr so auch Gitarren, Schlagzeug und Synthi-Effekte frei, indem Ihr mehrere Noten abschießt und schnellstmöglich die Spur wechselt um den Punkte-Multiplikator zu erhalten. Ein ganz ähnliches System findet Ihr übrigens im Rock Band -Ableger für Sonys PSP.
Anstelle von Star Power sammelt Ihr unterwegs diverse Power-Ups: Slow Motion, Auto-Blaster (aktiviert automatisch eine Spur), Multiplikator und Freestyler warten auf einer bestimmten Spur des Songs auf Euch, deswegen müsst Ihr gut vorausplanen – eine Strategie die heutigen Guitar Hero Verwurstungen beinahe vollkommen abhanden gekommen ist.
Ebenfalls unverständlich und beim erneuten “Reinzocken” aufgefallen: Wieso gibt es in heutigen Spielen keine Progress-Bar, welche Euch genau anzeigt in welcher Stelle des Songs Ihr Euch befindet?
Verschiedene Stages (Neotropolis, Beat Factory, Metaclouds, Elektro Kore oder Blastlands) mit jeweils drei Songs und einem Boss-Song warten auf Euch, die Song-Auswahl variiert von David Bowie, über P.O.D., Garbage und Pink bis hin zu Blink-182 mit besagter “Rock Show” und meinem absoluten Lieblings-Song Kimosabe von Electro-Künstler BT.
Nach einem kurzen Test (bzw. einem kompletten Durchlauf!) muss ich sagen: Amplitude rockt auch heute noch. Anstelle immer sinnlosere Features in die Spiele hineinzupacken (“Was nützt es mir, mich in einen Werwolf zu verwandeln, wenn ich davon eh nur die Hälfte mitbekomme? Ja, Guitar Hero, DU bist gemeint!”), sollten sich die Game Design Genies von heute mal eine ganz dicke Scheibe von diesem Meisterwerk abschneiden.
Zugegeben: Diesmal bin ich diesen Blog recht spontan angegangen, ohne einen festen Retro-Moment vor Augen gehabt zu haben. Überraschend kam dieser Moment dann doch, als ich das Spiel in die winzige Playstation 2 Slim (Top-Loader FTW!) pfefferte. Ich spielte einen Song nach dem nächsten, versank wieder in der schrill-bunten (und endlich mit ensprechender Soundanlage versehenen) Welt von Amplitude und… pausierte das Spiel kurz nach den ersten 20 Sekunden des zweiten Songs durch eine Druck auf den Startknopf.
Pause.
Digipad nach unten.
Restart?
Darauf kannst du deinen DJ-Hintern verwetten. Restart! Aber sowas von!
Und da war er: Der Retro-Moment! Amplitude ist und bleibt das Spiel, indem ich am meisten auf Restart gedrückt habe. Nehmt Euch ruhig alle Ridge Racer und WipEout Bestzeiten-Versuche dazu: Ihr werdet nicht auf diese Anzahl an Restarts kommen.
Restart drücken bei Amplitude? Mein Retro-Moment der Woche!









Mein Gott, Amplitude! Wie könnte ich dieses game je vergessen. Damit haben wir uns in meiner alten Studentenbude stundenlang die Nächte um die Ohren gehauen. Der winzige Fernseher wurde durch die riesige Stereoanlage gewissermaßen kompensiert, was bei dem Spiel sowieso viel wichtiger ist. Jedesmal wenn ich jetzt Lieder aus der (genialen) Playlist höre kommt die Erinnerung hoch (bestes Beispiel: Garbage – Cherry Lips)Definitv ein Retro-Moment für mich!
Amplitude habe ich nur am Rande mitbekommen, aber Pop’n’Music lief in Heavy Rotation auf meiner Dreamcast. Habe mir sogar den Bemani-Controller dazu geholt um japanisches Arcade-Feeling zu erzeugen.Bekomme gerade Lust auf eine Runde wenn ich hier so schwärme…;-)
Auch eine Playstation 2 ist mittlerweile RETRO… …aber bitte, RETRO Artikel machen mehr Spaß wenn sie Gefühle verursachen wie “”Ach jaa, ich erinnere mich knapp! DAS gabs ja auch noch!”” und nicht “”Ach das….””Das Chip n Dale Ding war doch zB super
Aber von Retro kann ja hier wohl nicht die Rede sein oder? Retro ist für mich was anderes…