Der philosophische Mon… äh… Freitag: Welche Themen sollen Videospiele behandeln?

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Adventure-Koryphäe Tim Schafer (siehe Foto rechts) werkelt derzeit fleißig an der Fertigstellung von Brütal Legend, das am 16. Oktober für PS3 und Xbox 360 erscheint. In einem lesenswerten Interview mit der Webseite gamesindustry.biz plaudert er nicht nur über seine spielerische Hommage auf die Rock- und Metal-Szene, sondern auch über Hürden, die Nicht-Gamern den Einstieg in die interaktiven Welten erschweren.
Seiner Meinung nach liegt es primär an den im Spiel behandelten Themen, die potenzielle Neueinsteiger abschrecken. “Nicht jeder will in superbrutale, gewalttätige Welten abtauchen. Und was mache ich? Ich entwickle ein Spiel mit Riesenäxten und Enthauptungsszenen. Ich denke, Humor würde mehr Leute zum Spielen animieren.” Schafer weiter: “Früher hatte die Branche nur wenige Inspirationsquellen: Tolkien’sche Fantasy und Star Wars, dann kamen schrittweise neue Sachen hinzu. Aber es wird besser. Die Grand Theft Auto-Serie hat eine neue Dimension in puncto Inspiration und Inhalte geöffnet. Und je breiter das Ganze wird, desto mehr Leute werden sich für Spiele interessieren.”
Laut Schafer ist es für die Branche überlebenswichtig, die bisherigen Genregrenzen einzureißen, um das Mainstream-Publikum davon zu überzeugen, dass Games nicht nur simple Themen behandeln. “Filme zum Beispiel behandeln alle Aspekte des Lebens: romantische Geschichten, Comedy und ernste Dramen. Die meisten Spiele dagegen wirken wie der typische Sommer-Blockbuster mit Action und Krachbumm. Spiele sind über dieses Niveau bislang nicht wirklich rausgekommen. Aber ich denke, das wird passieren – und das hoffentlich bald, sonst wird sich die Meinung der Leute über Games weiter festigen.”

Tim Schafers Worte haben mich zum Nachdenken und Reflektieren angeregt: Welche Themen möchte ich in einem Spiel behandelt sehen? Was braucht ein Spiel, um mich wirklich zu fesseln? Müssen Games wirklich alle Aspekte des Lebens aufgreifen?

Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen. Mich fesseln zum Beispiel auch Spiele ohne Story: Dass ich als Mario oder Link am Schluss die Prinzessin rette, ist mir egal; hier ist definitiv der Weg das Ziel. Das Meistern von haarigen Sprungpassagen, das Entdecken von versteckten Schätzen und neuen Landschaften, das Lösen von komplexen Rätseln und das Experimentieren mit verschiedenen Gegenständen: Das sind die Zutaten, die mich an die Glotze fesseln und mir – ehrlich gesagt – auch die meisten und dauerhaftesten Erinnerungen an eine schöne Zeit mit einem Spiel bescheren.
Andererseits brenne ich darauf, den Adventure-Thriller Heavy Rain endlich länger als nur 20 Minuten (wie auf der E3-Messe Anfang Juni) zocken zu können. Dieses Spiel ist einfach anders, erwachsener in der Präsentation und mit Inhalten gefüllt (Charaktere können sterben, Spiel geht trotzdem weiter), die ein Mario oder Zelda wohl niemals bieten wird.
Auch wenn ich gut mit Spielen ohne Story und Tiefgründigkeit leben kann, schließe ich mich der Meinung von Tim Schafer an: Es braucht mehr mutige Entwickler, die sich an ungewöhnliche Themen heranwagen und versuchen, Videospielen weitere Facetten hinzuzufügen. Denn ab und zu guck ich halt doch einen romantischen Film mit meiner Freundin…

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14 Kommentare
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captain carot
25. Juni 2009 6:08

Gibt genug andere Sachen, nur stehen dicke Big Budget Action Produktionen bisher im Mittelpunkt des Interesses.Lustiger Weise ist Brütal Legend so wie es bisher aussieht im Prinzip auch “”nur”” ein Actionspiel, auch wenn es ein ganz anderes Setting und einige besondere Ideen hat.

Beeberman
25. Juni 2009 0:27

Das klassische Spiel darf nicht vernachlässigt werden aber dennoch sollte es wesentlich mehr Spiele geben wie der gute Tim sie beschreibt. Die meisten Games fahren die selbe Schiene man sollte mal etwas wirklich neues schaffen.Team ICO macht ja schon den Anfang mit ICO, Shadow of the Colosus und wahrscheinlich auch mit the last Guardian.Zwar behandeln die auch die normale Actionkost, allerdings spielen hier ganz andere Dinge die Hauptrolle.

schweini
24. Juni 2009 10:26

@cpt. carot: Stimmt ja… aber man unterschätzt immer was für ein alter Sack man ist. Macht aber das Leben leichter!

captain carot
23. Juni 2009 18:55

: Klugscheißermodus an: Sogar der dritte Teil ist über 20 Jahre alt, der erste hat schon 30 Jährchen drauf.Abgesehen davon, gute Endzeitszenarien nehm ich immer wieder gern, leider sind die wenigsten gut.

schweini
23. Juni 2009 10:01

Es gibt ein Paar Themen die an die ich gerne mal Hand anlegen würde:Speedboatracing oder sowas wie Wave Race in HD3D-Weltraumballereien (aber gut gemachte: Lylatwars z.B.)Ein Sprengkommando-Spiel als Mischung aus Aufbausimulation und Taktik-SpielFahrräder (Downhill Domination)Ober aber absurd:Die Telespiel-Klinik: Wir verarzten die vituellen Opfer aus Killerspielen in Trauma-Center-Manier, kleben die geplatzten Geister aus Boulder Dash und heilen PacMan’s Pillenvergiftung… da gibt’s genug zu tunUnd statt Splatter Games vielleicht die ultimative Sebstmord-Simulation die bei Erfolg automatisch die Hardware zerstört!Nee, aber jetzt mal ernsthaft:Was wir im letzten Jahr genug gesehen haben ist spritzendes Blut, fliegende Innereien und kaputte Endzeit-Szenarien. War ja auch mal cool, so seit den Mad Max Filmen (Teil 1 ist über 20 Jahre alt) bis Mitte der 90er. Jetzt ist 2009 und irgendwie finde ich hat man sich sattgespielt an der Thematik.

Napalus
22. Juni 2009 10:20

@allhttp://www.gegen-killerspiele-verbot.de/Auf die Seite gehen.eintragen,Zensur bekämpfen.

Saldek
21. Juni 2009 11:14

Ich finde er hat recht was das Argument „Sommer Block Buster mit Action und Krachbumm“ angeht.Was erwarte ich von Spielen? Wenn ich mir ein paar meiner Lieblingstitel anschaue. Z.B.Ecco the Dolphin SerieTomb Raider 1Knytt StoriesIcoSotCAnother WorldHalf Life 2Sonic 3D…dann würde ich sagen: für mich brauchen Spiele eine fesselnde Atmosphäre, das Wichtigste für mich. Ich mag ruhige Spiele, in die man auch mal versinken und einfach nur entspannen kann. Musik ist auch sehr wichtig (TR, Ecco DotF, Knytt Stories) sowie ein außergewöhnliches Design (Grafikstil, Gestaltung). Ich gehöre wohl zu diesen “”Esoterik gamern””, bei denen Spiele zu 98% durch den Bauch gehen. Reine Action ist für mich dass schlimmste, verschwendete Lebenszeit. Ein gutes Spiel muss ruhig sein, nicht laut. Auch Spiele mit zu komplexem Gameplay langweilen mich. Wenn ich in Wirtschaftssimulationen Tabellen kontrollieren muss ist’s direkt vorbei.Die affektive Ebene ist für mich also viel wichtiger als die kognitive.Völlig überbewertet halte ich auch den Story-Aspekt. Ico beispielsweise ist für mich pures gameplay, reduziert auf das Wesentliche. Keine Power-Up’s, keine Special-Moves, keine aufgesetzte Story mit hundert Wendungen. Vielmehr gibt es einen schnellen Einstieg & eine blitzschnell erlernbare Spielmechanik. Halt schnörkelloses Gameplay, mit welchem inhaltlich aber eine gigantische Komplexität erreicht wird. Das macht für mich gutes Spieldesign aus. Mit wenigen Mitteln viel zu erreichen. Mit überladenem Gameplay ist’s natürlich erstmal viel einfacher spielerische Abwechslung zu bieten. Die Entwickler müssen sich nicht anstrengen aus einem Spielelement alles raus zu holen. Vielmehr kratzen sie bei jedem ein bisschen an der Oberfläche. Vielleicht verhindert gerade diese künstliche Komplexität vieler Titel dem Medium den größeren Zugang zu Nicht-Spielern.Gaming bedeutet für mich – in der Summe – die vielen unvergesslichen Momente. Z.B. bei “”Ico”” die ersten Schritte in der riesigen Festung, im Hintergrund zeichnet sich eine entfernte Landschaft ab. Dabei kein Geräusch, außer dem Wind der über die Burgmauern pfeift. Oder bei Ecco surreale, dunkle Unterwasserlandschaften zu erkunden. Dazu die genialen Ecco-Soundtracks, die immer für eine geheimnisvolle, zeitlose Stimmung sorgten (z.B. http://ecco-darksea.com/music/dotf/dolphins_intrigue.mp3.Nachte)il an meinem Spielgeschmack: brauchbare Titel gibt’s nur aller paar Jahre. Meiner Ansicht nach sollten Entwickler vor allem weniger nach Realismus streben, wieder zentrale gameplay-Element fokussieren und auch den Mut haben, Produktionen abseits ausgetretener Actionpfade zu wagen. Mirror’s Edge ist imo ein sehr löbliches Beispiel. Leider gefloppt, genau wie seinerzeit Ico. Da liegt auch das eigentliche Problem, nämlich wir Zocker. Spielentwicklung ist halt anders als Malerei oder Musik eine sehr komplexe Angelegenheit, die sich nicht alleine im Wohnzimmer umsetzen lässt. Da braucht es richtig Leute und Geld. Das die Entwickler durchaus kreativ sind und nicht nur FPS machen wollen zeigt doch der derzeitige Online-Trend. Braid, flower & World of Goo statt Fracture, FIFA oder Riddick.Zum Glück mag ich auch gute Arcade-Spiele wie Sega Rally Revo oder VF5 😉

captain carot
20. Juni 2009 23:29

Das wäre dann aber eine Reality Doku Soap.Wie kille ich 100 nervige Moderatoren/Juroren/Castingtrainer in 5 Episoden. Für die schönsten Kills wirst du natürlich bewertet und am Ende jedes Levels entscheidet eine Jury.P.S.: Fetter Online Mehrspielermodus natürlich inklusive.

The Dead Ishimura
20. Juni 2009 19:57

ja, oder Heidi Klum, oder Dieter Bohlen oder… 😀

captain carot
19. Juni 2009 23:17

Gute Geschichten ja, aber meist auch sehr einschlägig. Ich dachte eher an die ziemlich stereotypen Handlungsgrundstrukturen. Condemned ist da schon fast eine Ausnahme, wobei ich das nicht als klassischen Actiontitel sehe. Ansonsten lehnen sich Spiele wie Manhunt auch an Filme wie Running Man oder das Millionenspiel an, nur noch etwas böser.Die meisten Titel funktionieren aber auch ohne oder mit ganz anderer Story. Elementar für den Spielablauf ist sie selten. Man kann doch bei Shootern schon froh sein, wenn die Story so gut ins Spielgeschehen eingebunden ist wie bei FEAR, dass die Handlung auch noch entscheidend für den Spielablauf ist wie bei The Darkness hat wirklich Seltenheitswert. Bei Halo oder Killzone wiederrum ist die Handlung prinzipiell belanglos bis austauschbar. Klar, schafft ein wenig Atmo, aber herausragende Dramaturgie oder elementare Wendungen seh ich da keine.Im Zentrum steht die Story bei solchen Spielen aber eher selten, und wenn doch, ist das Endprodukt häufig wieder stark von RPG´s inspiriert. Siehe z.B. bei Stalker am PC.Die Handlung von Jump&Runs wiederrum ist eigentlich so gut wie immer recht belanglos. Die Jak Trilogie hat sich als Beispiel zwar auch entwickelt, das Grundgerüst ist aber ziemliche 08/15 Kost, die eher durch ein paar brauchbare Gags hervorsticht.Ich muss aber auch ganz ehrlich sagen, dass ich das absolut nicht schlimm finde. Seht es mal von der Bücherfront: So ziemlich jeder Militärthriller hat einen nahezu gleichen Grundaufbau, nur Setting und Charaktere variieren nennenswert.Die meisten Fantasyromane, von David Eddings bis Christopher Paolini folgen im Prinzip dem Konzept von Herr der Ringe, nur nicht so Detailversessen und dafür schneller und Actionreicher. Ausnahmen wie Die Sturmrufer von Nina Blazon (Jugendbuch aber wirklich gut) haben Seltenheitswert. Selbst der klassische deutsche ich bin ja so anspruchsvoll Bildungsroman a la Günther Grass oder Martin Walser folgt nur all zu oft festen Pfaden, wenn man den Aufbau besieht.Die Frage ist eben, welche Art von geschichte passt zu welcher Art von Spiel. Und ein Ego Seifenoper Shooter passt eben nicht, außer ich darf Mutter Beimer abknallen.

Transparenz Kubus
19. Juni 2009 19:23

Da muss ich dir leider widersprechen. Es gibt sehr viele nicht Adventures und RPG’s die trotzdem eine sehr sehr gute Geschichte bieten. Selbst “”Splatter”” Games wie Condemned oder Manhunt haben eine gute Geschichte.

captain carot
19. Juni 2009 18:56

Das hängt wohl vom Genre ab. Bei typischen Ego Shootern geht mehr Romanze al bei The Darkness wohl kaum, Adventures sind aber meist Krimi- oder Comedymäßig, vllt. Thriller oder Abenteuerseitig inspiriert.Dass wiederrum eine romantische Komödie jenseits eines Adventures sinnvoll wäre oder man aus einem RPG oder einem Ego-Titel ein großes Drama machen könnte, wage ich wiederrum zu bezweifeln.Casual-Games Mini- oder Simpelspiele brauchen wiederrum keine Handlung. Wer will schon bei Hexic, Plasma Pong und Co. eine Geschichte?Außerdem liegt im Film prinzipiell das Hauptaugenmerk auf der Story, in den meisten Spielegenres wiederrum ist die Story eher zusätzliches Verpackungsmaterial für´s Gameplay, Ausnahmen sehe ich da höchstens bei RPG´s und Adventures.Ein anderes Thema sind wieder die Settings. Da kommt in letzter Zeit mit Spielen wie BioShock, Mirror´s Edge oder Assassin´s Creed richtig Bewegung rein.

Napalus
19. Juni 2009 18:39

@Oliver SchultesIch kann deine Aussage nur bestätigen.Meistens sind es die einfachen Dinge die uns ewig im Gedächtnis bleiben.Wie etwa der erste Pilz bei Mario oder die erste Runde Tetris auf dem alten Gameboy.Diese Momente sind unbezahlbar.P.S:Schade das

Napalus
19. Juni 2009 18:36

Ich fände mal ein Open World Spiel aus Sicht eines Indianerstammes toll.Weniger mit ballern sondern eher den sozialen Aspekt des Lebens in einem Stamm sowie der tägliche Kampf um Nahrung usw.oderWie wäre es mit einer Simulation von besonderen Berufszweigen?Zum Beispiel als Psychologe?Damit könnte man lernen Menschen besser zu verstehen undgewisse Zeichen besser zu deuten.Es ist sehr schwer weil wir ja schon fast alles gesehen haben.Neue Impulse werden immer seltener werden.Ist bei Filmen jagenau so.Was wirklich überaschendes kommt ja nur alle paarJahre,aber Ich habe trotzdem Vertauen in die Programmierer.Vor allem in die japanischen.Die benutzen meiner Meinung nach etwas was wichtig ist.Phantasie.Die meisten westlichenProgrammierer verlassen sich auf immer das gleiche Schema.Die denken nur darüber nach das es sich verkauft und nicht das es Spass machen soll.