Mich beschleicht also der Verdacht, dass viele der Kritiker zu glauben scheinen, dass Warner ihnen zugunsten von Lego City Undercover nun ein “richtiges” neues Switch-Spiel vorenthält. Natürlich wissen weder die noch ich mit Gewissheit, ob dem so ist oder nicht, aber es erscheint mir doch hochgradig unwahrscheinlich: Vielmehr ist die Switch-Neuauflage meiner Auffassung nach einfach ein praktisches Nebenprodukt, das es ohne die aus kommerziellem Standpunkt sicher viel potenteren PS4- und Xbox-One-Versionen erst gar nicht geben würde. Und ob freie Entwickler-Ressourcen tatsächlich für ein ganz frisches, womöglich sogar exklusives Spiel auf einer Konsole ohne garantierte große Kundenbasis investiert worden wären? Das wage ich eher zu bezweifeln.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es total egal ist, ob und wie viel Recycling gerade für Switch betrieben wird, solange nur ein Aspekt nicht vernachlässigt wird: Es muss auch genug neue Nintendo-Spiele geben! Und damit meine ich nicht einmal zwingend frische Konzepte oder Marken (auch wenn die nicht schaden würden). Einfach öfter als alle paar Jahre ein neues Mario Kart und nicht gefühlt nur ein richtiges Zelda pro Dekade, das wäre doch nicht verwerflich oder automatisch schlecht, oder?
Dass Zocker und Mainstream-Publikum es durchaus verkraften, wenn regelmäßig Nachschub am Start ist, zeigen doch Serien wie FIFA und Call of Duty wieso soll das mit Nintendos Stars nicht auch machbar sein, ohne dass sofort Verschleißerscheinungen eintreten? Und zur Not täte es ja auch mal ein “richtiges” Pokémon-Rollenspiel auf der Konsole (was gerüchteweise ja zu passieren scheint) und die Wiederbelebung hauseigener Helden, auf die Fans schon so lange hoffen (siehe Metroid als Musterbeispiel).
Der große Reiz von Nintendo liegt aus meiner Sicht nun mal darin, dass der Mario-Konzern zu einem anderen Takt marschiert als Sony und Microsoft, die sich bis auf ein paar Exklusivtitel doch in der Ausrichtung immer mehr ähneln.
Darum hoffe ich, dass uns Mitte Januar reichlich positive Nachrichten in Sachen Originalität erwarten und wenn dann zusätzlich auch ein paar Recycling-Titel im Sortiment anstehen: und wenn schon?!