Da ist sie nun also, die Xbox One S, die erste Konsole, die Spiele in 4K-Auflösung und HDR (HDR-10, nicht Dolby Vision) an einen geeigneten Fernseher oder Beamer schicken kann. Nicht nativ (das wird erst Ende 2017 mit Project Scorpio der Fall sein), aber immerhin hochskaliert. Ob sich daraus wirklich ein besseres Bild ableitet, als wenn das 4K-Hochskalieren der TV erledigt oder schlicht auf einem Full-HD-Gerät gedaddelt wird, lest Ihr in unserem Special zur neuen Microsoft-Konsole.
Ich möchte an dieser Stelle stattdessen den 4K-Hype-Train ein bisschen bremsen mit ein paar unbequemen Fakten aus unserer audiovision-Schwesterredaktion. Denn mit der Anschaffung eines teuren UHD-Fernsehers und einer relativ preiswerten Xbox One S ist es noch nicht getan. Wenn Ihr Unterschiede zwischen Full HD (1080p) und UHD (2160p) sehen wollt, müsst Ihr ran an den TV-Speck. Bei einer Bildschirmdiagonale von 55 Zoll sind das nur etwa 1,5 Meter! Seid Ihr mit Eurem Zockersofa weiter weg vom Geschehen, registrieren Eure Augen schlicht keine Differenz mehr zu einem Full-HD-Gerät die genauen Größen-/Entfernungsgrenzen bei Testbildern seht Ihr in den Diagrammen; für “reale” Bildmotive gelten etwas geringere Distanzen.

Ich kann nur für meinen Bekanntenkreis sprechen, aber ich kenne niemanden, der das Wohnzimmer so massiv umgestalten könnte beziehungsweise dürfte (Stichwort: bessere Hälfte!). Für diese Klientel gibt es entsprechend nur eine Lösung: die Anschaffung eines Riesen-TVs mit einer Diagonale jenseits der 80-Zoll-Marke, der ein Riesenbudget voraussetzt.
Ebenfalls gebe ich zu Bedenken, dass HDR (High Dynamic Range verbessert vereinfacht gesagt die Farbwiedergabe) bei Filmen zwar deutlich sichtbare Vorteile bringt Filme spielen schließlich großteils in realen Umgebungen, und damit kennen wir uns instinktiv aus. Games zeigen aber fiktive Landschaften, auch wenn sie mitunter versuchen, die Realität nachzubilden. Mangels eigener Erfahrung (das erste HDR-Spiel Forza Horizon 3 erscheint erst am 27. September) muss ich mich jetzt aus dem Fenster lehnen: Ich glaube, der HDR-Effekt wird den meisten Usern entgehen respektive sogar egal sein, im Sinne von “Oh, bei diesem Fantasy-Spiel wurde aber kräftig in den Farbtopf gegriffen”.
Meines Erachtens bringt (hochskaliertes) 4K-Gaming unser Hobby nur marginal voran wenn überhaupt. Ich lasse mich nächstes Jahr von Project Scorpio aber gern vom Gegenteil überzeugen.