Man möchte dem hünenhaften Helden Blazkowicz beruhigend den Kopf tätscheln, als er zu Beginn von The Old Blood seine Hoffnung äußert, den Krieg der Nazis (pardon, des Regimes!) gegen die Welt durch eine Spionage-Aktion in Burg Wolfenstein beenden zu können. Weiß der The New Order-Spieler doch, dass B.J.s Prognose nicht eintreffen wird. Trotz dieses Vorwissens lohnt der achtstündige Trip durch die Naziburg, das (lustigerweise in den Alpen liegenden) Paderborn und das mittelalterliche Wulfburg. Denn MachineGames zeigen für ein paar Euro ihr Können in Sachen knackige Ego-Shooter-Schlachten.
Die deftigen Solo-Schießereien heben The Old Blood von den routiniert-blassen Kampagnen eines Call of Duty oder Battlefield ab. Das Waffenarsenal reicht vom Wurfmesser über die (abgesägte) Schrotflinte bis zur Raketenpistole und bietet damit für Schleichfans und Brutalos immer genau das richtige Werkzeug gerne auch im Akimbo-Stil mit zwei Ballermännern gleichzeitig. Dazu gesellt sich Blazkowicz neuer bester Freund, ein Heizungsrohr. Das eignet sich nicht nur als Nahkampfwaffe, sondern auch als Hebel für Türen und Luken, als Seilrutsche und als Steigeisen für erkletterbare, brüchige Wände. Aufmerksame Spieler verschaffen sich damit bessere Schusspositionen und entdecken Geheimräume mit reichlich Sammelkram, Munition, Heilpaketen und Panzerung wie in The New Order regeneriert sich Blazkowicz nicht selbst.
Schnitte & Technik
So gerüstet geht es in den Kampf gegen die Weltkriegs-Nazischergen. Die haben im Vergleich zum Hauptspiel ein paar neue Truppengattungen in der Kaserne: Orange gekleidete Schrotflintenschützen sind besonders am Rücken verwundbar, dazu gesellen sich neben tumben Zombies zwei Varianten der kolossalen Maschinensoldaten: Die eine bezieht ihren Strom wie eine Straßenbahn aus einer Oberleitung findet den Generator, schaltet den Saft ab und hebelt den Kerl von hinten mit dem Rohr auf! Die andere trägt ihre Energiequelle auf dem Rücken und muss betäubt und dann von vorne angegangen werden.
Dank wechselnder Szenarien, in denen mal ohne Waffen geschlichen und mal volles Rohr geballert werden muss, kommt keine Langeweile auf. Story und Charaktere sind im Gegensatz zu TNO seicht und schnell vergessen. Das gleiche gilt leider für die Schauplätze, die weniger Abwechslung und Überraschung bieten als im großen Bruder. Die saubere Optik ist hingegen auf dem gleichen guten Level. An den mäßigen Waffengeräuschen wurde dummerweise nichts verändert, die deutschen Stimmen klingen gut.
Nach dem Abspann tobt Ihr Euch in den Herausforderungslevels aus. Das sind Abschnitte aus der Kampagne, die Ihr auf Zeit durchackert und in denen es Punkte für Abschüsse und Killserien gibt. euren Highscore vergleicht Ihr natürlich online. Retro-Fans freuen sich über acht versteckte Wolfenstein 3D Passagen, die Ihr erlebt, in dem Ihr auf den verborgenen Matratzen in jeder Mission niedersinkt.
Schnitte & Technik
Schnittbericht:
Wie üblich gibt es in der USK-Version keine Hakenkreuze, statt von Nazis und dem Führer ist von den Wölfen und dem Regime die Rede. Die Gewalt ist auch bei uns ungeschnitten und damit heftig, Glieder und Köpfe fliegen reichlich durch die Gegend. Englische Sprachausgabe und Text fehlen hingegen dummerweise, Ihr spielt stets auf deutsch, was der Atmosphäre schadet.
Technik-Vergleich:
Auf welcher Konsole Ihr The Old Blood zockt, ist fast egal: Beide Versionen laufen mit 1080p und fast durchgängigen 60 Bildern pro Sekunde. Schattenkanten sind auf Xbox One einen Tick gröber, ansonsten bietet keine Plattform gravierende Vorteile oder Mängel.
Schnitte & Technik
Tobias Kujawa meint: Ich mochte The New Order sehr, daher kommt mir der Nachschlag in Form von The Old Blood gerade recht. Das Stand-alone-Prequel macht einen guten Job, um acht Stunden zu unterhalten, fällt aber wegen fehlender erinnerungswürdiger Höhepunkte hinter der Qualität des großen Bruders zurück. Durch Burg Wolfenstein streift Blazkowicz viel zu kurz, die unvermeidlichen Nazi-Zombies sind anspruchsloses Kanonenfutter und schon in TNO mochte ich den Zweiter-Weltkrieg-Level weniger als alle folgenden Szenarien. Ausdrücklich loben möchte ich hingegen die wieder knackigen Gefechte und die zahlreichen versteckten Easter Eggs. Ich habe Anspielungen auf Skyrim, Quake III Arena, Doom und natürlich die alten Wolfenstein-Teile entdeckt. Wer bietet mehr?
Schnitte & Technik
- einzelne Levelabschnitte auf Zeit mit Highscores spielbar
- acht versteckte Wolfenstein 3D-Level
- Mini-Entscheidung nach 2/3 des Spiels mit minimalen Auswirkungen
Schnitte & Technik Meinung
Kernige Ego-Shooter-Action für kleines Geld, die mit saftigen Ballereien und zahlreichen Anspielungen auf die Seriengeschichte überzeugt.
| Singleplayer |  | 80 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |