Heute vor 30 Jahren begann der endgültige Aufstieg eines Klempners mit Schnauzbart zum Videospiel-Superstar: Am 13. September 1985 erschien Super Mario Bros. in Japan für das NES. Dieses Jubiläum nehmen wir zum Anlass für eine herzliche Gratulation und eine Rückschau auf Marios Karriere – ursprünglich erschienen erstmals als Liebeserklärung in der M! 05/12.
Entstehung:
JumpnRun-Superstar Mario wird von Shigeru Miyamoto 1981 entworfen – für das Arcade-Spiel Donkey Kong. Miyamoto beklagt zu jener Zeit, dass menschliche Figuren in Spielen wegen realistisch kleiner Köpfe wie Streichhölzer aussehen. Also macht er die Rübe seiner 16 x 16 Pixel großen Spielfigur überproportional groß, unter die knollige Nase kommt ein Schnurrbart, so spart sich Miyamoto den Mund – jeder Pixel zählt. Seinen Overall erhält Mario, weil Miyamoto die Laufanimation auch durch das Bewegen der Arme verdeutlichen will. Also muss ein Outfit her, bei dem sich die Farbe der Arme vom Rest des Oberkörpers unterscheidet. Weil die Figur nun wie ein Handwerker aussieht und Donkey Kong auf einer Baustelle spielt, wird Mario zum Zimmermann erklärt. Doch damals heißt er noch nicht Mario: Zunächst trägt er intern den Namen Ossan – was übersetzt Mann in mittleren Jahren bedeutet. Dann will ihn Miyamoto Mr. Video nennen – weil er schon damals den Plan verfolgt, die Figur in seinen künftigen Videospielen zu verwenden. Als er jedoch das Donkey Kong-Konzept – den Charakter nur per Joystick zu steuern – verwirft, den Sprungknopf einführt und das Hüpfen zum Kern-Element erhebt, wird aus Mr. Video der Jumpman. Seinen finalen Namen erhält die Figur auf Wunsch von Nintendo of America. Dort ist man der Ansicht, dass Jumpman zu Werbezwecken einen echten Namen braucht: Mario.
Evolution:
Noch vor seinem Super-Debüt wird Mario 1983 Bruder Luigi zur Seite gestellt, für die beiden geht es mit Mario Bros. in die Kanalisation – der Zimmermann wird Klempner. Im Dezember 1984 beginnt Miyamoto, seine Vision eines scrollenden Hüpfspiels mit Mario umzusetzen: Super Mario Bros. entsteht. Miyamoto und Takashi Tezuka experimentieren mit einem Quadrat als Spielfigur, zeichnen alle Levels von Hand, fügen Blöcke ein und platzieren Feinde. Frühe Skizzen zeigen, dass Miyamoto neben der Sprungtaste an einen Attack-Knopf denkt – Mario soll sogar eine Beam Gun abfeuern und durch die Wolken fliegen. Technisch profitiert Super Mario Bros. von den Errungenschaften voriger Nintendo-Spiele, z.B. der Scrolling-Technologie aus Excitebike. Nach dem Mega-Erfolg des Erstlings glaubt Nintendo, dass der Nachfolger Super Mario Bros. 2 für den Westen zu schwer sei und baut das JumpnRun Yume Kojo: Doki Doki Panic zum West-Super Mario Bros. 2 um. Es folgen qualitativ meist herausragende Hüpfspiele, die ständig neue Elemente einfügen (z.B. Oberwelt, Yoshi). 1996 gelingt der perfekte Sprung in die dritte Dimension. Ab 2006 erhöht Big N die Schlagzahl: Auf dem DS besinnt sich Mario seiner 2D-Wurzeln, auf Wii tun sich neue Spielspaß-Galaxien auf – zudem wird Miyamotos Traum eines Mehrspieler-Hüpfers endlich wahr.