Spricht man heute über große Rollenspiele der 16-Bit-Zeit, kommt die Rede meist auf berühmte SNES-Abenteuer wie Final Fantasy VI, Chrono Trigger, Dragon Quest V oder auch mal Breath of Fire. Gerne wird dabei vergessen, dass auch Segas Mega Drive eine Menge für Anhänger von rundenbasierten Kämpfen und Erfahrungspunkten bot. Vor allem die beiden nur in Japan und den USA für das Mega-CD-Add-on erschienenen Lunar-Episoden aus dem Hause Game Arts gehören zum Besten, was das Genre damals hervorbrachte.
An denen orientiert sich auch Pier Solar, das zuerst als Fanprojekt auf Mega-Drive-Modul erschien. Über eine Kickstarter-Kampagne wurde später die HD-Umsetzung für moderne Konsolen finanziert, die grafisch ungewöhnliche Wege geht: Die Hintergründe und Monster in Auflösung des Mega-Drive-Spiels (320 x 240 Pixel) werden auf Wunsch durch detaillierte, hochauflösende Szenarien und Untiere ersetzt die pixeligen Sprites bleiben dagegen erhalten, werden auf Wunsch aber per Filter weichgezeichnet. Inhaltlich bekommt Ihr klassische J-RPG-Kost: naiver Jung-Held, rothaariges Mädchen mit mysteriöser Herkunft und noch mysteriöseren Fähigkeiten, junger Sidekick mit Basteltalent, erste Abenteuer, Verlassen des Heimatortes,…
Zuverlässig hakt Pier Solar all diese Punkte ab, unterhält dabei aber trotzdem das Retro-Rollenspiel ist weniger eine Kopie als eine liebevolle Hommage an Klassiker. Das rundenbasierte Kampfsystem kommt vor allem grafisch klassisch rüber, bringt aber ein paar frische Ideen mit: Gegner sind entweder auf dem Boden oder in Luft in letzterem Zustand können sie nur von Fernkämpfern effektiv angegriffen werden. Auch bei der Magie-Handhabe geht das Spiel eigene Wege: Viele effektive Zaubersprüche sind erst verfügbar, wenn die Figuren ihre magische Energie aufgeladen haben. Das bringt Taktik in die Bosskämpfe, zieht aber Gefechte gegen normale Feinde in die Länge.
Während Pier Solar auf der PS4 flott und sauber läuft, ärgert Euch die PS3-Fassung mit gelegentlichem Stocken.
Thomas Nickel meint: Wo andere Spiele versuchen, eine möglichst breite Zielgruppe abzuholen, schießt sich Pier Solar auf sehr spezielles Publikum ein. Das ist hier aber eine gute Sache liefert Entwickler Watermelon doch ein Spiel ab, das zwar Ecken und Kanten hat, unter dem Strich aber das bietet, was Freunde 16-bittiger Rollenspiel-Kost schätzen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob die HD-Überarbeitung wirklich nötig war: Oft wirken die hochauflösenden Grafiken etwas dunkel und unübersichtlich, weshalb man gerne immer wieder zur pixeligen Mega-Drive-Optik wechselt und dann auch mal bei dieser bleibt. Auch Kampfsystem und Skript haben ein paar Schwächen: Nicht jeder Scherz zündet, nicht jede Figur kann überzeugen und nicht jede eigene Spielidee funktioniert. Trotzdem merkt man, dass die Entwickler mit viel Herzblut bei der Sache waren, diese Begeisterung überträgt sich auch auf den Spieler. Pier Solar ist darum nicht für jedermann geeignet aber wenn es Euren Nerv tatsächlich trifft, dann geht es richtig ab…
Ambitioniertes Retro-Rollenspiel für Fans der Mega-Drive-Ära.
| Singleplayer |  | 7 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |