“Crunch”-Time: Dieses Wort kann man mit dem deutschen, etwas Amtsstubenhaften “Überstunden” übersetzen – doch der englische Begriff trifft den Sachverhalt sehr viel besser: Als Verb meint “to crunch” “knirschen” oder “zermalmen”, als Nomen kann’s als “Krise” übersetzt werden. Gemeint sind die Überstunden kurz vor Fertigstellung eines Projekts, wenn man bis tief in die Nacht arbeiten muss, um die Deadline einzuhalten – und das über Wochen (oder gar Monate) hinweg.
Das dies auf Dauer nicht gesund ist – für die Psyche wie auch der Physis – ist bekannt; Kaum ein Tag, an dem in den Medien nicht über Folgen wie Burnout durch Stress am Arbeitsplatz berichtet wird.
Auch die Spielebranche ist berühmt-berüchtigt für ihre Crunch-Time: Ein Spiel muss termingerecht fertig werden, der Druck von Publishern und Händlern auf die Entwickler ist gewaltig, jede Verzögerung kann enorme Summen kosten. Dann gibt’s noch die Konkurrenz von anderen Herstellern. Und ja, auch wir Spieler wollen natürlich ein heißersehntes Spiel möglichst schnell in Händen halten…
Doch wie begegnet man der Crunch-Time? Wer drin steckt, hasst sie; Die einen sehen darin schlicht Missmanagement; Dann gibt es solche, die darin ein notwendiges Übel der Spieleindustrie sehen. Und dann gibt es noch diejenigen, welche die Crunch-Time als Beweis und Sinnbild dafür sehen, dass man mit “Leidenschaft” (hier kommt die eigentliche Bedeutung des Wortes mal wieder klar zum Vorschein) bei der Sache ist.
Zu Letzteren zählt sich auch die deutsche Spieleschmiede Crytek, wie der folgende Tweet beweist:
By the time #Ryse ships for #XboxOne, we will have served the crunching team more than 11,500 dinners throughout development. #RyseFacts
— Ryse: Son of Rome (@RyseGame) October 15, 2013
- “The divorce of my parents eventually led me to a life of crime but, man, that launch game was REALLY polished.”
- “#RyseFacts Facilitate the subjugation of countless peoples and the rise of Western European genocide, imperialism, and slavery”
- “You have to perform a QTE to eat dinner during crunch.”
- #RyseFacts: Devs say that when #Ryse ships it will be like watching a baby be born, which they missed because they were crunching on #Ryse
- #RyseFacts Stockholm syndrome can take many fun forms, like being proud of working 120 hours a week on QTE sequences.
Das trifft’s sehr gut – mit Überstunden werben als Marketinginstrument:
- “Great to see our overtime as a marketing achievement. Disgusting. #RyseFacts”
Genial: