Spiele im zweidimensionalen Gewand begegnen uns dieser Tage immer seltener. 3D-Grafik regiert die Gameswelt und lässt der klassisch-flachen Optik scheinbar immer weniger Lebensraum. Das gilt auch für das Genre der Rollenspiele. Child of Light jedoch schert sich nicht um vermeintliche Konventionen, sondern verzaubert auf eine beinahe vergessene Art und Weise: mit zugänglicher Spielbarkeit, sanften Klavier-Klängen und einem grandiosen Grafikstil in 2D.
Child of Light ist ein spielbares Aquarell, eine Malerei in Bewegung. Die Ubi Art Engine zeigte bereits in den letzten beiden Rayman-Spielen ihre Stärken, doch nun vollbringt sie ihr Meisterstück. Die Komposition der Farben ist geradezu kunstvoll, denn warme wie kalte Töne erzeugen hier eine einzigartige bildliche Ästhetik. Hintergründe, Gebäude und Spielfiguren scheinen mit Wasserfarben gemalt und nicht am Computer entstanden zu sein.
Das Königreich Lemuria steckt in der Krise. Die böse Hexe Umbra hat dem Land Sonne, Mond und Sterne gestohlen. Aurora, der jungen Prinzessin von Lemuria, fällt die Aufgabe zu, die Gestirne und damit den Frieden zurückzubringen. Doch Aurora muss nicht alleine kämpfen, denn früh in der Geschichte trifft sie auf den Glühwurm Igniculus. Dieser ist fortan ihr ständiger Begleiter und ein wichtiges Spielelement.
Child of Light steht in der Tradition klassischer japanischer Rollenspiele. Mit Eurer zweiköpfigen Party geht es in rundenbasierten Kämpfen gegen maximal drei Feinde zugleich eine Zeitleiste zeigt an, wann welcher Teilnehmer am Zug ist. Ihr wählt Euer Vorgehen aus physischen Angriffen und Zaubern, mit Items füllt Ihr Magievorrat oder Lebensenergie. Eine besondere Rolle kommt dabei Igniculus zu: Der Glühwurm kann Gegner blenden und somit deren Fortschritt auf der Zeitleiste verlangsamen. Bei geschicktem Einsatz ermöglicht Ihr Eurer Party so, vorher anzugreifen und den Feind auf der Zeitleiste zurückzuwerfen.
Außerdem sammelt Igniculus in und außerhalb der Kämpfe Orbs, die Magie und Energie der Gruppe wieder auffüllen, darüber hinaus kann er die Party heilen. Seine Kräfte sind allerdings begrenzt entsprechende Orbs laden Igniculus Energie ebenso wieder auf wie eine Ruhepause. Gesteuert wird das helle Kerlchen jederzeit frei mittels rechtem Stick, wahlweise nutzt Ihr dafür auf der PS4 das Touchpad. Im Koop-Modus lenkt ein zweiter Spieler die Geschicke des Lichtkegels.
Die visuelle Pracht unterstreicht das Spiel mit sprachlicher Finesse: Alle Dialoge verlaufen in Reimform. Das passt zur verträumten Geschichte, wirkt nur manchmal bemüht. Viel Text erwartet Euch jedoch nicht, obwohl Aurora immer wieder auf Bewohner Lemurias trifft. Einige davon schließen sich Euch an: Zur Party stoßen unter anderem Clown Rubella, der ängstliche Finn sowie Magierin Gen. Jeder Charakter hat seine persönlichen Gründe, Aurora zu begleiten und bringt ganz unterschiedliche Fähigkeiten mit in die Kämpfe. Rubella etwa ist aufs Heilen festgelegt, Finn dagegen nutzt Elementarzauber für den Angriff. Die gewonnenen Erfahrungspunkte investiert Ihr auf Talentbäumen in mehr Lebenspunkte, erhöhte Kraft oder neue Fähigkeiten. Rüstungen oder Waffen findet Ihr dagegen nicht, stattdessen nutzt Ihr verschiedene Edelsteine zur Optimierung von Angriff, Abwehr und Rüstung Eurer Figuren.
Neben der eigentlichen Story erfüllt Ihr Nebenaufträge, die Euch mit allerlei Items belohnen. Weitere Extras warten in den zahlreichen Schatztruhen, die über ganz Lemuria verstreut sind.
Auf Casual fordert das Spiel nicht, Profis wählen direkt Hardcore. Einmaliges Durchspielen schaltet New Game + mit stärkeren Gegnern frei.
Sascha Göddenhoff meint: Das Kind des Lichts bringt mich zum Strahlen, denn schöner konnt man es kaum malen. Alles kommt einem Gemälde gleich, vom weiten Himmel bis zum kleinen Teich. Ich suche hier und schaue dort, gibts in Lemuria doch manchen Ort. Aber wie so oft ist es auch hier: Nebst Optik wartet Kampfgewirr. Das ist ganz klassisch Rollenspiel, mit Tränken, Zaubern und Angriff viel. Mein liebster Kniff in dieser Welt ist aber Igniculus, der kleine Held. Er hat so einige Talente: Er blendet Gegner und fliegt durch Wände. Zusammen mit illustrer Gefolgschaft ward mir die Reise leicht gemacht. Nein, schwer geriet die Bürde nicht, total entspannt blieb mein Gesicht. Dennoch hat Lemuria mich echt berührt, einmal ward fast zur Träne ich gerührt. Drum lautet am Ende das Ergebnis: Das Kind des Lichts war ein Erlebnis!
Thomas Stuchlik meint: Die Reise der kleinen Aurora verzaubert Euch von der ersten Minute an. Auf ihrem Weg offenbart sich eine stimmige Märchenwelt in 2D, die Jung und Alt begeistern sollte. Vor allem der gelungene Zeichenstil und der verträumte Piano-Soundtrack mit Ohrwurmgarantie begleiten Euer Abenteuer und fesseln Euch. Die netten Rundenkämpfe stellen Euch kaum vor Herausforderungen es sei denn, Ihr beginnt gleich auf der hohen Schwierigkeitsstufe. Trotz individueller Fähigkeitenbäume Eurer Mitstreiter wirken die RPG-Elemente recht oberflächlich. Zudem sind die Spielgebiete klein ausgefallen, hier hätte ich mir noch mehr Höhlen, Dörfer und Geheimnisse versprochen. Dennoch bleibt das Gefühl, etwas Einmaliges erlebt zu haben.
Zugängliches, klassisches RPG mit wunderhübscher Inszenierung.
| Singleplayer |  | 9 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |