Ungläubig reiben sich Zelda-Fans vor elf Jahren die Augen, als Nintendo auf der E3 2002 The Wind Waker enthüllt. Link morpht erstmals zum glubschäugigen Charakter mit Stummelfüßen, der durch Cel-Shading-Kulissen stapft. Trotz anfänglicher Skepsis überzeugt der hierzulande 2003 erscheinende GameCube-Titel durchweg, auch wenn so manchen die langen Schifffahrten langweilen. Nun peppt Nintendo das Abenteuer für ihre darbende Wii U mit HD-Grafik auf. Lohnt sich die erneute Kreuzfahrt?
Trotz frischen Grafikgewands hält sich Wind Waker HD streng ans Original: Link erhält zu Beginn sein markantes Outfit und zieht aus seiner Heimat los ins Abenteuer. Doch diesmal ist es etwas Persönliches, schließlich wurde seine Schwester Aril entführt. Um die Meere der Spielwelt zu bereisen, greift er auf ein neues Transportmittel zurück ein hochseetaugliches Segelboot mit Persönlichkeit. Der plappernde Kahn geleitet Euch treu durchs gesamte Abenteuer. Der riesige Ozean unterteilt sich in sieben mal sieben Planquadrate. Auf den Inseln dieser 49 Gebiete verteilen sich Ansiedlungen, Dungeons, Feenquellen und versteckte Kisten. Überall gibt es etwas zu entdecken und mit dem richtigen Futter kartografieren Euch die ansässigen Neptunos-Fische den aktuellen Quadranten und geben Tipps.
Doch die See ist nicht ungefährlich, denn immer wieder lauern Euch Haie, Kanonenboote und Riesenkraken auf. Sobald Link über eine Bombentasche verfügt, knallt er Feinden mit der Bordkanone eins vor den Bug vor allem praktisch bei Piratenfestungen. Versunkene Kisten bergt Ihr mit dem Schiffskran, sobald die korrekte Stelle dank Schatzkarte lokalisiert ist. Der Lohn ist nicht nur ein gefüllter Geldbeutel, sondern auch das ein oder andere Herzteil. Angesichts der maritimen Ausrichtung des Spiels scheint es verwunderlich, dass Link nicht tauchen und nur begrenzte Zeit schwimmen kann.
Ein wenig mager fällt bei Wind Waker die Dungeonanzahl aus nur sechs klassische Labyrinthe erwarten den Helden. Dennoch fordern die Areale mit ihren zahlreichen Räumen wieder Grips und Geschick. Ihr springt geschickt von Plattform zu Plattform und hangelt Euch an Seilen entlang. Ebenso attackiert Ihr mittels serientypischer Zielautomatik massig vorhandene Gegner mit Schwert und Schild. Kämpfe fallen deutlich simpler aus als bei Twilight Princess und Skyward Sword auch dank fehlender Bewegungssteuerung. Bei kleinen Gegnern reicht oft schnelles Tastenhämmern. Ein größeres Hindernis bilden z.B. gepanzerte Ritter oder agilere Piraten. Doch mit ein wenig Ausweicharbeit oder Fernwaffen kommt Ihr diesen schnell bei.
Selbst Bossgegner sind weniger anspruchsvoll als bei anderen Teilen. Habt Ihr einmal deren Schwachpunkt entdeckt, haben die übergroßen Dungeonwächter nur noch eine geringe Lebenserwartung. Zur Belohnung stockt Link seine Ausrüstung auf verschiedenste Weise auf: Gleich nach Spielbeginn verfügt er über den Taktstock des Windes, dessen Lieder nicht nur die Windrichtung bestimmen, sondern z.B. später außerdem dazu dienen, Steinstatuen zu steuern. Ebenso nutzt Ihr Wirbelstürme als Teleporter, um die Seewege zu verkürzen.
In puncto Waffen steht neben Bomben, Hammer und Bogen auch ein Bumerang bereit. Dieser eignet sich zum Fernangriff ebenso wie zum Durchtrennen von Pflanzenstielen. Das Deku-Blatt nutzt Ihr ebenfalls für verschiedenste Zwecke: Zum einen fächert Ihr Wind, um entfernte Schalter zu aktivieren oder Gegner wegzupusten. Außerdem schwebt Link damit über Abgründe hinweg, indem er es wie einen Fallschirm nutzt. Nicht zuletzt kauft Ihr Euch Futter, um Tiere anzulocken oder sogar kurzzeitig in die Haut von Möwen zu schlüpfen. Von Gegnern erbeutete Federn, Halsketten und Schleimtropfen eignen sich übrigens bestens als Tauschgut. Mit dem Fotoapparat knipst Ihr schließlich Bilder für das Miiverse in Form einer Flaschenpost.
In Sachen Spielinhalt gleicht die HD-Version der Vorlage. Es gibt leider keine zusätzlichen Inhalte oder Geheimnisse. Allerdings punktet die Umsetzung mit sauberer Comic-Optik in 1080p-Auflösung, verbesserten Schatten und passenden Blooming-Effekten. Auch dank handgemalter Hintergründe wirkt die Grafikkulisse selbst nach zehn Jahren immer noch erfrischend anders. Der Wechsel von Tag zu Nacht ist stimmungsvoll, Wetterumschwünge und Gewitter auf hoher See sind schick inszeniert. Etwas unschön fallen nur kleinere Pop-Ups entfernter Objekte am Horizont auf. Neu auf der Wii U ist der zuschaltbare Helden-Modus, bei dem Gegner doppelten Schaden austeilen und Ihr keine Lebensenergie mehr aus Töpfen erhaltet. Zudem gibt es ein neuartiges Siebenmeilen-Segel im Auktionshaus von Port Monee, mit dem Ihr unabhängig von der Windrichtung schneller reist. Schließlich hat Nintendo die langatmige Triforce-Suche in der zweiten Spielhälfte ein wenig verkürzt, denn hier ist nicht immer die Hilfe des Rätsellösers Tingle vonnöten. Die Steuerung ist vorzüglich an das GamePad angepasst: Ihr greift schnell auf Karte und Inventar zu, ohne das Spiel zu pausieren. Serientypisch belegt Ihr Aktionstasten frei mit Gegenständen. Alternativ nutzt Ihr den Touchscreen, um ohne TV zu spielen. Oder Ihr greift gleich zum Pro Controller.
Thomas Stuchlik meint: Im Vergleich zu seinen Nachfahren zieht Wind Waker klar den Kürzeren. Die Seeabenteuer sind simpler seien es Kämpfe, Dungeons oder Rätsel und eignen sich deshalb auch prima für jüngere Semester. Gleichzeitig setzt das Spiel das erfolgreiche Zelda-Rezept perfekt um und sorgt für anhaltenden Spielspaß bis zur letzten Spielminute. Die wenigen Kerker sind durchdacht und logisch aufgebaut. Einige Fans bemängeln teils zu Recht die langatmigen Segelfahrten, allerdings verleihen diese der Welt erst ihre wahre Größe. Schade, dass es immer noch keine Sprachausgabe gibt, denn selbst Links aberwitzige Mimiken fangen diesen Mangel nicht auf. Dennoch ist das Spiel für Wii-U-Besitzer ein Muss für Kenner der Vorlage gibt es spielerisch allerdings nichts Neues.
Thomas Nickel meint: Kaum zu glauben, dass es inzwischen elf Jahre her ist, seit ich mit Link den weiten Ozean erforscht habe. Für mich fühlt sich Wind Waker immer noch enorm frisch und unverbraucht an. Die Welt steckt voller Geheimnisse, die Kämpfe sind für mich mit die forderndsten der ganzen Seriengeschichte, noch dazu wetzt Nintendo die kleinen Scharten im Spieldesign des Originals konsequent aus. Und dann sind da die fantastischen Farben die strahlen im HD-Remake gleich noch einmal so hell. Überhaupt sieht man dem Spiel in seinen superscharfen 1080p nur ganz selten mal sein Alter an. Am meisten freut mich aber, dass Nintendo den großen Erklärbär hier mal im Käfig gelassen hat. Gerade im Vergleich zu moderner Kost wie dem letzten Mario & Luigi hält sich Wind Waker mit Tutorials und endlosen Erklärungen aufs Angenehmste zurück. So kann das Nintendo auch bei den nächsten großen Wii-U-Spielen gerne wieder handhaben.
- Spielschwerpunkt auf Segelfahrten
- große Meerumgebung mit 49 Gebieten und vielen Geheimnissen
- motivierende Dungeonarchitektur
- durchdachter Einsatz des GamePads
Link begeistert in seinem neu aufgelegten Cel-Shading-Abenteuer mit großer Welt, motivierender Spielmechanik und perfekter Steuerung.
| Singleplayer |  | 92 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |