Hitman: Absolution löst sich gleich in mehrfacher Hinsicht von seinen Vorgängern, die seit 2000 eingefleischte Fans mit kreativen, schwarzhumorigen Mordmöglichkeiten und spannenden Geschichten unterhalten. Der fünfte Teil der Schleichspielreihe über den geklonten Agenten 47 erfordert erfreulicherweise nicht nur keine Vorkenntnis früherer Episoden, er ist auch spürbar zugänglicher konstruiert, sodass selbst Serien- und Schleichneulinge behutsam eingeführt werden, ohne unterm Strich ein anspruchsloses oder allzu simples Spiel zu bestreiten. Fünf Schwierigkeitsstufen variieren die Anzahl der Gegner, ihre Aufmerksamkeit und Positionierung sowie die Fülle an Hilfestellungen für den Spieler, was folglich mit zunehmender Übung und neuen Spieldurchläufen immer andere Erfahrungen ermöglicht.
Hitman: Absolution ist durch und durch auf Wiederspielwert getrimmt: In jedem der 20 Kapitel lassen sich verschiedenste Vorgehensweisen entdecken, dabei wollen jede Menge Gespräche von Wachleuten und Zivilisten aufgespürt und genossen werden. Verschiedene Spielstile, Verkleidungen, Waffen, Objekte und mehr versammeln sich in einer abschließenden Levelstatistik Spieler mit Komplettierungsdrang scharren hier mit den Hufen und betätigen alsbald den Kapitelneustart!
Ergänzend zum 10- bis 15-stündigen Story-Part beinhaltet Hitman: Absolution einen Zugangscode für den Aufträge-Modus. Dahinter verbirgt sich die clevere Idee, Spielern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie eigene Herausforderungen erstellen bzw. spielen können. Das funktioniert erstaunlich simpel, verspricht aber motivierende Aufträge. Ihr müsst lediglich einen der 20 Abschnitte so spielen, wie Ihr möchtet, sie müssen nicht einmal erst im Story-Teil freigeschaltet werden. Legt dabei bis zu drei Ziele im Gebiet fest und erledigt sie nach eigenem Gusto. Abschließend gibt es dafür Geld und Belohnung. Wer den so erstellten Auftrag herunterlädt, muss Bestzeit und Belohnung des Urhebers schlagen. Weil sich obendrein mit dem verdienten Geld neue Ausrüstung aus dem Hauptspiel beschaffen lässt, tun sich immer exotischere Möglichkeiten auf.
Die Geschichte von Absolution bietet zwar nicht allzu viel Tiefgang, wird aber toll erzählt und erfüllt ihren Zweck: Sie schreckt Neulinge nicht ab, motiviert zum Weiterspielen und verknüpft die verschiedenen Schauplätze und Aufträge. 47 wird diesmal selbst zum Ziel der geheimnisvollen Agentur, für die er bislang arbeitete. Gleichzeitig beschützt er ein Mädchen und legt sich mit dem Südstaaten-Magnaten Dexter an. So entstehen vielfältige Szenarien: Mal sind es lineare Abschnitte mit präzise platzierten Wachen, mal komplexe, weitläufige Areale, in denen sich Hunderte von Zivilisten tummeln auf niedrigeren Schwierigkeitsstufen lassen sich optionale Checkpoints aktivieren. Neben den wenigen Waffen in seinem Arsenal darf Agent 47 Gegenstände aus der Umgebung mitführen von Äxten und neuen Schusswaffen bis hin zu Flaschen, Ziegeln und ablenkenden Radios oder explosiven Benzinkanistern stehen und liegen vielfältigste Todbringer bereit.
Es ist bereits ziemlich spannend, die Umgebung und ihre Bewohner zu beobachten, um fiese, lustige oder gar irrwitzige Tötungsmethoden aufzuspüren. Doch am befriedigendsten ist Hitman: Absolution immer dann, wenn Agent 47 seine Überlegenheit demonstriert: Minutenlang tatenlos hinter der Zielperson herzulaufen, um den richtigen Moment abzuwarten, erzeugt Gänsehaut. Geschickt mit Kostümen, dem gelungenen Deckungssystem und dem mehrstufigen Aufmerksamkeitsfeature der patrouillierenden Wachmannschaften zu spielen, ohne unnötige Todesopfer und Tumult zu erzeugen, macht das jüngste Hitman zu einem intelligenten Puzzlevergnügen. Gelegentlich hat es aber mit genretypischen Tücken zu kämpfen: Die Gegnerintelligenz sorgt vereinzelt für absurde bis lächerliche Momente. Lobenswert ist indes, dass einmal alarmierte Wachen zwar irgendwann wieder in ihren Normal-Status verfallen, häufig aber Laufwege und Verhalten dauerhaft verändern, weswegen manche Lösungswege schlicht nicht mehr zur Wahl stehen. Dennoch besteht stets die Chance, aus Feuergefechten zu entkommen bzw. alles niederzumähen oder aber einen neuen geruhsamen Anlauf zu wagen.
Michael Herde meint: Ich bin von Hitman: Absolution angetan. Wer nicht schleichen möchte, ballert sich auf niedrigeren Schwierigkeitsstufen durch. Das spielt sich sauber und befriedigend. Doch seinen besonderen Reiz entfaltet Hitman für mich erst mit einer großen Portion Entdeckerdrang und viel Selbstdisziplin: Weil es in jedem Areal verschiedenste Wege gibt, um das Ziel auszuschalten, muss ich permanent umdenken. Denn ich möchte stets die eleganteste, klügste und gemeinste Variante sehen das widerspricht sich, daher ist mehrfaches Spielen angesagt. Und je häufiger ich spiele, desto mehr Spaß habe ich. Gefällt oberflächlich betrachtet nämlich noch die ungeheuer cool inszenierte Präsentation mit riesigen Menschenmengen und pointiertem, stilsicheren Licht- und Farbeinsatz, sind es bald die unzähligen, oft urkomischen Unterhaltungen der Menschen, die dem Spiel glaubhaft Leben einhauchen und geduldige Spieler für manchen KI-Quatsch entschädigen. Langfristig begeistert die durchdachte Spielmechanik und das elegante Austricksen meiner Häscher. Was stört, sind gelegentlich asynchrone deutsche Sprecher, sporadisch aufdringliches Tiefbassgewummer, seltene Kompressionsartefakte in Videos sowie Anschlussfehler, wenn 47 in Verkleidung ein Level beendet, im Clip aber Anzug trägt. Ein Fehler stiftet Verwirrung: Body wird selbst dann mit Leiche übersetzt, wenn der entsprechende Gegner nur betäubt wurde das Bewertungssystem reagiert dabei aber korrekt.
- 20 Kapitel mit jeweils mehreren Unterabschnitten, 5 Schwierigkeitsstufen
- Auftrags-Modus zum Wetteifern mit Online-Freunden
- deutsche Version ungeschnitten
- PS3 vs. 360: Englisches Sprachpaket auf Xbox 360 nur als kostenloser Download verfügbar, auf PS3-Disc bereits enthalten. Vereinzelte Kompressionsartefakte in vorberechneten Videos sind auf PS3 seltener, dafür bietet die Xbox-360-Version etwas kräftigere, hellere Farben.
Starkes Design, klasse Spielbarkeit und jede Menge Hochspannung Agent 47 begeistert Serienfans und Neulinge.
| Singleplayer |  | 90 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |