Wer Segas Actiontitel Binary Domain zum ersten Mal sieht, dem schießt vermutlich der Will-Smith-Kinofilm I, Robot ins Gedächtnis schließlich ist sowohl das Design der Umgebung als auch das der Roboter recht ähnlich. In Bewegung erinnert das Spiel an ein langsameres Vanquish. Wer das nicht gespielt hat, ersetze bei Gears of War die Locust durch Blechkübel und schon steht die Blaupause von Binary Domain. Euch erwartet ein zirka zehnstündiger Third-Person-Actiontrip ins Japan der Zukunft.
Als Mitglied einer sogenannten Rost-Crew sollt Ihr Beweise finden, dass der Amada-Konzern gegen die Neue Genfer Konvention verstoßen und heimlich humanoide Roboter erschaffen hat, die äußerlich nicht von Menschen zu unterscheiden sind. Diese Seelenlosen stellen nicht nur den Grund Eurer Mission dar, sondern auch ein wiederkehrendes Motiv, das die Spannung hochhält: Sind die Kollegen, die im Laufe des Spiels an Eurer Seite kämpfen, wirklich Menschen? Oder hat sich ein Blechagent des Feindes eingeschlichen?
Während Ihr Euch durch Fertigungshallen ballert, die morbide Unterstadt durchstreift, im Hafenbecken planscht, über die Autobahn rast oder futuristische Industriekomplexe vom Roboterpack säubert, stehen Euch fast immer ein bis drei KI-Kollegen zur Seite. Sie ballern mit, räumen die Feinde aber nie alleine ab. Ist die Luft rein, laden Eure Mitstreiter zu Plaudereien. Im Kampf gebt Ihr simple Kommandos wie Angreifen oder Deckung liegt Ihr verwundet am Boden und wollt keines Eurer Medipacks einwerfen, ruft Ihr sie zu Hilfe. Das funktioniert mittels übersichtlichem Kommando-Auswahlmenü oder passend zum Sci-Fi-Setting futuristisch via Sprachsteuerung.
Wie in Epics Xbox-360-Shooter sprintet Ihr per Knopfdruck übers Schlachtfeld, hechtet in alle Richtungen, flankt über Deckung oder duckt Euch dahinter in Sicherheit die Steuerung flutscht und lässt auch in puncto Zielgenauigkeit keine Wünsche offen. Ihr könnt den Robo-Gegnern Beine einzeln abschießen, Panzerteile wegsprengen oder die Rübe runterpusten. Gerade auf höheren Schwierigkeitsstufen ist das Schwächen und Verlangsamen der teils sehr zahlreichen Feinde der Schlüssel zum Sieg. Neben Eurem Standard-MG, das Ihr an Shops in vielen Kategorien aufrüstet, und einer Pistole könnt Ihr zusätzlich eine dicke Wumme tragen fernab von Genrestandards (Shotgun, Sniper Rifle) wird hier leider nichts Kreatives geboten. Nett ist dagegen die Option, Standardfeinde per Schockwelle zu zerbröseln bzw. schwere Brocken ins Wanken zu bringen.
Zusätzlich erwerbt Ihr in den fair über die Levels verteilten Cyber-Krämerläden zig verschiedene Nanomaschinen die weist Ihr Eurem Helden Dan oder Euren Kameraden zu, damit Ihr u.a. mehr aushaltet, Euch rascher erholt oder fixer nachladet.
Wer denkt, dass in Binary Domain abseits der teils langen und interessanten Zwischensequenzen nur geballert wird, hat recht: Nur wenige Quick-Time-Events (z.B. der Sprung vom brennenden Lkw-Anhänger) testen Eure Reflexe, kurze Fahr- bzw. Rutschpassagen lockern das Geschehen auf, sind aber spielerisch irrelevant. Die für heutige Verhältnisse zahlreichen Bossfights konfrontieren Euch mit einfallsreichen Ungetümen, die vom Hightech-Gorilla bis zum Transformers-ähnlichen Metallmonster auf Rädern reichen.
Während das Aussehen Eures Helden aus der US-Marine-Klonmaschine stammen könnte, glänzt der Shooter des Yakuza-Teams rund um Toshihiro Nagoshi (Daytona) und Masayoshi Kikuchi (Jet Set Radio) beim Design der künstlichen Figuren. Gestrenge Polizei-Androiden, naive Roboter-Empfangsdamen oder aggressive Killer im Terminator-Look verleihen dem Spiel Charakter die Krönung ist Euer Robo-KI-Kollege Cain, der ein Halstuch trägt und mit französischem Akzent parliert.
In grafischer Hinsicht ist Binary Domain oftmals arm an Details, dafür bleiben Ruckler aus und Roboter wie Umgebungen punkten mit schicken Oberflächen und Reflexionen.
Der Mehrspieler-Part von Binary Domain bietet zahlreiche Versus-Modi (von TDM über CTF bis KotH) und fünf Charakterklassen er schlägt sich ordentlich, macht aber im Gegensatz zum Solo-Modus keinen Stich gegen den Online-Part von Gears dazu sind die Shoot-outs zu behäbig. Die Horde-inspirierte Koop-Variante Invasion leider unter häuftigen Verbindungsfehlern.
- 6 Kapitel mit insgesamt 23 Abschnitten
- Ihr wählt Eure KI-Mitstreiter selbst aus
- Story nicht kooperativ spielbar
- automatische Heilung plus Not-Medipacks
- PS3-Version installiert 3,8 GB auf Festplatte
Matthias Schmid meint: Mann, hatte ich einen Spaß mit diesem Spiel! Dachte ich bei der Ankündigung noch Gähn, nur Roboterfeinde, sind mir die Blechbuben ans Herz gewachsen selten konnten Feinde derart effektvoll und spaßig zerlegt werden. Wenn die Metallteile durch die Gegend spritzen, sieht das klasse aus und fungiert hervorragend als Trefferrückmeldung. Die Story bildet einen netten Rahmen für die Dauerballereien, kratzt die spannende Materie ‘Roboter an der Grenze zur Menschlichkeit’ aber nur oberflächlich an. Die steife deutsche Sprachausgabe geht gerade noch in Ordnung, manch langatmige Baller-aus-dem-Auto-Szene stört den Spielfluss, manch hölzerne Animation das Auge. An anderer Stelle trumpfen die japanischen Entwickler mit sehenswert inszenierter Action und dramatischen Cutscenes auf.
Griffiger Sci-Fi-Shooter mit coolen Feinden und großartiger Trefferrückmeldung, der das Genre aber kein Yota weiterbringt.
| Singleplayer |  | 80 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |