| Spiel: | The Last Story |
| Publisher: | Nintendo |
| Developer: | Mistwalker |
| Genre: | Rollenspiel |
| Getestet für: | Wii |
| Erhältlich für: | Wii |
| USK: | 16 |
| Erschienen in: | 2 / 2012 |
Zael, Dagran und ihre Mitstreiter haben einen Traum: Sie wollen das harte Söldnerleben hinter sich lassen und zu Rittern werden. Zu angesehenen Kämpfern für Recht und Ordnung, wahrhaftigen Vorbildern, zu denen das Volk aufblickt. Doch der Weg dorthin ist lang und steinig auch auf der Insel Lazulis, wo der Söldnertrupp im Dienste des hiesigen Souveräns dunkle Kavernen erforscht oder bei offiziellen Empfängen die Palastgarde verstärkt. Richtig kompliziert wird die Sache, als sich in einer Höhle ein rätselhaftes Symbol auf die Hand von Held Zael einbrennt und der auf einmal ganz neue Kampf-Fähigkeiten entwickelt. Noch dazu greift eine mächtige halbmenschliche Rasse nach Jahren der Isolation mit einer großen Flotte Lazulis an. Und dann ist da noch die mysteriöse Lisa so das denn ihr echter Name ist…
Inhaltlich mag das jüngste Spiel aus dem prestigeträchtigen Hause Mistwalker klassische Bahnen einschlagen, spielerisch gehen Final Fantasy-Papa Hironobu Sakaguchi und sein Team interessante neue Wege: Schluss mit Zufallsbegegnungen und menübasierten Rundenkämpfen. Gegner laufen genau wie Ihr durch die weitläufigen Areale. Bevor der Kampf beginnt, seht Ihr das Szenario oft aus der Vogelperspektive, die bei der taktischen Planung hilft: Wo hat der Feind seine Magier postiert? Sind auch Heiler mit auf dem Feld? Dann ist es meist klug, diese zuerst auszuschalten.
Ähnlich klug ist es, leise und behutsam vorzugehen. Natürlich könnt Ihr auch mit gezückter Waffe auf den Gegner losstürmen. Besser ist es aber, eine gute Deckung zu suchen und Feinde zuerst aus der Ferne mit Distanzwaffen zu schwächen. Oder Ihr lockt sie an, um ihnen einen Scheitel zu ziehen. Im Verlauf des Abenteuers erlernt Ihr so manche Spezialattacke, die sich harmonisch in den Kampfverlauf einbinden lässt. Interessant ist das Magie-System: Eure Zauberkünstler rösten Gegner nicht nur mit den üblichen Feuerbällen. Sie erschaffen auch magische Kreise in der Kampfarena, die Eure Werte beeinflussen. Steht Ihr in einem Heilkreis, lädt sich Eure Energie auf. In einem Feuerkreis freut Ihr Euch über flammenden Zusatzschaden, wenn Ihr angreift. Attackieren könnt Ihr übrigens entweder automatisch oder manuell: Wollt Ihr auf Knopfdruck zuschlagen, ist Eure Schlagfrequenz höher, der Schaden dafür geringer. In der Praxis erwiesen sich automatische Angriffe als praktischer. Nicht nur, weil diese dem Gegner mehr Energie abziehen, Ihr habt so auch den nötigen Abstand vom Geschehen, um den generellen Kampfverlauf zu überblicken. Wer muss geheilt werden? Welcher Kamerad bereitet gerade ein magisches Donnerwetter vor und braucht daher Schutz vor feindlichen Angriffen? Sollte ich einem Mitstreiter direkte Befehle geben? So genießt Ihr in den Kämpfen schon nach kurzer Zeit ein beeindruckendes Maß an planerischer Freiheit und das, obwohl Ihr eigentlich nur Hauptfigur Zael spielt.
Auch wenn Ihr die anderen Akteure nur indirekt beeinflusst, sind sie doch eine nützliche Hilfe im Kampf und interessante Charakterköpfe. Alle haben ihre eigenen Geheimnisse und Motivationen, denen Ihr im Lauf der Zeit auf die Spur kommt. Schon nach wenigen Minuten entwickeln die Protagonisten eine sympathische Dynamik: Der zielstrebige Dagran und die ruhige Mirania bilden einen guten Kontrast zu extrovertierteren Figuren wie Lebefrau Syrenne oder Frauenheld Lowell. Schön ist vor allem, dass sich die Helden nicht einfach in die üblichen J-RPG-Klischees pressen lassen: Selbst Figuren, die man schnell durchschaut zu haben meint, zeigen nach ein paar Stunden überraschende neue Seiten. Auch die Handlung liefert immer wieder interessante Wendungen und bleibt trotzdem stets nachvollziehbar eine Wohltat im Vergleich zu Titeln wie Final Fantasy XIII, die regelmäßig für verwunderte Blicke und Irritation beim Spieler sorgen. Obwohl The Last Story linearer ist als das gigantisch große Xenoblade Chronicles, kaschiert das Abenteuer dies u.a. dank großer Areale und einer frei begehbaren zentralen Stadt souverän.
Technisch fällt The Last Story zwiespältig aus: Natürlich läuft das Spiel wie alle Wii-Titel in maximal 480p und kann darum nicht mit den üppigen HD-Monstern der Konkurrenz mithalten. Die Szenarien sind trotzdem meist angenehm detailliert und bei den Kämpfen blitzen üppige Effekte über den Bildschirm. Allerdings gehen gerade diese schon mal auf Kosten der Bildrate, bei manch einem Kameraschwenk macht sich dann leichtes Ruckeln bemerkbar.
Ein Volltreffer ist dafür die Soundkulisse. Ähnlich wie bei Xenoblade Chronicles geben sich britische Synchronsprecher die Klinke in die Hand und liefern erstklassige Arbeit ab: Die verschiedenen Insel-Dialekte passen weit besser ins Fantasy-Ambiente von The Last Story als die US-Akzente gewöhnlicher Rollenspiel-Lokalisationen. Bei der Musik zeigt Nobuo Uematsu erneut eindrucksvoll, warum er bis heute als einer der besten Spiele-Komponisten gehandelt wird: Im Vergleich zu seinen früheren Werken geht Uematsu filmischer und untermalender vor, ohne dabei auf seine klassischen Ohrwürmer zu verzichten schon nach kurzer Zeit wird sich so manches Thema in Eurem Gehörgang festsetzen.
Eine überraschende Option ist der Mehrspieler-Modus. Der erlaubt Euch, entweder gegen fünf andere Spieler anzutreten oder gemeinsam mit ihnen im Team spezielle Gegner und Missionen anzugehen. Dies ist nur online möglich, auf einen lokalen Splitscreen wird verzichtet. Mangels anderer Mitstreiter zum Testzeitpunkt können wir noch keine Aussage zum Spielspaß treffen in einer der nächsten Ausgaben reichen wir die Mehrspieler-Wertung nach.
Dafür beschäftigten wir uns ausführlich mit den umfangreichen Möglichkeiten, die Figuren ganz nach eigenem Gusto zu gestalten. Angelegte Rüstungen sind stets sichtbar, jedes Kostümdetail lässt sich einfärben oder Ihr nehmt einfach Teile ab: Gefallen Euch Gürtel oder Capes nicht, werden sie entfernt natürlich ohne Status-Nachteil. So könnt Ihr die eingangs eher dunkel gewandete Truppe mit ein wenig Feinarbeit ganz nach Wunsch individualisieren und müsst dann auch im Mehrspieler-Modus keine Verwechslungsgefahr fürchten.
+ gut erzählte Geschichte
+ innovatives Kampfsystem
+ fordernde Bosskämpfe
+ Figuren nach Wunsch anpassbar
– Standard-Gefechte fordern kaum
Thomas Nickel meint: Eigentlich mag ich Spiele eher bunt, trotzdem begeistert mich das erdig präsentierte The Last Story auf ganzer Linie. Man merkt Handlung und Figuren sofort die Handschrift ihres Schöpfers an trotzdem ist das Abenteuer kein Final Fantasy-Abklatsch. Das liegt vor allem an der überschaubaren Welt und dem schnell verstandenen, taktisch komplexen Kampfsystem. Gerade die Bosskämpfe haben es mir angetan: The Last Story brennt nicht einfach furiose Materialschlachten ab, fast jeder der XXL-Gegner verlangt intelligentes Vorgehen und kluge Nutzung erlernter Spezialattacken. Schade ist dagegen, dass die meisten Standard-Gefechte kaum fordern. Im Vergleich zu Xenoblade Chronicles geriet die Welt zwar nicht so beeindruckend, trotzdem meistert auch The Last Story den Spagat zwischen klassischen J-RPG-Werten und progressiven Neuerungen formidabel.
Durchdachter Action-Rollenspiel-Hybrid, der mit spannender Handlung und einem famosen fesselt.
| Singleplayer | ![]() | 90 |
| Multiplayer | ![]() | |
| Grafik | ![]() | |
| Sound | ![]() |












