Wie an keiner Episode zuvor scheiden sich bis heute an Final Fantasy XIII die Geister: Während die einen das Rollenspiel für sein dynamisches Kampfsystem, die aufwändige Grafik und den interessanten Story-Ansatz ausgesprochen schätzten, waren andere von der Linearität und der oft etwas ungeschickten Erzählweise enttäuscht. Entsprechend gemischt waren die Reaktionen, als Square Enix einen Nachfolger des kontroversen Sci-Fi-Abenteuers ankündigte.
Von Euphorie über Skepsis bis hin zur Ablehnung das Spektrum der Reaktionen ist breit gefächert. Es scheint, als ginge es bei der hitzigen, emotional geführten Diskussion weniger um Final Fantasy XIII-2, sondern darum, eine Lobeshymne anzustimmen bzw. eine Generalabrechnung mit der japanischen Spiele-Industrie und dem RPG-Giganten Square Enix durchzuführen.
Doch was unterm Strich zählt, ist das Spiel selbst: Bei dem hat sich das Team um Yoshinori Kitase und Motomu Toriyama redlich Mühe gegeben, die Qualitäten von Final Fantasy XIII zu bewahren und gleichzeitig die wichtigsten Kritikpunkte von Fans und Presse ernst zu nehmen.
Schon nach wenigen Spielminuten mit den neuen Hauptfiguren Serah und Noel wird klar: Final Fantasy XIII-2 ist viel offener als der Vorgänger. Bereits das erste Areal entpuppt sich als weitläufig und verzweigt. Spätere Orte sind noch größer und bieten an allen Ecken und Enden interessante Entdeckungen. Das ist vielleicht mal eine kleine Item-Box, gerne aber auch ein Zeitportal, das Euch an einen neuen und optionalen Ort bringt.
Damit ist bereits das wichtigste Handlungs-Element genannt: Bei Final Fantasy XIII-2 reist Ihr durch die Zeit. Zwar hat die Reihe schon in der ersten und achten Episode ein wenig mit dieser Thematik gespielt, aber erst hier wird das Konzept mit aller Konsequenz durchgezogen. Das Abenteuer findet über einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren statt. Immer wieder liegt es an Euch, in der Zeitlinie herumzupfuschen, um tragische Ereignisse zu verhindern und die Zukunft zum Besseren zu wenden. Ziel ist es, die durcheinander geratene Vergangenheit soweit zu kitten, dass Serah ihre vermisste Schwester Lightning wieder in die Arme schließen kann. Doch bald wird klar, dass der Sachverhalt noch weit komplizierter ist, als es zunächst den Anschein hat.
Wo Ihr im Vorgänger Dreierteams aus einer Auswahl von sechs spielbaren Helden bilden konntet, hält Square Enix die Liste der Akteure jetzt weit überschaubarer. Auch wenn sich Euch in seltenen Fällen eine weitere Figur anschließt, bestreitet Ihr das Abenteuer fast ausschließlich mit dem Zukunftsbuben Noel und der zumindest anfangs eher ängstlichen und naiven Serah. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich: Gerade in der zweiten Spielhäfte war es bei Final Fantasy XIII stets eine wichtige Entscheidung, welchen Eurer Helden Ihr in die aktive Truppe steckt, da sie alle mit verschiedenen Talenten aufwarteten.
Dabei stießen manche Final Fantasy XIII-Protagonisten nicht unbedingt auf Gegenliebe. Obwohl der weinerliche Hope, die wuselige Vanille und Draufgänger Snow im Kampf ihren Mann und ihre Frau standen, verbannte sie manch ein Spieler aus Antipathie aus der aktiven Party. Dieses Problem stellt sich bei Final Fantasy XIII-2 nicht mehr: Die zwei Helden sind stets präsent und wesentlich zugänglicher geschrieben als Hope und Konsorten. Dabei gibt Noel den abgebrühten und Serah den neugierig-entschlossenen Teil des Gespanns. Die Chemie zwischen den beiden stimmt, ihre Handlungsweisen sind nachvollziehbar und dank des Crystarium-Systems könnt Ihr sie im Kampf ganz nach Euren Wünschen spezialisieren. Zudem müsst Ihr nicht erst stundenlang daddeln, bis alle Systeme frei zur Verfügung stehen: Bereits nach kurzer Spielzeit lassen Euch die Entwickler diesmal von der Leine.
Aber mal ehrlich: nur zwei aktive Figuren im Kampf? Das wäre schon etwas langweilig, wie wir vor vielen Jahren beim Serien-Ableger Mystic Quest auf dem SNES feststellen mussten. Daher holen sich Serah und Noel rasch monströse Verstärkung. Immer wieder bleiben nach einem Kampf besiegte Monster in Kristallform zurück, die Ihr direkt in Eure Truppe aufnehmen dürft. So lassen sich stets drei Monster gleichzeitig in Bereitschaft halten und beim Paradigmenwechsel austauschen. Dabei bleibt die prozentuale Lebensenergie der Biester gleich: Ihr könnt also keinen Eurer Mitstreiter vom Gegner zu Boden knüppeln lassen, um ihn dann durch einen ausgeruhten Kollegen zu ersetzen.
Die verschiedenen Ungetüme sind im Kampf eine große Hilfe, aber keine vollwertigen Party-Mitglieder. Ihr dürft sie nicht mit neuen Waffen oder Rüstungen versorgen, auch ihre Rolle im Kampf ist von vornherein festgelegt: Während sich ein kleiner Cait Sith gerne als Heiler versucht, agiert der seltene Silver Lobo als ausgezeichneter magischer Angreifer. Auch die Charakterentwicklung der Monster verläuft anders: Während Serah und Noel im Kampf verdiente Erfahrung im Crystarium gegen Werte-Upgrades tauschen, benötigt Ihr Gegenstände, um Eure Monster zu trainieren und je mächtiger das Monster, desto wertvoller die benötigten Materialien. Die Crystarien der Monster sind ein ganzes Stück kleiner als die der menschlichen Helden. Zum Ausgleich steigen deren Werte ein ganzes Stück schneller und es kommt vor, dass ein mächtiges Monster irgendwann seine Wachstumsgrenze erreicht.
Noel und Serah passiert das zum Glück nicht, wurden doch die Crystariums-Beschränkungen des Vorgängers für Final Fantasy XIII-2 aufgehoben. Setzte Euch das frühere Abenteuer noch für jedes Kapitel eine unangenehm strenge Level-Cap vor, dürft Ihr nun wieder trainieren, bis der Arzt kommt. So könnt Ihr die nötige Ausdauer vorausgesetzt bereits in frühen Stunden ein paar angenehm fortgeschrittene Techniken lernen und dabei Eure ATB-Balken ausbauen oder Zugang zu neuen Klassen erhalten.
Beim Lesen haben es Veteranen sicher bereits geahnt: Wir schreiben hier vom Crystarium und von Paradigmen unterm Strich änderte sich also am Kampfsystem im Vergleich zum Vorgänger nicht allzu viel. Wer es vorzieht, seine Monster gemütlich rundenbasiert zu erlegen, der muss sich weiterhin an frühere Final Fantasy-Episoden halten: Die Kämpfe sind schnell und dynamisch. Flottes Vorgehen wird mit besseren Drop-Raten belohnt, die meisten Standardgegner erledigt Ihr in wenigen Sekunden. Wichtig ist erneut das Stagger-System: Monster mit besonders hohen Defensivwerten macht Ihr erst mit magischen Attacken mürbe, um die Stagger-Leiste zu füllen. Dann ist der Gegner für eine gewisse Zeit Euren Angriffen fast wehrlos ausgesetzt gerade bei den oft herausfordernden Bosskämpfen richtet Ihr nur so echten Schaden an. Wie im Vorgänger bringt Euch eine Autobattle-Option durch die meisten Gefechte mit Standard-Monstern. Wollt Ihr aber optimale Resultate erzielen, ist es sinnvoll, eigene Entscheidungen zu treffen.
Im Vorfeld wurde viel über die neuen Quick-Time-Events diskutiert, tatsächlich kommen sie aber überraschend selten vor: Ihr nutzt sie, um die Spezialattacken von Monstern zu verstärken, und müsst die richtigen Knöpfe im rechten Moment drücken, um einem dicken Boss den Rest zu geben. Das könnte nervig sein, macht in der Praxis aber kaum Probleme: Ihr werdet stets rechtzeitig vorgewarnt und die Zeitfenster sind so fair gesetzt, dass die Aktionen so gut wie immer auf Anhieb gelingen.
Eine weitere wichtige Neuerung: War das Spiel bei Final Fantasy XIII noch vorbei, wenn Eure Hauptfigur das Zeitliche segnete, gibt sich der Nachfolger weniger streng. Beißt der von Euch gesteuerte Held mal ins Gras, übergibt er die Kontrolle einfach an seinen Kollegen eine sinnvolle Neuerung, könnt Ihr so doch auch bereits verloren geglaubte Kämpfe oftmals noch in letzter Sekunde herumreißen.
Streitbar ist die Einbindung der Kämpfe: Liefen die Monster beim Vorgänger noch sichtbar herum, werden sie jetzt per Blitzschlag in Eure nähere Umgebung gebeamt. Verpasst Ihr ihnen jetzt einen Hieb mit der Waffe, beginnt Ihr den Kampf mit einigen Vorteilen. Greift das Monster zuerst an, entfallen diese. So nervig wie die alten Zufallskämpfe ist das zwar nicht, trotzdem fanden wir da das vorherige System stimmiger und eleganter von den komplett übergangsfreien Gefechten eines Final Fantasy XII ganz zu schweigen.
Trotz frischer Helden und durchgehend neuer Szenarien, Zeitreisen und rekrutierbarer Monster ist das Erbe von Final Fantasy XIII deutlich zu erkennen. Grafikstil, Musik und Geschichte sie alle bleiben dem Vorgänger treu. Final Fantasy XIII-2 ist keine Neuerfindung, sondern eine konsequente Weiterführung als solche hat es sich auch ein paar der schwächeren Elemente des Erstlings bewahrt. Auch wenn Final Fantasy XIII-2 viel offener ist, ein wirkliches Gefühl für die besuchten Orte bekommt Ihr nicht. Wo genau liegt Lake Bresha? Grenzt die Großstadt Akademia an die Archylte Steppe? Welcher Ort befindet sich in Pulse, welcher in Cocoon? Die Entwickler haben es erneut versäumt, dem Spieler die eigentlich doch faszinierende Welt näherzubringen schade.
Ihr lauft durch zahlreiche wunderschön gestaltete Lokalitäten, die alle für sich alleine zu existieren scheinen. Einen echten Ortswechsel vollführt Ihr nur über den Zeitstrahl der Chronosphäre. Wäre es da nicht schön, wenn beispielsweise Orte wie New Bodhum, die Archylte Steppe und die Ruinen der alten Stadt Paddra tatsächlich miteinander verbunden wären? Gerade nach dem weitläufigen Xenoblade Chronicles auf Wii wirkt der geografische Aufbau von Final Fantasy XIII-2 wenig überzeugend.
Dafür sind Cocoon und Pulse jetzt endlich belebt: Ihr trefft an vielen Orten auf zahlreiche Passanten. Manche teilen sich einfach automatisch mit, wenn Ihr an ihnen vorbeigeht. Andere könnt Ihr Eurerseits ansprechen und nicht wenige haben eine kleine Subquest für Euch auf Lager im Vergleich zum Vorgänger ist das eine willkommene Neuerung.
Auch Fans des gepflegten Minispiels werden wieder besser versorgt: Ähnlich wie beim Gold Saucer von Final Fantasy VII dürft Ihr hier an einem fröhlich-bunten Ort das Abenteuer mal Abenteuer sein lassen und Euch zum Beispiel zur Abwechslung beim Chocobo-Rennen vergnügen.
Das macht deutlich, wo nun tatsächlich die große Neuerung von Final Fantasy XIII-2 zu finden ist: nicht im Kampfsystem, nicht in der Charakterentwicklung, sondern schlicht und ergreifend in der Größe der Welt und der spielerischen Freiheit. Wo die Handlung des Erstlings Euch Stunde um Stunde atemlos vor sich hertrieb, erforscht Ihr die Welt von Final Fantasy XIII-2 ganz nach eigenem Gusto. Und habt Ihr mal gerade keine Lust, den Handlungsfaden weiterzuspinnen, dann geht Ihr einfach auf die Suche nach neuen Portalen ehe Ihr Euch verseht, tun sich wieder komplett neue Gegenden auf, die nur darauf warten, erkundet zu werden.
+ flottes und elegantes Kampfsystem
+ gelungene Zeitreise-Option
+ Möglichkeit des Monster fangen und an eigener Seite Kämpfen zu lassen
+ Sehr schöne Special Editions zur Verfügung
– lange Ladezeiten bei Zeitwechsel
– werdet Ihr wohl nicht wirklich suchen wollen, oder?
Thomas Nickel meint: Am Anfang habe ich Final Fantasy XIII-2 falsch gespielt: Wie im Vorgänger lief ich direkt von einem Story-Hotspot zum nächsten und bemerkte daher nicht sonderlich viel von der neuen Freiheit. Erst als mich das Abenteuer durch eine bestimmte Quest dazu brachte, mal einen Gang zurückzuschalten und bereits durchquerte Gebiete erneut zu besuchen, dämmerte die Erkenntnis, wie breit Final Fantasy XIII-2 tatsächlich angelegt ist. Auf einmal tun sich Orte und Zeitzonen auf, die man auf direktem Wege locker verpassen würde. Man findet fantastische Monster, nimmt neue Quests an, levelt ganz nebenbei noch gehörig auf und widmet sich ein paar Stunden später mit frischem Elan wieder der Hauptstory. Die erschlägt Euch dieses Mal nicht so mit neuen Begriffen wie noch der Vorgänger zum vollen Verständnis solltet Ihr aber doch besser wissen, was sich in XIII ereignet hat. Trotz vieler Neuerungen hält Final Fantasy XIII-2 souverän an Elementen fest, die bereits den Erstling auszeichneten: Todschicke Grafik, ein toller Soundtrack und das immer noch herrlich flotte Kampfsystem vertragen sich ausgesprochen gut mit der neuen Freiheit. Deshalb sollten auch bekennende XIII-Hasser dem Nachfolger eine Chance geben, statt diesen schon beim Anblick von Videos und Screenshots zu verteufeln: Verdient hat es Final Fantasy XIII-2 allemal!
Feine Weiterentwicklung von “FF XIII”, die dessen Stärken mit vielen Neuerungen und mehr spielerischer Freiheit verbindet.
| Singleplayer |  | 90 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |