Kennt Ihr noch Deutschlands langlebigste Rateshow “Was bin ich?“? Für alle, die Erinnerungsdefizite haben oder schlicht zu jung sind, hier eine kurze Einführung: Robert Lembke moderierte von 1955 bis 1989 das “heitere Beruferaten”. Ein Team aus vier Personen musste durch geschicktes Fragen die Berufe der Gäste herausfinden die Kandidaten durften dabei nur mit “Ja” oder “Nein” antworten. Für jedes “Nein” bekam der Gast 5 Mark fürs Sparschwein, nach zehn “Neins” oder bei der Nennung des richtigen Berufes war Schluss.
Was das alles mit Videospielen zu tun hat? Nun, bei der Enthüllung eines Spiels fühle ich mich mitunter wie in Lembkes kultiger Rateshow: Der Software-Hersteller zeigt Screenshots, die den Gamer da draußen auf das neue Produkt neugierig machen und gleichzeitig zeigen sollen, was er von dem Spiel zu erwarten hat.
Die Crux an der Sache: Viele Hersteller sind nicht daran interessiert, dem potenziellen Käufer zu zeigen, wie das Game wirklich aussieht. Vielmehr gibt es in schöner Regelmäßigkeit aussagelose Atmo-Shots beziehungsweise gestellte Bilder zu sehen, aus denen sich nicht einmal eindeutig das Genre ableiten lässt ohne textliche Erklärung bekommt der unbedarfte Betrachter mitunter einen falschen Eindruck. Spontan fallen mir Left 4 Dead, Guitar Hero III oder auch Halo 3: ODST ein, aktuelle Beispiele sind Call of Duty: Black Ops, Crysis 2 und Test Drive Unlimited 2. Sowohl Call of Duty: Black Ops als auch Crysis 2 (beides Ego-Ballereien) könnten entweder Third-Person-Shooter, GTA-Klone oder gar Strategie-Ableger sein; beim Rennspiel Test Drive Unlimited 2 sind zwar PS-Monster zu sehen, aber die kann ich mir in Sandbox-Spielen wie GTA oder Just Cause ebenfalls organisieren.
Was allen genannten Beispielen abgeht, ist das Zeigen der späteren Spielperspektive: In einem Ego-Shooter laufe ich eben mit wackelnder Waffe in der unteren Bildschirmhälfte herum, bei Rennspielen sehe ich mein Auto von hinten oder sitze seit dem HD-Zeitalter im schmucken Cockpit mit den virtuellen Händen am Lenkrad.
Warum sich gefühlt immer mehr Hersteller dem gestellten und damit irreführenden Screenshot zuwenden, ist mir ein Rätsel. Denken sie, dass ‘echte’ Bilder den Spieler überfordern? Schreibt es gar das Games-Marketing-Handbuch für Profis und solche, die es werden wollen so vor? Das Argument ‘Unsere Grafikengine ist noch nicht fertig, daher sehen Screenshots aus Spielerperspektive nicht repräsentativ aus’ lasse ich nicht gelten. In der Regel werden alle von den Herstellern zur Verfügung gestellten Bilder digital frisiert, zwar meistens in einem noch akzeptablen Rahmen, aber immerhin. Das würde bei ‘echten Szenefotos’ auch funktionieren.
Die Frage, die sich mir nun stellt: Was bin ich? Ein Erbsen zählender Journalist denn schließlich ist es nicht so wichtig, was auf Screenshots zu sehen ist. Oder: ein zu Recht meckernder Gamer aus der repräsentativen Masse, die sich an irreführenden Bildern schon lange stört. Klärt mich auf!

Test Drive Unlimited 2 (Rennspiel)

Guitar Hero III (Musik)

Call of Duty: Black Ops (Ego-Shooter)

Crysis 2 (Ego-Shooter)

Halo 3: ODST (Ego-Shooter)