Solche Abende gibt es. Die bestellten Filme sind noch nicht da, im Fernsehen kommt nichts Brauchbares und alle Kreuzworträtsel sind gelöst. Da erinnert man sich. War da nicht das neue Angebot über die Playstation 3? Hinein also ins Menü von Sonys Spielekonsole, X-Mediabar nach rechts bis zum Playstation Network, dann nach unten in den Playstation Store. Seit Mitte November gibt es dort die Möglichkeit, Spielfilme herunterzuladen. Vorher konnte man nur Trailer und andere Kurzfilme abrufen. Im Store erfreut eine große Auswahl an Filmen, aber nur wenige sind aktuell. Neben den neuesten Angeboten erlaubt ein Button die Selektion “HD-only”, was ja wohl sein muss.
Hohe Preise
Doch hier ist Enttäuschung vorprogrammiert: Zum Testzeitpunkt Mitte Dezember fanden sich gerademal 30 hochauflösende-Titel. Zwar gehen “Star Trek”, “X-Men Wolverine” oder “Nachts im Museum 2” als aktuelle Blockbuster durch, “8 Mile” oder “Ein unmoralisches Angebot” etwa haben ihre beste Zeit aber lange hinter sich. Unser Testfilm “Watchmen” kostet als HD-Leihversion für 48 Stunden 4,99 Euro. Kaufen lassen sich derzeit nur Filme in SD-Auflösung, für 14,99 Euro.
Man könnte diese Preisgestaltung wohlwollend selbstbewusst nennen, doch im Vergleich mit den gleichen Filmen auf Kauf-DVD oder im Blu-ray-Verleih könnte man sie auch als Wucher bezeichnen. Nach der Auswahl die nächste Enttäuschung: Als zwei Prozent des Films auf der PS3-Festplatte gelandet sind, soll man noch 638 Minuten warten bis zum Abschluss – über zehn Stunden trotz 6000er-DSL-Leitung.
Derzeit gibt es im Videostore vor allem Sony-Filme, etwa
“Illuminati” mit Armin Müller-Stahl und Ewan McGregor.
Andere User, etwa im Forum auf der offiziellen Webseite de.playstation.com, berichten auch von teilweise extrem langen Ladezeiten; die Moderatoren versprechen Verbesserung, das jedoch schon seit einiger Zeit. An der Datenrate liegt es nicht. Etwas über acht Megabit pro Sekunde hat der Film, was bedeuten würde, dass bei dieser DSL-Verbindung spätestens nach einer Stunde die Wiedergabe möglich sein sollte, ohne zwischendurch unterbrechen zu müssen. Es wird also nichts aus dem gemütlichen Filmabend.
Am nächsten Morgen ist der Film komplett eingetroffen. Die Datei gibt sich im Gerät als .mnv zu erkennen, das Playstation-Videoformat, das nur auf der PS3 und Playstation Portable läuft. Neben Video in H.264 und Audio in AAC gehört dazu die Rechteverwaltung im Magicgate-System von Sony.
Kein Full-HD
Das Bild hat die Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln, also nur die Häfte einer Blu-ray-Disc. Dank der üppigen Datenrate von 8 Mbit/s kommt es wenigstens weitgehend artefaktfrei daher – andere Internetvideo-Anbieter reduzieren diese Videobitrate auf 4 Mbit/s und weniger. Arg frustrierend dagegen der Ton. Der AV-Receiver zeigt Stereo an, dem man mit Hilfe von Prologic zu bescheidener Räumlichkeit verhelfen kann. 5.1-Mehrkanal-Sound, wie man Ihn seit zwölf Jahren von der DVD kennt, gibt es nur vereinzelt, soll aber ausgebaut werden. Zumindest ist es erlaubt, den Film auf eine PSP zu übertragen; das kommt bei Blu-ray erst noch.
Fazit: Dass Videoabruf möglich ist, zeigt wieder mal das Potenzial der PS3. Der Dienst selbst bietet allerdings noch viel Raum für Verbesserungen.
Spielfilme im Playstation-Store von Sony kosten fünf oder sechs Euro
und müssen innerhalb von 24 oder 48 Stunden zuende gesehen werden;
Streifen in Standard-Auflösung kann man auch kaufen.
Zu lange dauert das Herunterladen, trotz schneller DSL-Leitung.
