
Dieser Artikel stammt aus der M! 356 (Mai 2023).
MERING • Am 1. März 2022 ging Amazons Cloud-Gaming-Dienst ”Luna” in den USA ans Netz. Ein Jahr und drei Wochen später ist der Service nun auch in Deutschland, Großbritannien und Kanada gestartet. Wir haben das Ganze auf verschiedenen Geräten ausprobiert und schildern Euch unsere Erfahrungen. Das Interessanteste gleich vorweg: Wer Amazon-Prime-Kunde ist, kann direkt durchstarten und erhält Monat für Monat Zugriff auf derzeit vier wechselnde Spiele. Den Anfang machten im März der 2D-Plattformer Mega Man 11, das Action-Adventure Mail Forth, das Koop-Umzugs-Spiel Get Packed: Couch Chaos sowie das J-RPG The Legend of Heroes: Trails from Zero. Im April wurde dieses Quartett dann ausgetauscht gegen den Arcade-Racer Horizon Chase Turbo, das Action-Abenteuer Yakuza Kiwami 2, den Indie-Plattformer The Adventure Pals sowie das Partyspiel The Jackbox: Party Pack 3.
Wer kein Prime-Kunde ist beziehungsweise Zugriff auf mehr Spiele wünscht, wählt derzeit aus drei Abos. ”Luna+” (das sieben Tage gratis getestet werden kann) schaltet für 9,99 Euro pro Monat einen bunten Mix aus über 100 Games frei. Darunter befinden sich viele ältere Hits wie etwa Alien Isolation, Control, Devil May Cry 5, DIRT Rally 2.0, Overcooked 2, die Remakes von Resident Evil 2 und Resident Evil 3, Tetris Effect Connected, Valkyria Chronicles 4 und beide Yakuza Kiwami-Teile. 5 Euro günstiger ist das ”Jackbox Games”-Abo, ein Paket bestehend aus zehn Partyspielen vom gleichnamigen Publisher. Bliebe noch das ”Ubisoft+”-Abo, welches 42 bekannte Ubisoft-Spiele freischaltet, darunter neun Assassin’s Creed-Ableger (inklusive Valhalla), sieben Far Cry-Spiele (mit Teil 6), fünf Ghost Recon-Auskopplungen (samt Rainbow Six Siege) und alle drei Watch Dogs-Teile. Klingt verlockend, ist mit 17,99 Euro pro Monat allerdings auch das teuerste Abo-Paket.
Technisch setzt Luna für 1080p-Genuss mindestens eine 10-MBit-Leitung voraus und läuft auf Windows-PCs, Macs, Amazons hauseigenen Fire-TVs und Fire-Tablets sowie Chromebooks, iPhones, iPads und Android-Smartphones. In den vier letztgenannten Fällen jedoch nur, wenn Ihr Chrome, Safari oder Edge verwendet. Andere Browser wie Firefox, Samsung Internet, Opera und Co. werden nicht unterstützt. Einmal eingerichtet, könnt Ihr direkt durchstarten, wahlweise mit einem kompatiblen Bluetooth- oder USB-Controller oder aber dem maßgeschneiderten Luna Controller, den Amazon für 69,99 Euro verkauft. Vorteil: Genau wie das Stadia-Pad damals klinkt sich auch das Luna-Pendant ins WLAN ein, was die Latenz weiter minimiert. Habt Ihr gerade kein Pad zur Hand, daddelt Ihr alternativ via Tastatur (klappt zufriedenstellend) oder nutzt ein Overlay für Toucheingaben, das jedoch in vielen schnellen Spielen an seine Grenzen stößt.
Wir testeten Luna vorrangig mit dem Xbox One Wireless Controller und erzielten vor allem in flotten WLANs mit aktuellem Router inklusive 5-GHz-Unterstützung gute Ergebnisse. In timingkritischen Spielen wie Mega Man 11 hatten wir allerdings ab und an mit minimalen Eingabeverzögerungen zu kämpfen. Alles in allem präsentierte sich ”Luna” performanceseitig aber schon recht ordentlich, selbst in manchem Hotel-WLAN. Schön zudem, dass Amazon bereits eine PIN-basierte, mehrstufige Kindersicherung integriert hat, Games via Twitch gestreamt werden dürfen und man den Datenverbrauch bei Bedarf von ca. 10 GB/Std. (1080p) auf 5 GB/Std. (720p) drosseln darf. Lob verdient außerdem das Feature ”Luna Couch”. Es greift bei Spielen mit lokalem Koop-Modus und erlaubt es Euch, Freunde ohne ”Luna”-Mitgliedschaft als Online-Koop-Buddy mit in die Partie zu holen. Fazit: Obwohl sich ”Luna” in vielen Punkten bereits recht wacker schlägt, wirkt das Spieleangebot aktuell noch zu fragmentiert und überschaubar. Um dem Direktvergleich mit Microsofts Game Pass Ultimate Cloud-Gaming-Bibliothek (die aktuell 366 Einträge umfasst) standzuhalten, muss Amazon die Game-Auswahl in naher Zukunft noch stark steigern und mehr aktuelle Triple-A-Produktionen ins Portfolio holen.








