Datura – im Test (PS3)

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Ein Mann liegt im Krankenwagen, es ist dunkel, durch die Fenster des Fahrzeuges fällt das künstliche Licht der Stadtbeleuchtung. Die mitfahrende Ärztin ist nicht ganz bei der Sache und merkt nicht, dass der Mann sich zunächst die Decke vom Leib und danach die Elektroden von der Brust reißt. Der Dauerton des (vermeintlichen?) Herzstillstandes holt sie aus ihren Gedanken und wird mit verzweifelten Reanimationsversuchen quittiert. Schwarzblende. Ihr findet Euch in einem herbstlichen Wald wieder, die Bäume sind kahl und der Boden dicht mit Laub bedeckt. Leichter Nebel verhindert den Blick in die Ferne und so macht Ihr Euch mittels Move- oder Sixaxis-Steuerung auf, diesen auf den ersten Blick recht gewöhnlichen Forst zu erkunden. Je weiter Ihr Euch vorwagt, desto mehr rätselhafte Dinge begegnen Euch: eine alte Statue, eine Tür ohne Raum oder ein Baum mit Gesicht dazwischen immer wieder die symmetrischen Blüten der Datura, einer giftigen, berauschenden Pflanze. Befindet Ihr Euch in einer Traumwelt des Mannes aus dem Krankenwagen?

Um mehr herauszufinden, streift Ihr in Ego-Sicht durchs Unterholz, nur eine Hand von Euch ist zu sehen. Mit dieser untersucht Ihr die seltsamen Objekte, kurbelt beispielsweise einen Eimer aus einem Brunnen oder werft einen Ball auf Dosen via Move ahmt Ihr die jeweilige Bewegung nach, bei der Sixaxis-Steuerung beschränkt sich das auf Drehen und Neigen.

Beides funktioniert ordentlich, birgt jedoch ein hohes Nervpotenzial, wenn Ihr etwa wegen der ungenauen Bewegungsabfrage eine gefühlte Ewigkeit wie ein grobmotorischer Schimpanse auf ein Glockenspiel einschlagt, bis die richtigen Töne erklingen. Jedes Objekt erzählt eine kleine Geschichte, bei der Ihr zwischen zwei Lösungen wählen könnt. Nicht immer ist klar, ob Eure Entscheidung ’gut’ oder ’böse’ ist, oder ob diese Begriffe überhaupt angebracht sind. Ihr verbringt nur eine gute Stunde in der kleinen Welt, die in teils rudimentärer, aber stimmiger und zuweilen sogar schöner Grafik gehalten ist. Bevor Ihr Euch zu viele Gedanken machen könnt, ist Datura zu Ende und hinterlässt das Gefühl, eine interessante Demo gespielt zu haben (kommen da die Wurzeln des Entwicklerteams Plastic Demo Group zum Vorschein?). Das Spielprinzip mit den kleinen Rätseln sowie surreal angehauchten Objekten und noch mehr das Setting und die Stimmung (der neblige Wald, aus dem einsame Gebäude ragen) erinnern dabei stark an Myst. Und leider bietet Datura (das übrigens in 3D spielbar ist) fast nichts, was dieser knapp zwanzig Jahre alte Titel nicht auch geboten hat – außer der neuartigen Steuerung, die als alleiniger Kaufgrund jedoch nicht ausreicht. Schön aber, dass sich Plastic an einem ungewöhnlichen Spielkonzept versucht hat. Auch wenn dabei kein Journey entstanden ist, lohnt Datura wegen seiner nachdenklichen Ansätze und der geheimnisvollen Stimmung.

Geheimnis- und stimmungsvolles Move-Adventure, das jedoch sehr kurz ausfällt.

Singleplayer7
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