Lego Dimensions – im Test (PS4)

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Aus dem Duell um die Vorherrschaft im Toys-to-Life-Segment ist seit diesem Jahr ein Dreikampf geworden: Der dänische Klötzchen-Gigant Lego wirft mit Lego Dimensions seinen Hut in den Ring und will Skylanders und Disney Infinity den Platz streitig machen. Für Steinchenfreunde, die bisher nur die zahlreichen ”klassischen” Lego-Abenteuer kennen, kurz eine Erklärung, was hier der neue Kniff ist: Das Spiel beschränkt sich nicht rein auf den Bildschirm, sondern beinhaltet auch Sammelfiguren – deren digitale Alter Egos werden durch ein flaches Plastik-Portal, auf das man sie stellt, virtuell aktiviert. Dass sich gerade Lego von Natur aus besonders gut für dieses Konzept eignet, liegt auf der Hand. Doch die alten Entwicklerhasen von Traveller’s Tales haben sich einige neue Ideen einfallen lassen, die deutlich über das hinausgehen, was bei der Konkurrenz üblich ist.

Denn bei den Mitbewerbern dient das Portal tatsächlich fast ausschließlich zum Erkennen der Charaktere sowie zum Lesen und Schreiben von Daten. Bei Lego Dimensions dagegen wird das ”Toypad” genannte, aus fast 300 Steinen zusammengesteckte Bauwerk während des Spiels in Rätsel eingebunden: Bis zu sieben Figuren passen auf die drei separaten Abstellflächen, die wiederum durch LED-Leuchten in verschiedenen Farben erstrahlen können. Je nach Aufgabenart aktiviert Ihr mittels korrekter Platzierung Elementarkräfte wie Feuer und Wasser, schickt Eure Helden durch verschiedene Teleporter, lasst sie wachsen und schrumpfen, färbt mit ihnen Schalter oder sucht in einer Art digitalem Topfschlagen versteckte Objekte. Die fünf Rätseltypen sind geschickt umgesetzt und funktionieren in der Praxis so tadellos, dass sie prompt ausgiebig genutzt werden. Wer sich bei vergangenen Lego-Abenteuern schon einmal am teils unübersehbaren Rätsel-Recycling gestört hat, wird das auch bei Lego Dimensions erleben, denn kaum ein Level oder Bosskampf (die ziemlich häufig auftreten) kommt während der Hauptstory ohne Toypad-fokussierte Aufgaben aus. Speziell im hinteren Spieldrittel treten Ermüdungserscheinungen auf auch, weil die über Dutzende Vorgänger etablierte, typische Lego-Spielstruktur konsequent strapaziert wird.

Zum Glück protzt Lego Dimensions aber mit so viel Inhalt und Abwechslung, dass sich der Abnutzungseffekt noch in Grenzen hält: 14 Welten, teils aus dem eigenen Sortiment, überwiegend aber basierend auf namhaften Lizenzen, wurden unter einem Dach vereint und (fast) alle dienen als Schauplätze für die Story. Nicht jedes Szenario wird dabei seinem Potenzial entsprechend genutzt und der Mashup-Gedanke teils überstrapaziert, aber eins kann man festhalten – langweilig wird es nicht. Und wenn Ihr etwa begleitet von GLaDOS’ Kommentaren durch die Portal-Welt eilt, Scooby-Doos Gruselschloss mit leichtem Cel-Shading-Look inspiziert, bei Ghostbusters der Originalsoundtrack ertönt, in den Midway Classics Retro-Automaten ”legofiziert“ werden und Doctor Who Gruselstimmung erzeugt, dann läuft Lego Dimensions zur Hochform auf.

Reizvoll sind auch die sogenannten ”Abenteuerwelten“, in denen Ihr Euch jenseits der Story tummelt: Zu jeder Marke existiert ein solcher Bereich, der wie die Oberwelten von Der Hobbit oder Jurassic World mit kleinen Aufgaben und Nebenbeschäftigungen vollgestopft ist und die Spielzeit für Jäger und Sammler noch einmal deutlich anhebt.

Das Hauptspiel könnt Ihr mit den drei beim Starterset vorhandenen Stars Wyldstyle (aus dem Lego Movie), Batman (in der DC-Variante) und Gandalf (Der Herr der Ringe) sowie dem Batmobil komplett und problemlos bestreiten und habt entsprechend Zugriff auf die jeweiligen Abenteuerwelten. Legotypisch erreicht Ihr aber viele der Nebenbereiche und Sammelobjekte nicht, weil die Charaktere dazu notwendige Spezialfähigkeiten nicht beherrschen. Das ist nicht anders als bei den bislang üblichen Klotz-Abenteuern, allerdings kann man dort alle notwendigen weiteren Figuren mit spielinterner Währung erwerben. Bei Lego Dimensions dagegen müsst Ihr mit realem Geld entsprechende Erweiterungen kaufen. Heißt also: Wer nur das anfangs Gebotene genießen will – und das ist wirklich nicht wenig –, der kommt mit 100 Euro aus. Ansonsten kann es aber recht schnell teuer werden.

Ulrich Steppberger meint: Als Toys-to-Life-”Veteran” finde ich es toll, dass Lego Dimensions sein Portal auch als aktiven Teil für die Knobeleien einsetzt. Das klappt prima und sorgt für interessante Aufgaben, die nur ein Problem haben: Die Rätselmechanismen tauchen im Lauf des Abenteuers so häufig auf, dass sie mir am Ende schon fast zum Hals heraushingen. Weniger wäre hier mehr gewesen, was auch für die Menge an Bosskämpfen (natürlich mit Rätseln!) gilt. Ansonsten schwankt die Qualität der Levels zwischen genial (insbesondere die Portal-Dimension) und banal, weil einige Lizenzen kaum zur Geltung kommen – durch die schiere Vielfalt wiegt das jedoch zum Glück nicht so schwer. Insgesamt hat mir Lego Dimensions trotzdem viel Spaß gemacht (und das bereits mit dem Starter Pack), gegen den Rivalen Skylanders zieht es aber trotz des höheren Innovationsfaktors (noch) den Kürzeren.

Denis Kuckmann meint: Ich kann Ulrichs Kritik nachvollziehen: Die Frequenz an Portal-Rätseln und Bosskämpfen ist in der Tat ziemlich hoch. Wer keine Lust auf ständiges Hantieren mit Plastikfiguren hat, dürfte davon schnell genervt sein. Für mich als Lego-Dauerspieler ist das allerdings ein großer Pluspunkt, da sich Dimensions gerade dadurch von den anderen Lego-Games – mit den Avengers ist das nächste ohnehin schon wieder in Sichtweite – abhebt. Außerdem ist das Toys-to-Life-Konzept für mich mangels Interesse an Skylanders &amp Co. völliges Neuland, was sicher auch seinen Teil zu meiner Begeisterung beisteuert. Dazu kommt der Lego-Aspekt: Fahrzeuge im Spiel aufrüsten und dann die haptischen Modelle umbauen? Richtig cool – wenn man denn Lust drauf hat!

  • erster Lego-Titel im Toys-to-Life-Bereich
  • Figuren-Portal wird sehr aktiv für Rätsel genutzt
  • 14 Markenwelten aus Film, TV und mehr
  • es darf auch etwas gebastelt werden

Gutes Abenteuer mit bewährtem Lego-Spielkonzept, das sein Lizenzpotenzial nur begrenzt nutzt und die guten neuen Ideen etwas überstrapaziert.

Singleplayer80
Multiplayer
Grafik
Sound
Stanley
I, MANIAC
Stanley

Hatte eine Menge Freude mit dem Spiel und habe auch weitere Level-Packs gekauft – im Moment ist jedoch ein wenig die Luft raus. Spätestens mit dem Ghostbusters-Level-Pack steige ich aber auf jeden Fall wieder ein.