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Zum Klang wunderschöner Orchesterkompositionen durchstreift Ihr handgemalte Umgebungen und entdeckt desolate Dörfchen, wilde Naturidyllen und uralte Tempelruinen. Immer wieder erinnern Euch geisterhafte Visionen an die geheimnisvollen Fähigkeiten Eures Protagonisten. Schnell wandert Ihr weiter in einen Wunderwald aus weit verzweigten Dialogbäumen. Begabte englische Schauspieler geben manche der literarisch hochwertigen Texte in Sprachausgabe wieder, die meisten müsst Ihr lesen. Die an sich kompetente deutsche Textfassung fällt ab und an durch Schlampereien aus der Rolle, stört das Gesamtbild aber nicht. Je nach Statuswerten und kulturellem Hintergrund Eurer Party unterscheiden sich Eure Dialogoptionen und die damit verbundenen Lösungswege der Quests oft stark voneinander. Einwürfe und Kommentare Eurer Begleiter geben zusätzliche Würze.
Als liebevolle Verbeugung vor den Spielbuch-Wurzeln des Genres bauten Chefentwickler Chris Avellone und sein Team gescriptete Interaktionen ein: Besondere Handlungen wie das Erklimmen einer Mauer oder das Aufschließen einer Geheimtür werden mit Texttafeln und stilvollen Zeichnungen dargestellt, in denen Euch je nach Situation unterschiedliche Handlungsoptionen zur Wahl stehen. Wer zum Beispiel Seil und Enterhaken im Gepäck hat, darf sich in einem Dungeon in ein unheilvolles Loch abseilen. Am Ende des Seils ist der Boden immer noch nicht sichtbar, also die klassische Frage: Was wollt Ihr tun? Zurückklettern und das Rätsel ungelöst lassen oder springen und der Sache auf den Grund gehen?
Kämpfe tragt Ihr nach bester Baldur’s Gate-Tradition in pausierbarer Echtzeit aus. Auf den unteren Schwierigkeitsstufen könnt Ihr Eurer Truppe einfach dabei zusehen, wie sie etwa den am Boden obiger Grube hausenden Drachen nebst seiner Kobold-Brigade locker weghaut. Ab dem dritten von insgesamt sieben (!) Schwierigkeitsgraden wird es anspruchsvoller. Feuerspucker & Friends wollen hier zunächst in einen engen Gang gelockt werden, wo Ihr die Pumuckl-Saubande mit Schwächungs- und Beherrschungssprüchen in Schach haltet, damit Ihr freie Bahn für die Drachenjagd habt.
Braucht Ihr mal eine Pause von Heldenreise und Monsterentsorgung, betätigt Ihr Euch als Baumeister Eurer eigenen Burg. Stück für Stück renoviert Ihr eine anfangs heruntergekommene Ruine, lasst Händler einziehen, verbessert die Wehranlagen und erkundet das im Keller gelegene Riesenlabyrinth. Sogar Steuern dürft Ihr eintreiben, Gefangene einkerkern und Angriffe abwehren. Manchmal erfordern Besucher die Anwesenheit in Eurer Heimstatt. Genau dann zeigt Pillars of Eternity wieder, warum es zu den ganz großen Rollenspielen unserer Zeit gehört, und macht durch seine Weltklasse-Schreibe eine simple Nebenquest zur Gewissensfrage. Wenn ein argloser Sklavenhändler als Bittsteller an Euren Hof kommt und anfragt, ob Ihr ihm helft, eine Fuhre Menschen zu verticken, scheint der Fall zunächst klar. Die klug gestalteten Optionen lassen Euch dann aber grübeln: Den Halsabschneider eiskalt hinrichten und die Sklaven ihrem Schicksal überlassen? Einen Assassinen zur Befreiung losschicken und so das Leben eines eigenen Mannes gefährden? Sich raushalten und den Drecksack ziehen lassen? Was werdet Ihr tun?








