Zeno Clash 2 – im Test (PS3/360)

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Kax-Teh, der Golem des Nordens, blickt über die Stadt Halstedom. Die rostrote Stadt. Schiefe Häuser und verwinkelte Gassen ziehen sich in unüberschaubaren Ebenen einen Hang hinauf. Ihre Bewohner, die Zenos, sind seltsame Mischwesen – teils Mensch, teils Tier, teils mehr, teils weniger. Der Golem wollte ihnen die Zivilisation bringen. Er ließ ein Gefängnis bauen und so sperrten sie Vater-Mutter ein, jenes Wesen, das ihnen wie Vater und Mutter war, sie jedoch allesamt ihren wirklichen Eltern gestohlen hatte. Der Golem erkannte, aber ignorierte, dass nicht alle Bewohner Halstedoms den neuen Regeln zustimmten – statt Gesetzen zu gehorchen, schlugen sie sich weiterhin mit blanken Fäusten in Gasthäusern oder auf offener Straße.

Ihr schlüpft in die Rolle von Ghat, dem Hauptcharakter des ersten Teils. Er brachte den Golem nach Halstedom, sucht nun aber nach einer Möglichkeit, ihn wieder loszuwerden. Begleitet wird Ghat von zwei seiner ehemaligen Geschwister – eine davon ist Rimat, die online von einem zweiten Spieler gesteuert werden kann. Eure Reise führt Euch in neue, jedoch auch einige bekannte Gebiete wie den Wald der wahnhaften, anarchistischen Corwid oder das Ende der Welt, an dem die düstere, archaische Feste des Golems steht.

Ihr erkundet die Welt aus der Ego-Perspektive. Getrieben von einer ruhelosen Kriegsmusik schlagt Ihr Euch mit fast allem, das Euch über den Weg läuft, z.B. einem fetten Kerl, der abgeschnittene Füße mit sich herumträgt – irre ich mich, oder sind die Zenos noch merkwürdiger geworden? Das Kampfsystem mit seinen Schlägen, Tritten, Würfen und Paraden ist durchdacht und tiefgründiger als in Teil 1, richtig rund läuft es aber leider nicht zudem ruckelt’s teils stark, wenn viele Gegner auf Euch einstürmen.

Die Kampftechniken werden in einem separaten Tutorial erklärt, das zudem kurz einige wichtige Schlüsselszenen aus Teil 1 erzählt. Verschiedene temporäre Schuss- und Schlagwaffen bringen Abwechslung in die Kämpfe, daneben besitzt Ghat bis zu vier permanente Gegenstände wie etwa ein Armband, das eine Energieentladung hervorruft, wenn es auf Sonne oder Mond gerichtet wird. Diese könnt und müsst Ihr im Kampf oder für kleine Denkaufgaben einsetzen.

Kerstin Mayer meint: Ich gebe zu, dass ich Zeno Clash II auch spielen würde, wenn es keine Kämpfe gäbe und man nur durch das unwirkliche Land Zenozoik wandern dürfte. Das Geprügel aus Ego-Sicht ist zwar ein nicht ausgelutschtes Konzept, doch in erster Linie fesseln mich die Welt und ihre Bewohner. Die Mischung aus dem sich Fragen und Erahnen, was es mit diesen auf sich hat, erinnert an Literaturklassiker wie ”Die Insel des Dr. Moreau“ von H. G. Wells. Die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Bestie verschwimmen, genau wie zwischen richtig und falsch. Der Golem, der den Zenos Werte bringen möchte und die Verfehlungen Vater-Mutters aufdeckte, wird zum unfreiwilligen Gegenpart. Vielleicht ist das ein bisschen zu viel philosophiert, aber ich mag dieses Spiel. Mich freuen auch die vielen versteckten Ecken, in denen Geheimnisse und Sammelobjekte warten, sowie die Aufträge der Geschwister abseits der Hauptstory.

Matthias Schmid meint: Für mich ist Zeno Clash II die bislang coolste Spielerfahrung 2013. Die surreal-fantastische Spielwelt mit ihren mal armseligen, mal imposanten, immer aber sehr seltsamen Gestalten ist ein vortrefflicher Schauplatz für eine Geschichte, die mich endlich mal wieder richtig gefesselt hat. In spielerischer und technischer Hinsicht bleibt aber Luft nach oben: Die Weltkarte ist quasi nutzlos, die Kollisionsabfrage manchmal überfordert und die Ruckeleinlagen bei Massenschlägereien sind unschön. Dafür wirkt das Kampfsystem ebenso durchdacht wie wuchtig. Auch die offenere Spielwelt, die zum Erkunden einlädt, und die kurzen Ladezeiten verdienen ein Lob.

Offen angelegte Ego-Prügelei, die vor allem mit ihrem Szenario lockt.

Singleplayer9
Multiplayer
Grafik
Sound