Die Macht und die Aussagekraft der Bilder ist beeindruckend: Abgesehen von drei, vier Tutorial-Texteinblendungen wirft Euch Hyper Light Drifter ohne Hilfestellung in eine postapokalyptische Welt, die mit pastellfarbenen Pixeln wunderschön gemalt wurde, aber nicht recht willig scheint, ihre Geheimnisse preiszugeben. Und trotzdem werdet Ihr Euch zurechtfinden!
Zunächst erzählt das Intro ohne Gelaber, ohne Texte von einem großen Krieg und stellt ein heldenhaftes Männchen vor, das mit finsteren Dämonen ringt. Wenig überraschend lenkt Ihr diesen Pixelknirps in den folgenden Stunden durchs virtuelle Abenteuerland. Ihr habt keine Ahnung, was Ihr tun sollt, wisst nicht, welche Feinde Euch erwarten, und fragt Euch, wie Ihr Zugang zu neuen Gebieten erhaltet. Doch zum Glück macht es einen Heidenspaß, all das herauszufinden.
Denn im Grunde ist Hyper Light Drifter eine Art 2D-Zelda minus pfiffige Items plus knackige Kämpfe. Im Dorf zum Beispiel gibt es nicht nur Wesen, die, statt in verständlichen Worten zu sprechen, ihre Geschichten mit dramatischen Pixelgemälden erzählen. Auch Händler, die Waffen- oder Fähigkeiten-Upgrades anbieten, sind dort anzutreffen. Und schon habt Ihr eine Verwendung für diese Dinger, die wie goldene Schaltkreise aussehen und immer wieder an schwer zugänglichen Levelstellen zu finden sind. Heiltränke gibt es im Gegensatz zu vielen anderen Action-Adventures nicht beim digitalen Krämerladen, sondern nur in der Außenwelt und den Dungeons. Also schielt stets mit einem Auge nach türkisen Boxen nur damit könnt Ihr Eure fünf Lebensenergie-Balken füllen. Nutzt daher Eure drei Talente, um so wenig Treffer wie möglich zu kassieren: ein blitzschneller Dash als Ausweichmanöver, Attacken mit dem Schwert und Schüsse aus Eurer Knarre. Dabei sind beide Offensiv-Optionen klug verknüpft: Nur wer viel kaputt schlägt (Feinde oder Levelobjekte) erhält Schussenergie für den Ballermann. Das Dashen wiederum kommt nicht nur bei den häufigen (herausfordernden, aber stets fairen) Kämpfen zum Einsatz, sondern ist der Schlüssel zum Erkunden der Spielwelt.
Die allgegenwärtigen Abgründe, Giftteiche oder Stachelfallen könnt Ihr nur mit dem Dash-Manöver überwinden. Zudem ist es ein Schlüssel zum Aufspüren von Geheimnissen: An Dutzenden Stellen könnt Ihr mit mutigen Dashes versteckte Bereiche entdecken, wo fast immer eine Belohnung wartet. Dasselbe gilt für eventuelle Lücken zwischen Bäumen oder Mauerwerk: Lauft lieber einmal zu oft gegen eine massive Wand, als eine andere zu verpassen, die dann doch durchlässig ist! Außerdem solltet Ihr auf schmalen Pfaden regelmäßig Euren kleinen fliegenden Begleiter aktivieren er wird mehr als nur einmal unsichtbare Plattformen zeigen.
Mit einem offenen Auge für Geheimnisse und flinken Reflexen im Gefecht merkt Ihr nach und nach, dass Hyper Light Drifter gar nicht so hart ist. Ein Vergleich mit der Souls-Serie ist dennoch nicht abwegig, denn auch in Hyper Light Drifter ist Erforschen, Ausprobieren und Scheitern erforderlich, um letztlich zum Ziel zu gelangen. Und so sammelt Ihr nach und nach neue Ballermänner, rüstet Eure überschaubaren Fähigkeiten auf, findet mehr und mehr Artefakt-Splitter und steht dann auch vor weniger verschlossenen Türen. Dafür bald vor wütenden Pixelbossen, die ganz schön draufdreschen. Weil ihre Lebensleisten aber nicht absurd lang sind, werdet Ihr sie mit etwas Geduld und Taktik in den Staub schicken. Wer sich allein überfordert fühlt, kann jederzeit einen Mitstreiter einsteigen lassen allerdings nur offline an einer Konsole. Der Kollege hat ähnliche Moves drauf und kann ein paar Mal wiederbelebt werden (kostet Euch ein Stück Lebensbalken) leider darf er selbst nicht in neue Levelbereiche vorstoßen das bremst den kooperativen Erkundungsspaß.
Wer alle Rätsel der mysteriösen Welt lösen will, sucht abseits der normalen Story noch Schlüssel (für neue Outfits) und versteckte Monolithe mit einer Geheimbotschaft. Und wer es noch härter mag, startet den New Game Plus-Modus mit deutlich verschlankter Lebensleiste.
Matthias Schmid meint: Es hat ein bisschen gedauert, aber dann zündete Hyper Light Drifter. Die prächtige Pixelgrafik ist genau mein Fall, die Welt finde ich extrem stimmungsvoll, sie wirkt auf mich einzigartig und unverbraucht. Technik-Puristen stören sich bestimmt an den Rucklern verständlich sind sie angesichts der 2D-Grafik jedenfalls nicht. Dafür greifen die Spielelemente und -mechaniken erfreulich gut ineinander: Wer die Welt eifrig erkundet, hat es im späteren Spielverlauf dank besserer Ausrüstung leichter. Und mit der Schnellreise-Funktion seid Ihr rasch nahe eines gewünschten Bereichs, sodass Ihr spaßige Forscherarbeit leisten könnt, ohne Euch die Hacken wund zu laufen. Die stylishe, aber nur bedingt nützliche Karte ist ein zweischneidiges Schwert: Oft habe ich mich über die Ungenauigkeit geärgert, gleichzeitig macht das Suchen und Finden von Dingen aber auch einen Teil des Reizes aus. Die (nicht einstellbare) Schwierigkeit empfand ich unterm Strich als sehr gelungen: Natürlich muss man sich ab und an durchbeißen, frustrierend und gemein ist das Spiel zu mir aber nie gewesen.
+ prächtige Panoramen in 2D
+ keine Hilfestellungen beim Erkunden
+ rasante und faire Kämpfe
+ zahllose Geheimräume
+ stimmungsvoller Soundtrack
– Karte ist Euch nur bedingt eine Hilfe
– Geschichte unterm Strich zu vage
– Bossgegner nicht übermäßig kreativ
Forderndes Action-Adventure im Zelda-Stil wer Spaß am Erkunden der Welt hat, verlebt einzigartige Stunden.
| Singleplayer |  | 87 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |