Grafikblender sind keine Erfindung der modernen Videospiel-Ära, auch ein paar namhafte Oldies fallen älteren Zockern zu diesem Begriff besonders schnell ein. So etwa Shadow of the Beast, das 1989 auf dem Amiga mit seiner Inszenierung begeisterte, aber spielerisch wenig auf dem Kasten hatte.
Das siebenköpfige Entwicklerteam Heavy Spectrum hat trotzdem seinen Enthusiasmus für den Klassiker bewahrt und das ambitionierte Vorhaben gestartet, Beast auf moderne Konsolen zu holen mit dem Ziel, statt nur eines Grafikspektakels ein tatsächlich unterhaltsames Spiel daraus zu machen. Das Ergebnis liegt nun vor und ist ein zumindest respektabler Erfolg geworden.
Dass Shadow of the Beast auf der PS4 eine Herzensangelegenheit ist, lässt sich nicht übersehen: Die Grafik setzt die Designelemente des Originals liebevoll in Szene, an allen Ecken und Enden erkennt Ihr damalige Landschaften und Details wieder, auch die Story rund um den Biestkrieger Aarbron ist nun erstmals verständlich. Zahlreiche freispielbare Geheimnisse inklusive des Originals sind mit an Bord. Selbst der kuriose Horizontal-Shooter-Abschnitt von damals wurde nicht vergessen, sondern sogar gewitzt neu interpretiert. Trotzdem fehlt auch dem heutigen Beast das gewisse spielerische Etwas: Zwar funktioniert die ziemlich rabiate Klopperei, bei der Ihr seitwärts durch die Levels rennt, Gegnerwellen erledigt und eingestreute Hüpf- und Rätselpassagen erlebt, grundsätzlich gut. Sie wirkt aber teilweise bemüht: Um die nötigen Punktzahlen zum Freischalten aller Geheimnisse (und damit die möglichen Enden) zu schaffen, müsst Ihr Euch mit einem etwas verschwurbelten Combo-System samt Reaktions-Special-Moves und aufladbaren Attacken anfreunden. Das funktioniert zwar, aber meist meuchelt es sich mit der schnellen Standardattacke schlicht handlicher. Geht es Euch nur ums einfache Durchspielen, ist Shadow of the Beast nicht die ideale Wahl: Denn die sieben Abschnitte sind schnell erledigt, für Motivation sorgt danach die Punktejagd oder das Freispielen der umfangreichen Bonus-Materialen rund um die Welt und den Mythos des Spiels.
Ulrich Steppberger meint: Daran gibt es keinen Zweifel: Das neue Beast ist meilenweit besser als das Amiga-Original aber dazu gehört ehrlich gesagt nicht allzu viel. Betrachtet man die 2016er-Variante für sich alleine, entpuppt sich diese als geradliniges Schnetzel-Abenteuer, das mit einem etwas aufgesetzt wirkenden Kampf- und Punktesystem gerne komplexer erscheinen möchte, als es ist. Sich durch die liebevoll modernisierten Umgebungen zu schlitzen, macht schon Spaß, wobei just die weniger actionlastigen Passagen den Fluss eher bremsen. Allerdings ist der Umfang reichlich knapp ausgefallen, wenn man nicht gerade auf Rekordjagd gehen oder alle Varianten des Endes freischalten will. So oder so hat mir das Abenteuer mit Aarbron diesmal deutlich mehr Spaß gemacht als vor über 25 Jahren und das ist doch eine gute Sache.
Schicke, wenn auch kurze und spielerisch nicht besonders tiefgründige Neuinterpretation des Amiga-Klassikers.
| Singleplayer |  | 66 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |