Die Einordnung in das mit dem Kunstwort Metroidvania betitelte Action-Adventure-Subgenre beanspruchen seit geraumer Zeit nicht wenige Spiele wird damit doch vor allem das Erkunden einer zusammenhängenden, in der Regel zweidimensional illustrierten Welt beschrieben. Auch Axiom Verge gehört zu dieser illustren Schar, kann aber wie kaum ein aktueller Konkurrent mit besonders großer Berechtigung beanspruchen, den Vorbildern gerecht zu werden. Was uns der Entwickler Tom Happ auf der PS4 beschert, könnte man nämlich mit Fug und Recht als ein modernes Metroid im Retro-Kleid bezeichnen.
Dass der gute Mann ein Fan der 8-Bit-Auftritte von Samus Aran ist, erkennt man auf den ersten Blick: Der Pixel-Look von Sprites und Umgebungen wird konsequent durchgezogen. Moderne Spielereien sind bestenfalls an Details wie den Hintergrund-Ebenen samt Parallax-Scrolling oder dezentem Sample-Einsatz bei den überwiegend sphärisch-spacigen Chiptune-Melodien zu erahnen. Selbst die Glitches, also ungewollt auftretende Grafik-Fehler bei der antiquierten Hardware von damals, dürfen nicht fehlen und haben hier sogar einen spielerischen Aspekt.
Aber dazu später mehr: Nach einem missglückten Experiment findet Ihr Euch als gestrandeter Wissenschaftler Trace in einem mysteriösen Universum wieder, bei dem Euch eine körperlose Stimme begleitet. Schon bald findet Ihr die Axiom Disruptor-Allzweckwaffe, die Euch das Überleben in der Umwelt ermöglicht und stetig erweitert wird. Anfangs könnt Ihr nämlich nur schmächtige Laserstrahlen abfeuern und müsst angesichts einer arg kurzen Lebensleiste vorsichtig agieren.
Dank griffiger und präziser Steuerung gelingen Sprünge und Angriffe sehr gut Letztere vor allem, wenn Ihr per Schultertaste festen Stand sucht und dann die Waffe frei ausrichten könnt. Gewissenhaftes Erkunden der weitläufigen Umgebung fördert stetig Verbesserungen zutage: So erhöht Ihr Euren Energiehaushalt, stöbert weitere Wummen mit überraschend vielfältigen Munitions- und Schussarten auf, verbessert deren Reichweite und Durchschlagskraft.
Regelmäßig stoßt Ihr aber auf Stellen und Orte, wo Hindernisse, Sackgassen oder unerreichbare Plattformen ein Vorankommen unmöglich zu machen scheinen. Doch dem ist nie so: Entweder findet sich doch eine Alternativroute oder Ihr ergattert im Lauf des Abenteuers zusätzliche Ausrüstungsteile und Fähigkeiten, die dann neue Möglichkeiten eröffnen. Dazu gehören unter anderem eine Fernlenkdrohne, die durch enge Winkel kommt und so etwa Laserbarrieren deaktivieren kann, ein Greifhaken oder auch Teleportfähigkeiten, die Euch durch solide Wände transportieren. Relativ früh erhaltet Ihr zudem eine Modifikation für den Disruptor, mit der Ihr die anfangs erwähnten Glitches gezielt nutzen könnt: Per Knopfdruck strahlt Ihr Energiewellen aus, die etwa bestimmte Blocktypen desintegrieren oder Feinde nicht nur optisch verwandeln, sondern auch ihr Verhalten beeinflussen manche greifen dann nicht mehr an oder spucken gar Heilenergie statt Projektile aus.
Durch das klug rationierte Erweitern der Aktionsmöglichkeiten hält Axiom Verge die Motivation hoch, zumal zahllose, teils ausgesprochen knifflig versteckte optionale Sammelobjekte die Mythologie der Welt vertiefen oder in Bosskämpfen Vorteile verschaffen. Mancher Obermotz ist nämlich mit den Pflichtwaffen nur frustrierend schwer zu knacken, weshalb bloßes Reinstürmen nicht zu empfehlen ist. Auch die Story-Textkästen solltet Ihr nicht zu hektisch wegklicken, denn einer der wenigen Kritikpunkte an Axiom Verge ist die verpflichtend-vage Wegführung: Wer die knappen Hinweise missachtet und die Karte nicht aufmerksam nach möglichen Zielen studiert, läuft leicht Gefahr, sich zu verzetteln. Das macht die ohnehin nicht kurzen Wege noch länger und kann mühsames, penibles Absuchen der Szenarien nach sich ziehen. Aber auch das passt zum Old-School-Flair, das meisterlich vermittelt wird Axiom Verge kommt der Idealvorstellung eines zeitgemäßen Metroidvania erfreulich nahe.
Ulrich Steppberger meint: Ich gestehe: Zu 8- und 16-Bit-Zeiten habe ich Metroid & Co. sträflich vernachlässigt dank Axiom Verge verspüre ich aber das Verlangen, Versäumtes nachzuholen. Denn das konsequent auf Retro-Flair setzende Epos spielt sich klasse, sieht schick aus (wenn man keine NES-Allergie hat) und kann mit viel Umgebungsabwechslung, intelligent gestalteten Waffen und einer feinen Steuerung aufwarten. Zwar haben einige Bosskämpfe meine Nerven strapaziert und gelegentlich wären konkretere Hinweise zum nächsten Einsatzziel wünschenswert gewesen, aber das sind nur kleine Kratzer im Lack. Axiom Verge ist ein großartiges 2D-Abenteuer, das seinen Vorbildern in nahezu allen Belangen absolut gerecht wird und zudem mit zahlreichen Geheimnissen und Überraschungen begeistert.
Sascha Göddenhoff meint: Anders als bei Ulrich zählen Castlevania und Metroid zu meinen 2D-Lieblingen kein Wunder also, dass ich auch Axiom Verge klasse finde! Mit Ausnahme der partiell etwas nervigen Sucherei nach dem weiteren Weg begeistert mich jeder Aspekt des Spiels. Angefangen bei der herrlichen Pixelgrafik über den Old-School-Sound bis hin zur punktgenauen Spielbarkeit zitiert Axiom Verge auf hervorragende Weise die Tugenden oben genannter Klassiker. Zwar macht der Titel nichts neu und kommt auch visuell den Abenteuern von Samus Aran sehr nahe, doch sehe ich das nur als weitere Reminiszenz an die großen Vorbilder. Und das alles von nur einer Person gemacht? Respekt!
+ tolle Retro-Inszenierung
+ riesige Spielwelt mit viel Abwechslung und zahlreichen Geheimnissen
+ interessante Waffen und Fähigkeiten
+ griffige Steuerung
– Wegführung teils äußerst vage
– einige Bosse ohne passende Wumme und reichlich Energie arg knackig
Toller Metroid-Nachfahre mit viel Umfang und feinen Ideen.
| Singleplayer |  | 9 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |