Das größte Game der aktuellen Videospielewelt, ein eigenständiges Hobby. So sehen Activision und Bungie ihr Weltraum-Epos Destiny und haben dementsprechend exzessiv die Werbetrommel gerührt. Wer schon zu unserer Wertung vorgeblättert hat, weiß, dass wir anderer Meinung sind. Weil der Online-Ego-Shooter mit Koop-Fokus und Rollenspiel-Elementen neben fantastischen Schauplätzen, guten Schießereien und problemlosem Matchmaking auch einige teils unverständliche Schwächen birgt, die ihn von den höchsten Wertungsregionen abhalten.
Wessen Konsole nicht mit dem Internet verbunden ist, der muss nicht weiterlesen: Destiny funktioniert nur mit permanenter Online-Anbindung. Trotzdem könnt Ihr natürlich solo losziehen. Zu Beginn bestimmt Ihr über Rasse (Mensch, Erwachter, Exo), Geschlecht und Gesichtsmerkmale Eures Helden und wählt, ob Ihr als Warlock, Titan oder Jäger spielt, was Eure Super-Attacke, Granaten- und Fortbewegungsart sowie Talente beeinflusst. Fast alle Waffen und Rüstungsteile stehen jedermann offen und unterliegen nur Stufenbeschränkungen. Dann gehts auf die Erde, die von außerirdischen Feinden überrannt wurde. Die letzte freie Stadt wird vom Reisenden beschützt, einer riesigen Kugel am Himmel, die in ihrer Blütezeit der Menschheit einen großen technologischen Sprung gewährte, nun aber nach einer langen Schlacht gegen das namenlose Dunkel kurz vor dem Exitus steht. Ihr werdet von einem Geist genannten, schwebenden Roboter von den Toten erweckt, um dabei zu helfen, die Dunkelheit zurückzuschlagen. Zu diesem Zweck reist Ihr zu Erde, Mond, Venus und Mars, kämpft dort gegen vier Alienvölker, sammelt Ausrüstung und levelt auf. Wer eine epische Story erwartet, wird enttäuscht: Während Ihr Euch rund 23 Stunden durch die Galaxie ballert, bleibt die Erzählung dünn wie Papier, einen roten Faden sucht Ihr vergeblich. Theoretisch verfügt das Universum zwar über viel erzählenswerten Inhalt, diesen verbirgt Bungie aber in Texttafeln, den Grimoire-Karten, die Ihr nicht im Spiel lesen dürft. Stattdessen findet Ihr sie unverständlicherweise nur in der kostenlosen Smartphone-App oder auf der Entwickler-Webseite bungie.net.
Den Kern des Spiels bilden die Gefechte gegen die Alienvölker. Egal, ob Ihr auf die vierarmigen Gefallenen, die Horden der Schar, die Roboterwesen Vex oder die bulligen Kabale-Soldaten trefft die Schießereien sind dynamisch, verlangen den Einsatz von Super-Attacke und Granaten und gehen dank moderater automatischer Zielhilfe auch Ego-Shooter-Neulingen gut von der Hand. Bei den verschiedenen Waffentypen findet jeder das Passende, Munition für schwere Wummen ist allerdings rar und echte Elementareffekte wie in Borderlands 2 gibt es nicht: Zwar verfügen einige Ballermänner über Arc-, Solar- oder Void-Schaden, dieser ist aber nur von Vorteil, wenn es um das Zerstören feindlicher Schilde geht.
Technik-Vergleich
Sonderlich intelligent sind Eure Gegner nicht: Jeder Typ folgt einer Routine und ist leicht ausrechenbar. Dafür ist ihre Zahl unendlich: Habt Ihr einen Mob ausgelöscht und Euch ein paar Meter weiterbewegt, setzen Landungsschiffe exakt die gleichen Truppen wieder ab oder sie kommen durch rauchumwogte Türen, die für Euch unzugänglich sind. Wart Ihr ein paar Mal in den Sandbox-Levels unterwegs, wisst Ihr genau, wo Euch welcher Feind erwartet. Ärgerlich: Die Missionen laufen nach den immer gleichen Schemata ab und schicken Euch oft in bereits bekanntes Gebiet, Überraschungen oder innovative Ideen sucht Ihr mit der Lupe. Für Abwechslung sorgen viel zu selten startende öffentliche Ereignisse wie der Abwurf eines gepanzerten Devil Walkers oder ein Opferritual der Robo-Rasse Vex, denen Ihr simpel beitretet, indem Ihr zum Schlachtfeld rennt. Wundert Euch dabei nicht über die Anwesenheit fremder Spieler. In Destiny sind stets mehrere Leute auf einer Karte unterwegs. Jeder sammelt aber seine eigene Beute (die sich optisch kaum von Munitionspaketen unterscheidet) und bringt sie zum Turm, der Hubwelt. Hier geht Ihr zu Händlern, lasst besondere Gegenstände identifizieren, nehmt Aufträge an und legt überzählige Ausrüstung in Euren Tresor. Mit anderen Spielern handeln oder tauschen dürft Ihr nicht.
So richtig Spaß macht Destiny erst im Koop-Fireteam mit bis zu zwei Freunden. Viele Feinde sind mit Schilden ausgestattet und sollten flankiert werden, Bosse ab Level 20 schlucken Unmengen Blei, außerdem sehen sechs Augen mehr als zwei, wenn es um das Auffinden von spärlich verteilten Beutekisten und Geistern geht. Besonders hilfreich: Ihr könnt Euch gegenseitig wiederbeleben. Der Sprachchat per In-Game- oder Party-Funktion klappt dabei sehr gut. Die Zusammensetzung der Gruppe ist zumindest in den normalen Missionen vernachlässigbar, da es keine Buffs oder Heilfähigkeiten gibt, welche sich auf die anderen Teammitglieder auswirken. Missionsabschlüsse und Storyfortschritt gelten für alle Kämpfer des Fireteams. Beutezüge, also Sammel- oder Tötungs-Nebenaufträge, von denen Ihr bis zu fünf gleichzeitig im Turm annehmt, zählen nur für Euch individuell. Sie laufen nebenher und bescheren Euch Extraerfahrung, Lichtpunkte sowie Geld und Marken. Um schnell große Distanzen auf der Planetenoberfläche zu überwinden, greift Ihr im Team wie solo auf einen Gleiter zurück, für den wir uns spezielle Rennevents gewünscht hätten. Beim interplanetaren Flug, der stets die Ladezeiten zwischen den Levels verdeckt, kommt es im Fireteam zum Schaulauf: Hier zeigt Ihr Euer Raumschiff, das Ihr für viel Geld im Hangar kauft. Selbst steuern dürft Ihr es nicht. Essenziell sind die Fireteams in Strikes und Raids, besonderen Missionen mit dicken Endbossen, die Ihr nur zu dritt, notfalls mit fremden Spielern, angeht.
Nach dem Ende der Kampagne seid Ihr mit Sicherheit bis Level 20 aufgestiegen und habt alles gesehen, was Destiny an Schauplätzen zu bieten hat. Eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um den Titel zurück ins Regal zu stellen. Viele Features öffnen sich Euch aber erst jetzt. Ab Level 18 bekommt Ihr Marken im Schmelztiegel genannten kompetitiven Mehrspieler-Modus und bei Strikes, welche Euch Zugang zu besserer Ausrüstung gewähren. Ab Level 20 gibt es für erledigte Gegner keine Erfahrungspunkte mehr. Stattdessen sammelt Ihr seltenes Licht und Ausrüstung, die jenes enthalten. Damit lässt sich Euer Level über 20 heben. Erst jetzt habt Ihr außerdem Zugriff auf legendäre Waffen und könnt einer der Fraktionen beitreten, die den Turm bevölkern. Jede lockt mit spezieller Ausrüstung, die Ihr Euch durch Aktivität unter ihrer Flagge verdient.
Spielerisch überzeugt Destiny mit seinen Action-Elementen, enttäuscht aber mit immer gleichem Missionsdesign. Technisch gibt es keine so starke Diskrepanz: In puncto Texturqualität und Bildrate setzt das Spiel mit stabilen 30 Bildern pro Sekunde, Draw-ins, der einen oder anderen matschigen Oberfläche und kantigen Schatten keine Maßstäbe. Der Titel punktet aber mit hervorragend designten Levels, stimmigen Lichteffekten, plastischen Feinden und Helden sowie schönen Waffenmodellen. Ob es sich um tiefe Gräber im Mond oder die pflanzenüberwucherte Stadt auf der Venus handelt, die Lust zum Entdecken wird angesichts der malerischen Schauplätze immer wieder neu geweckt. Und oft abrupt bestraft, wenn Ihr grundlos sterbt oder von unsichtbaren Wänden aufgehalten werdet, sobald Ihr die unkenntlichen Levelgrenzen erreicht.
Auf die Ohren gibt es atmosphärische Orchester- und Chorklänge im Halo-Stil, die Handschrift des mittlerweile nicht mehr bei Bungie tätigen Komponisten Martin ODonnell ist unverkennbar. Jede Alienrasse und jeder Planet verfügen über eigene Melodien, die gut zu ihren Charakteristika passen. Die Sprecher der Händler und Handlungspersonen leisten sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch überzeugende Arbeit. Den Waffeneffekten fehlt es an Volumen, dafür lassen sich Feinde und Einschläge mit Surround-Sound problemlos orten.
Insgesamt ist Destiny weniger, als Activision und Bungie suggerieren: Wer eine Story, abwechslungsreiche Missionen und frei erkundbare Planeten sucht, wird enttäuscht. Sind Euch dagegen Koop-Abenteuer und die Hatz nach immer besseren und selteneren Knarren wichtig, solltet Ihr loslegen. Aber bitte mit ein bis zwei Gleichgesinnten.
Technische Unterschiede zwischen der PS4- und Xbox-One-Version fallen nicht auf. Auf beiden Plattformen bereist Ihr die Galaxie in 1080p und 30 Bildern pro Sekunde. Die leichten Vorteile der PlayStation 4 liegen im Bereich der Zusatzinhalte: Die Schmelztiegel-Map “Exodus Blue”, der Staubpalast-Strike sowie einige Waffen, Rüstungen und Schiffe liegen als Code bei und sind bis Herbst 2015 exklusiv. Außerdem liegt der PS4-Fassung ein Schnuppermonat PS-Plus bei, den Ihr allerdings nur einlösen könnt, wenn Ihr vorher kein Plus-Abonnent wart. Die Fassungen für Xbox 360 und PS3 laufen in 720p-Auflösung und sehen für sich genommen gut aus, verlieren den Vergleich mit den Next-Gen-Versionen aber deutlich. Mit teils heftigem Kantenflimmern, weniger detaillierten Texturen und Schatten, reduzierten Lichteffekten, dem ein oder anderen Ruckler und Tearing müsst Ihr hier leben. Das PS3-Destiny verliert durch ein generell schwammigeres Bild das direkte Duell mit der 360 und bildet das Schlusslicht im Versionsvergleich.
Sascha Göddenhoff meint: Es klingt vielleicht negativ, wenn ich sage: Destiny ist ein richtig gutes Spiel geworden. Die Planeten bieten einigen Schauwert in Form von gigantischen Ruinen, verzweigten Höhlen oder mysteriösen Tempeln. Dort trifft mein Hüter auf reichlich Gegner, die Erfahrung, Geld und mitunter Ausrüstung spenden das motiviert zum Weitermachen. Doch die stets gleichen Wege im Verlauf der Missionen langweilen schnell, dazu werden mir viele Spielelemente nicht erklärt. Die Sinnhaftigkeit des Level-Systems stelle ich ebenfalls infrage: Warum geht es nach Stufe 20 mit einem neuen System weiter? Die Story ist quasi nicht existent und entlässt mich danach in eine Spielwelt, die mir nichts Neues bietet. Das Konzept hinter Destiny leuchtet mir noch nicht ein, aber die guten Ansätze halten mein Raumschiff noch eine Weile im Orbit.
Kenneth Burgess meint: Einen Hype wie beim Warten auf Destiny habe ich lange nicht mehr erlebt. Doch ich kann mit Freude sagen: Bungie hat mich nicht enttäuscht. Das Spiel sieht sehr gut aus, das reicht von kleinen Texturdetails bis hin zum schönen Himmel der Venus. Der Sound überzeugt mich mit passenden Waffengeräuschen und toller Musik diese erinnert an den großartigen Halo-Soundtrack. Speziell gefallen mir die Strikes und der Schmelztiegel: Beide Modi setzen auf schnelle Action und Teamspiel. Wie es bei all dem jedoch um die Langzeitmotivation steht, bleibt abzuwarten. Wenn Bungie allerdings mit immer neuen Raids, Strikes, Nightfall-Missionen, legendärer Ausrüstung und weiteren Elementen den Spielspaß hoch halten kann, dann verbringt Ihr zukünftig sehr viel Zeit im Destiny-Universum.
Tobias Kujawa meint: Für mich ist Destiny bisher ein Konstrukt mit gigantischem Potenzial, dem es aber an Fleisch fehlt. Die Story ist völlig egal, was Euch sogar die Spielwelt spüren lässt: Nach der Endsequenz geht es für die Turmbewohner ganz normal weiter. Bei den Missionen runzele ich die Stirn, werde ich doch Dutzende Male auf die gleiche Route mit den gleichen Feinden geschickt. Warum das Spiel viele Features erst öffnet, wenn ich eigentlich schon durch bin, verstehe ich auch nicht. Und die Auslagerung der Grimoire-Texte sowie das Fehlen wichtiger Erklärungen (Was mache ich mit den Rohstoffen? Wie komme ich an Marken?) sind eigentlich unverzeihlich. 25 Stunden Spaß hatte ich aber dank Koop-Partner, liebevoll gestalteter Schauplätze und gut funktionierender Shooter-Mechanik dennoch. Ich hoffe, Bungie begräbt mit den beiden angekündigten Add-ons das Level-Recycling und liefert neue Planeten. Denn die immer gleichen Strikes werden für mich nicht besser oder motivierender, nur weil man sie einfach mit schwereren Feinden füllt.
- nur online spielbar
- kostenlose begleitende Smartphone-App
- kauft die digitale PS3- oder Xbox-360-Version und ladet bis 15. Januar das PS4- oder XOne-Gegenstück gratis
Meinung
Bungies Destiny wird zur neuen Heimat für Koop-Spieler Sci-Fi-Fans mit Lust auf Story und Abwechslung werden aber enttäuscht.
| Singleplayer |  | 85 |
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| Grafik |  |
| Sound |  |