Nur weil man stirbt, ist noch lange nicht alles vorbei: Das stellt der verblichene Cop Ronan OConnor fest, denn er muss die Identität seines Killers klären, um das Städtchen Salem hinter sich lassen zu können und mit seiner Liebsten vereint zu werden. Dabei greift Ihr ihm unter die Arme, denn alleine kommt er nicht voran: Interaktion mit der echten Welt ist ohne physische Präsenz eben schwierig.
Anfangs dürft Ihr nur Indizien in der Umgebung betrachten und versuchen, indirekt Einfluss zu nehmen: Nehmt die Körper von Lebenden in Besitz und lauscht ihren Gedanken. Manchmal könnt Ihr auch durch ihre Augen blicken oder sie mittels der richtigen Erinnerung veranlassen, zu Euren Gunsten aktiv zu werden. Bald trefft Ihr zum Glück das junge Medium Joy, das Euch wahrnehmen kann: Mit ihr zusammen lässt es sich besser ermitteln, allerdings liegt es an nun Euch, sie unbemerkt zu den Schauplätzen zu schleusen, indem Ihr mit Euren Geisterkräften andere Menschen ablenkt.
Murdered erinnert vor allem an den Ermittler-Aspekt von L.A. Noire und nimmt Euch gerne an die Hand: Das Abenteuer läuft weitgehend linear ab, nur manchmal bleibt Ihr kurzzeitig hängen, weil das entscheidende Indiz übersehen wurde. Hin und wieder sollen Beweise kombiniert werden, doch da bei Fehlern keine Konsequenzen drohen, tut es zur Not auch simples Durchprobieren. Ein Hauch von Action kommt lediglich bei den aufgesetzt wirkenden, schnell monoton werdenden Schleich-Einlagen ins Spiel, wenn feindselige Dämonen durch die Gegend patrouillieren. Da Ihr keine Waffen habt, müssen sie durch unbemerkte Annäherung bezwungen werden, sonst haucht Ihr Euer Leben aus.
Spielerisch scheut Murdered frische Ideen fast wie der Teufel das Weihwasser, grafisch wird bedingt durch die nüchtern inszenierten Schauplätze lediglich solide, wenig abwechslungsreiche Hausmannskost geboten. Deshalb müssen Story und Charaktere für Motivation sorgen: Das gelingt weitgehend, denn die Partnerschaft von Ronan und Joy ist gelungen in Szene gesetzt. Die Handlung wartet mit genügend Schockmomenten und nicht offensichtlichen Überraschungen auf, um über die (nicht allzu lange) Spielzeit keine Durchhänger zu produzieren viel mehr schafft sie aber auch nicht.
Ulrich Steppberger meint: Ärgern musste ich mich über Murdered nicht, doch ein Gedanke kam mir immer wieder: In der Figur Ronan OConnor steckt ebenso Potenzial wie in der unterm Strich gelungenen Story wieso wird das alles dermaßen unambitioniert abgefrühstückt? Dass die Technik gerade auf Next-Gen-Hardware bieder ausfällt, ist schade, aber verkraftbar. Schwerer wiegt der Verzicht auf jeglichen Einfallsreichtum im Spieldesign. Das Abklappern der verschiedenen Lokalitäten folgt stets der gleichen simplen Masche: Alles anschauen, Hinweise sammeln, simple Schlussfolgerungen ziehen und wieder von vorn wenig aufregend, außer wenn die pingelige Steuerung nervt. Auf die Stealth-Abschnitte könnte ich zudem gut verzichten, echten Mehrwert bringen sie dem Detektiv-Abenteuer jedenfalls nicht.
- Schwerpunkt auf Abklappern der Tatorte nach Hinweisen
- Stealth-Einlagen etwas hakelig
- jede Menge Hintergrundinfos als Sammelmaterial versteckt
Atmosphärisches Mystery-Abenteuer, dessen Story gut genug ist, dass man die simpel gestrickte Indiziensammelei hinnehmen kann.
| Singleplayer |  | 67 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |