Japan, 1867: Die Edo-Ära steuert auf ihr Ende zu, auf der Fernostinsel beginnt ein politischer Umbruch. Splittergruppen wollen die strenge Kontrolle der Tokugawa-Shogune aufbrechen, manche sehnen gar die Kaiserzeit zurück. Inmitten der kriegerischen Parteien findet sich der Serienheld Kiryu Kazuma wieder, der diesmal in die Rolle des damals real existierenden Samurais Sakamoto Ryoma schlüpft. Im Dorf Tosa könnte er einem friedlichen Dasein frönen, doch sein Ziehvater Toyo kommt bei einem Attentat um. Ryomas einzige Spur ist der seltene Kampfstil des Mörders. Für seinen Rachefeldzug taucht er mit falschem Namen in Kioto unter, wo das eigentliche Abenteuer stattfindet.
Unter dem japanischen Originaltitel Ryu Ga Gotoku Ishin! führt Segas Yakuza-Reihe nach Kenzan! die Spieler zum zweiten Mal ins alte Japan. Vieles dürfte auf Serienkenner vertraut wirken, auch wenn es hier nicht Mafia-Banden an den Kragen geht, sondern dubiosen Samurai-Gruppierungen wie den Shinsengumi. In verschiedenen Spielkapiteln führt eine Spur zur nächsten, ebenso eröffnen sich bald alle Stadtgebiete Kiotos und Ihr gelangt u.a. nach Fushimi, Rakugai und ins Vergnügungsviertel Gion. Auf den Straßen begegnet Held Ryoma das typische Stadtbild von damals: Bewohner in traditionellen Kimonos streifen zwischen Holzhäusern und Geschäften umher, während Ihr das nächste Missionsziel ausfindig macht. Dennoch lohnt sich ein Streifzug abseits der Wege, schließlich erhaltet Ihr für jede Aktion auch Karmapunkte. Sei es beim Genuss von Sake oder zahlreicher Gerichte, beim Mahjongg- und Shogi-Spiel oder bei der Teilnahme an der örtlichen Lotterie. Ebenso verdingt Ihr Euch als Nudelkoch, geht fischen oder wettet beim Gockel-Rennen. Zu den serientypischen Höhepunkten zählen abermals der Besuch in der Karaokebar sowie ein teurer Abend mit einer netten Geisha. Allerorts stolpert Ihr über Nebenmissionen, in denen Ihr oft arme Seelen vor Raufbolden beschützt. Ebenso füttert Ihr auch Straßenhunde, hackt Holz, erledigt Botengänge oder geht auf Kopfgeldjagd. Um der dialoglastigen Geschichte und deren vielfältigen Aufgabenstellungen zu folgen, sind gute Japanischkenntnisse vonnöten. Spielerische Aktionen sind dagegen trotz Sprachbarriere oft selbsterklärend.
Vor allem bei den abermals häufigen Zufallskämpfen in den Straßen bedarf es weniger Worte als vielmehr Taten. Das Spiel offeriert Euch vier verschiedene Kampfstile, zwischen denen Ihr jederzeit per Steuerkreuz wechselt. Zur Attacke zückt Ihr entweder das Katana, die Pistole, beides zusammen oder Ihr geht zum Faustkampf über. Fairerweise sind alle Angriffsarten ausgeglichen: Eine Pistolenkugel richtet nicht mehr Schaden an als ein Fußtritt. Serienkenner kommen bei den Massenkloppereien schnell klar. Attacken, Würfe und Abwehr funktionieren wie gewohnt flott, auch Combomanöver sind dank aufladbarer Heat-Leiste auf Knopfdruck abrufbar. Damit schlitzt Ihr Gegner auf überaus blutige Weise auf. Doch Ryoma ist kein Massenmörder, denn nach den Duellen entschuldigen sich die erschöpften Widersacher wie gehabt beim Helden. Allerdings dürft Ihr Eure Arbeitsgeräte trotzdem beim Schmied schärfen. Mit genug gesammelten Rohstoffen zimmert Ihr außerdem neue Schwerter und Knarren zusammen. Reger Einsatz der diversen Kampfstile wird mit verschiedenfarbigen Kugeln belohnt, die Ihr in vier Fähigkeitsbäume der entsprechenden Kategorie investiert. Damit erhaltet Ihr neuartige Attacken, aber auch gesteigerte Lebensenergie. Wer nicht genug bekommt, stellt sich Kämpfen in der Arena oder besucht die optionalen Dungeons, in denen massig Feinde auf eine Abreibung warten. Für die Beutezüge setzt Ihr auch eigene Soldaten in Form von Karten ein, die auf Abruf Eure Kampfwerte kurzzeitig verbessern.
Serienliebling Haruka darf auch diesmal nicht fehlen: Doch das Waisenmädel hat mächtig Schulden, die sie nicht zurückzahlen kann. Im Modus Another Life greift Ryoma ihr auf einer kleinen Farm deshalb unter die Arme Harvest Moon lässt grüßen! Ihr bepflanzt und erntet Euren Acker mit verschiedenem Gemüse und kocht daraus Gerichte, die Haruka hoffentlich schmecken und ihre Sympathie steigern. Zudem könnt Ihr überzähliges Erntegut auch verkaufen. Auf dem kleinen Gehöft haltet Ihr auch Haustiere, die es als Belohnung für bestimmte Aufgaben gibt. Weitere Prämien erhaltet Ihr beim rudimentären Online-Modus, bei dem Ihr in fünf Brett- und Kartenspielen gegen einen menschlichen Gegner antretet.
Charaktermodelle und Umgebung gleichen sich bei der getesteten Version auf PS4 sowie der angesehenen Demo auf PS3. Allerdings gibt es auf der PS4 mit 60 Bildern pro Sekunde die doppelte Bildrate dank besserer Schatten und 1080p-Auflösung (statt 720p) wirkt die Grafikkulisse deutlich sauberer und plastischer. Schade: Die Chancen für eine Veröffentlichung in Deutschland stehen schlecht, schließlich hat Sega noch nicht einmal den Vorgänger Yakuza 5 von 2012 bei uns veröffentlicht.
Thomas Stuchlik meint: Der neueste Yakuza-Teil rüttelt ein wenig am konservativen Grundprinzip der Serie. Zwar wechseln noch immer endlose Dialogsequenzen mit Laufereien zum nächsten Informanten und dem nächsten Kampf. Allerdings lässt Euch Ishin! tief in die Welt des alten Japan eintauchen, welche mal originalgetreu, mal überspitzt, mal augenzwinkernd dargestellt wird. Das große Spielgebiet hält dank Läden, Beschäftigungen und Aufträgen massig Abwechslung parat. Das breit gefächerte Kampfsystem ist schnell erlernt und bietet dank Fähigkeitsbäumen dennoch ausreichend Tiefgang. Auch die neuartigen Dungeon-Beutezüge sowie das ländliche Farmleben fesseln längerfristig an den Bildschirm. Grafisch überzeugt Ishin! mit schick inszenierten Tageszeiten und Liebe zum Detail, allerdings sind einige Akteure lieblos umgesetzt. Letztlich bildet nur die Sprachbarriere (samt Textlastigkeit) ein Hindernis für Fernost-Abenteurer.
- offene Stadtkulisse im alten Kioto
- variantenreiches Kampfsystem
- umfangreiche Bonus-Abenteuer
- bekannte Seriencharaktere in neuen Rollen
Das beeindruckende Samurai-Epos offenbart eine tiefgründige Spielwelt mit variablen Kampfstilen und gewitzten Nebenbeschäftigungen.
| Singleplayer |  | 87 |
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| Grafik |  |
| Sound |  |