Der japanische Entwickler Camelot zeichnete anno 1997 für Everybodys Golf auf der PSone verantwortlich und etablierte die Kombination aus knuffigem Look und einfach erlernter, aber gelungener Simulation für den eleganten Sport. 1999 folgte das erste Mario Golf auf dem Nintendo 64 mit weitgehend identischem Konzept und dem Klempner auf dem Grün. Der darf nach fast einer Dekade Pause zuletzt wurden 2004 auf dem GBA die Schläger geschwungen auf dem 3DS zum (je nach Zählweise) inzwischen sechsten Mal ran.
Spielerisch bleibt alles beim Alten: Mario Golf verzichtet auf Experimente bei der Steuerung und setzt auf das bewährte Drei-Klick-Prinzip, mit dem Schlagstärke und Ballspin festgelegt werden. Dazu braucht es nicht viel mehr als halbwegs geschicktes Timing, Amateursportler können gar eine vereinfachte Variante wählen, bei der nur die Schwungkraft bestimmt wird. Damit treibt Ihr den Ball in Richtung Fahne, auf dem Grün wird zum Putten ein Gitter mit sich bewegenden Punkten eingeblendet, welches Bodenunebenheiten anzeigt. Hier hat World Tour mit der Hardware zu kämpfen, denn durch die niedrige Auflösung des 3D-Screens und die nicht ideal gewählte Perspektive lässt sich die Beschaffenheit des Untergrunds nur ungenau einschätzen, was das exakte Zielen erschwert und manchen Birdie versaut.
Damit müssen sich Handheld-Golfer wohl oder übel anfreunden, designbedingte Einschränkungen überraschen dagegen schon: Lediglich drei normale und unspektakulär gestaltete 18-Loch-Kurse werden von einem halben Dutzend halb so langer Kurse im Mario-Look flankiert. Aber auch die sind keine kreativen Höhepunkte trotz serientypischer Hindernisse und der Möglichkeit, klassische Extras für kuriose Schläge anzuwenden. Im verkappten Palastklub-Story-Modus, der Euch zur Nutzung des eigenen Miis verpflichtet, tretet Ihr zudem gar nicht zu Turnieren an, das geht nur im Einzelspiel, wo auch diverse Herausforderungen (Spielt durch die Ringe und Ähnliches) warten.
Am meisten Spaß erwartet Euch, wenn Ihr vier Leute entweder lokal oder online zur gemeinsamen Runde versammelt oder weltweit ausgeschriebene Turniere absolviert.
Ulrich Steppberger meint: Mario Golf wirkt wie eine Pflichtaufgabe. Grafikstil, Dialoge und Inszenierung der Mario World-Kurse im typischen Klempner-Look sind handwerklich einwandfrei, aber der Funken will nicht überspringen: Allzu bieder gerieten die normalen 18-Loch-Kurse, der Palastklub-Modus entpuppt sich als hübsche Kulisse mit wenig Tiefgang (warum gibt es keine richtige Story?) und die Herausforderungen sind einfallslos. Zudem fallen einige Macken auf: Die Bedienung der Kamera ist suboptimal und beim Putten bleibt stets das Gefühl, dass durch die Hardware-Limitationen relevante Infos nicht ausreichend vermittelt werden. Trotzdem steckt immer noch genug im Modul, um zwischendurch für ordentliche Golfrunden zu sorgen. Nach einer Dekade Pause habe ich aber mehr erwartet.
- 3 reguläre 18-Loch-Kurse
- 6 Kurse im Mario-Design mit Gimmicks und je 9 Löchern
- 16 Nintendo-Stars und Euer Mii spielbar
- zahlreiche Mini-Herausforderungen
Routiniertes wie unspektakuläres Golf, dessen Mario-Charme den schlanken Umfang und die einfallslose Spielstruktur nur bedingt kompensiert.
| Singleplayer |  | 71 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |