Als Final Fantasy X 2001 auf der PS2 erschien, sorgte es für Aufsehen. Nicht nur wegen des Verzichts auf die etablierten Render-Hintergründe, sondern auch, weil die Entwickler erstmals mit Sprachausgabe experimentierten, auf ein neuartiges, rein rundenbasiertes Kampfsystem setzten und keinen Hehl mehr aus der in den Vorgängern meist verschleierten Linearität machten. Die Pilgerreise von Yuna und ihren Begleitern ist fast bis zum Finale streng vorgegeben, Abenteuer abseits des Hauptwegs sind ähnlich selten wie im zuletzt dafür gescholtenen Final Fantasy XIII. Im Gegensatz zu heute waren die Spieler damals von all den Neuerungen wenig irritiert und feiern Final Fantasy X bis heute als einen Höhepunkt der Serie. Mit der Fortsetzung Final Fantasy X-2 haben schon mehr Leute Probleme: Die punktete mit herausragendem Kampfsystem und jeder Menge spielerischer Freiheit, setzte gleichzeitig aber auf recycelte Monster und Umgebungen und stieß manchen mit ihrer poppigen Aufmachung vor den Kopf.
Beide Spiele wurden aufwendig für PS3 und Vita angepasst: Die 16:9-Darstellung wird natürlich unterstützt, allerdings musste bei den FMV-Sequenzen ein Kompromiss gefunden werden anstatt sie neu zu rendern, wurden sie oben und unten beschnitten. Die Umgebungen wirken durch die höhere Auflösung schärfer, zusätzliche Details und Lichtquellen lassen die Welt lebendiger wirken. Gleichzeitig wurden die Hauptfiguren mit neuen HD-Modellen ausgestattet und die Musik neu arrangiert.
Auch inhaltlich ist mehr geboten, beide Titel erscheinen in ihren International-Varianten. Final Fantasy X beinhaltet in der HD-Neuauflage ein zweites, weitaus flexibleres Sphärobrett zur Charakterentwicklung und neue, optionale Bosskämpfe. X-2 trumpft mit zwei neuen Dress-Spheres und Inhalten in Form der umfangreichen Last Mission im Rogue-Stil auf. Außerdem können nicht nur etliche Monster, sondern auch ein paar alte Bekannte aus dem Vorgänger gefangen und im Kampf eingesetzt werden.
Auch ein paar Extras sind mit dabei wie Eternal Calm, ein in der Spiel-Engine gerendertes Verbindungsstück zwischen beiden Episoden bisher war das nur gemeinsam mit dem längst vergriffenen RPG Unlimited Saga in Deutschland erhältlich. Außerdem gibt es noch das Hörspiel Final Fantasy X ~Will~: Das wird während der Credits gespielt, ist bereits aus dem Hauptmenü heraus zugänglich und wirft einen letzten Blick auf die Welt von Final Fantasy X und die Protagonisten. Während auf der PS3 beide Episoden auf einer Blu-ray vereint sind, bekommen Vita-Käufer den ersten Teil auf Cartridge, den zweiten als Code für einen etwa 3,5 GB großen Download. Die Spielstände beider Versionen sind untereinander kompatibel.
Thomas Nickel meint: Es ist schon witzig: Das gefeierte Final Fantasy X hat mehr mit dem umstrittenen Final Fantasy XIII gemeinsam, als mancher Fan wahrhaben möchte. Doch tatsächlich, in einer Sache unterscheidet sich der Klassiker von den aktuellen Episoden: Das Skript ist dramatisch besser und die Figuren und ihre Konflikte einfach nachvollziehbarer als die spröde Lightning und ihre Gesellen. Die HD-Überarbeitung der beiden PS2-Rollenspiele ist prima gelungen, gerade auf der Vita merkt man den beiden Abenteuern nur selten ihr tatsächliches Alter an. Herausragend ist in beiden Episoden das Kampfsystem: Die rundenbasierten Gefechte im Erstling sind komplex und fordernd, in der Fortsetzung erlebt Ihr eine der besten Inkarnationen des Active-Time-Battle-Systems. Schade nur, dass die deutsche Übersetzung nicht sauberer an die gesprochenen englischen Texte angepasst wurde und bessere Sprecher für die Hauptrollen oder zumindest japanischer Originalton wären auch willkommen gewesen.
- 2 umfangreiche RPGs
- gelungene HD-Überarbeitung
- großartige, neu arrangierte Musik
- erstmals im Westen alle Inhalte
Diesen beiden Rollenspiel-Klassikern merkt man ihr Alter kaum an genau so muss eine gute HD-Neuauflage aussehen.
| Singleplayer |  | 87 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |